Bahn-Vorstand Kefer zu Stuttgart 21 "Wir haben seriös gerechnet"

Er ist eine der zentralen Figuren im Konflikt um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, über das die Bürger in Baden-Württemberg am Sonntag abstimmen: Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" spricht Bahn-Vorstand Volker Kefer über die Kosten des Projekts, die Taktik der Gegner - und die Gerüchte über seine Zukunft.

Interview: Roman Deininger und Daniela Kuhr

SZ: Am Sonntag stimmen die Baden-Württemberger über Stuttgart 21 ab. Freuen Sie sich darauf oder wird Ihnen bei dem Gedanken mulmig?

Volker Kefer: Ich freue mich auf den Sonntag, weil ich mir einen Endpunkt für einen sehr, sehr langen Prozess erwarte. Die Schlichtung ist jetzt ein Jahr her, irgendwann muss es auch mal gut sein. Und ich hoffe, dass möglichst viele Leute zur Wahl gehen.

SZ: Die Gegner des Tiefbahnhofs stützen ihren Wahlkampf auf zwei Hauptargumente: dass die Baukosten explodieren werden und dass Stuttgart 21 weniger leistungsfähig wäre als ein sanierter Kopfbahnhof. Die Gegner kommen in einer aktuellen Umfrage immerhin auf 45 Prozent. Völlig entkräftet haben Sie deren Argumente also nicht.

Kefer: Und die Befürworter bekommen in dieser Umfrage 55 Prozent. Wir haben seit Monaten eine stabile Mehrheit für Stuttgart 21, mal ein bisschen höher, mal ein bisschen niedriger, aber stabil. Über die angebliche Kostenexplosion philosophieren die Projektgegner ja schon lange. Ein kluger Mensch hat mal gesagt: Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Wir haben das Projekt regelmäßig überprüft, und wir haben den Projektpartnern jetzt aktuell gesagt: Wir halten zusätzliche Kosten von 370 Millionen Euro für wahrscheinlich. Das haben wir alles schon lange auch im Internet veröffentlicht. Und jetzt werden wir dafür kämpfen, dass Stuttgart 21 innerhalb des Finanzierungsrahmens bleibt. Aber dafür ist es auch erforderlich, dass alle Projektpartner an einem Strang ziehen. Und zwar in dieselbe Richtung.

SZ: Sie glauben wirklich, dass es gelingen kann, den Finanzierungsrahmen von 4,5 Milliarden Euro einzuhalten?

Kefer: Ich sage, dass es gelingen kann. Wir haben seriös gerechnet, aber ich kann nicht zehn Jahre auf den Euro genau in die Zukunft schauen.

SZ: Explodieren denn nicht bei allen Großprojekten die Kosten?

Kefer: Nein. Zumal man sehen muss: Wir haben bei Stuttgart 21 erstmals überhaupt einen Risikopuffer von insgesamt 760 Millionen Euro eingerechnet, das hat es so bislang nicht gegeben. Als Lerneffekt haben wir dieses Verfahren jetzt zum Beispiel übertragen auf die zweite Stammstrecke der S-Bahn in München. Auch da gibt es jetzt einen Risikopuffer.

SZ: Mal angenommen, die 4,526 Milliarden Euro sind doch nicht zu halten. Wer soll dann die Mehrkosten tragen?

Kefer: Im Finanzierungsvertrag gibt es eine Sprechklausel, die sieht vor, dass die Partner dann darüber beraten. Wir haben damals ausgemacht, dass wir das Problem gemeinsam lösen. Zu dieser Vorgehensweise stehen wir, und wir fordern sie auch von den Projektpartnern ein.

SZ: Die Landesregierung hat aber deutlich gemacht, dass sie nicht mehr bezahlen will.

Kefer: So einfach ist das nicht. Wenn man in einem Vertrag etwas festlegt, kann man das nicht im Nachhinein einseitig verändern. Das geht nicht. Es war auch die damalige Landesregierung, die den Bahnhof und diese Finanzierungsvereinbarung wollte.