Bald Ende der Beweisaufnahme Plötzlich soll es schnell gehen im NSU-Prozess

Beate Zschäpe hat, so sagt sie, den Bekennerfilm des NSU zuerst im Gerichtssaal gesehen.

(Foto: dpa)
  • Das Münchner Gericht will die Beweisaufnahme im NSU-Prozess in wenigen Tagen beenden - und zu den Plädoyers kommen.
  • Einen Termin für das Urteil gibt es noch nicht.
  • Ein Drehbuch zu dem NSU-Bekennerfilm deutet womöglich darauf, dass die Hauptangeklagte Zschäpe an dessen Erstellung beteiligt war.
Aus dem Gericht von Wiebke Ramm

Plötzlich soll alles ganz schnell gehen. Der Vorsitzende Richter im NSU-Prozess will die Beweisaufnahme zeitnah beenden und mit den Plädoyers beginnen. Manfred Götzl hat am Dienstag überraschend eine knappe Frist für letzte Beweisanträge gesetzt. Er hat den Verteidigern der fünf Angeklagten, den Anwälten der Opfer und den Vertretern der Bundesanwaltschaft dafür bis zum 14. März Zeit gegeben - und damit genau eine Woche.

Die Verteidiger von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben wirkten überrascht bis geschockt. Sie beantragten eine Unterbrechung der Hauptverhandlung, um ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Das Gericht gab ihnen zunächst bis zum Mittag des Folgetages Zeit.

Der NSU-Prozess hat vor fast vier Jahren begonnen, im Mai 2013. Bei 14 Verteidigern, 62 Nebenklägern und 92 Opferanwälten ist damit zu rechnen, dass auch die Plädoyers über mehrere Wochen gehen werden. Einen Urteilstermin gibt es nach wie vor nicht.

Hinweise im Drehbuch des NSU

Zunächst hatte das Gericht am Dienstag, dem 351. Verhandlungstag, eine Art Drehbuch für den NSU-Bekennerfilm verlesen. Es lag im Brandschutt des letzten NSU-Verstecks in Zwickau. Das Drehbuch enthält umfangreiche handschriftliche Notizen zum Bearbeiten einzelner Szenen der Zeichentrickserie "Der rosarote Panther", auch bekannt als "Paulchen Panther". Auch die Namen von neun der zehn Mordopfer des NSU sind vermerkt. Als Autor gilt Uwe Mundlos, einer der zwei mutmaßlichen Terroristen, mit denen Zschäpe über Jahre im Untergrund lebte.

Zschäpe hatte nach dem Tod von Mundlos und Uwe Böhnhardt DVDs mit dem Film verschickt, in dem sich der NSU zu den vorwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Bombenanschlägen bekennt. In dem Bekennerfilm sind unter anderem Fotos der Leichen mit "Paulchen Panther"-Szenen kombiniert.

Zschäpe behauptete vor Gericht, sie habe die bereits vorbereiteten Briefumschläge ohne Kenntnis des Inhalts verschickt. Das zutiefst menschenverachtende Werk will sie erstmals im Gerichtssaal gesehen haben. Das Drehbuch nährt weitere Zweifel an ihrer Behauptung.

Das Drehbuch wurde auf Antrag von Opferanwalt Yavuz Narin vorgelesen. Ihm war aufgefallen, dass einzelne "Paulchen Panther"-Szenen in dem Drehbuch als "Clips" bezeichnet sind. Dieses Wort findet sich auch in einer schriftlich formulierten Wette von Zschäpe und Böhnhardt. Zschäpe hatte gewettet, in einer bestimmten Zeit ihr Gewicht zu reduzieren. Der Verlierer sollte "200 Videoclips schneiden".

Zschäpe bestreitet, dass es dabei um den Bekennerfilm ging. Sie sagt, es sei um das Herausschneiden von Werbeblöcken in harmlosen Fernsehserien gegangen.

Zschäpes finanzieller Förderer

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Das Drehbuch enthält nicht nur sekundengenaue Zeit- und detaillierte Inhaltsangaben einzelner "Paulchen Panther"-Szenen, sondern auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Bearbeiten der Szenen. Mundlos galt als Computerexperte. Warum sollte er für sich eine Anleitung geschrieben haben?

Das Drehbuch ist kein Beweis, aber ein Indiz dafür, dass Mundlos den NSU-Bekennerfilm nicht allein hergestellt hat. Womöglich hat Zschäpe ihm geholfen.

Der Prozess soll am Mittwoch um 13 Uhr fortgesetzt werden.