Auszeichnung für Journalisten Putin verleiht Preise für Propaganda

Wladimir Putin hat mehr als 300 Mitarbeiter russischer Medien für ihre "hohe Professionalität und Objektivität bei der Berichterstattung" ausgezeichnet.

(Foto: Mikhail Klimentyev/AFP)

Panikmache vor der "faschistischen Gefahr" aus Kiew, inszenierte oder sogar frei erfundene Berichte - die russischen Staatsmedien sind voll davon. Wladimir Putin findet das preisverdächtig und ehrt kremltreue Journalisten mit einer speziellen Auszeichnung.

Von Julian Hans, Moskau

Dass Kriege auch als Propagandaschlachten geführt und entschieden werden, ist nicht neu. Ungewohnt ist allerdings, dass auch die Kämpfer an dieser Front mit Orden ausgezeichnet werden. Per geheimem Erlass hat Russlands Präsident Wladimir Putin mehr als 300 Mitarbeiter russischer Medien für ihre "hohe Professionalität und Objektivität bei der Berichterstattung über die Ereignisse in der Republik Krim" ausgezeichnet. Anders als üblich wurde der Ukas mit der Nummer 269 nicht auf der Website des Kremls veröffentlicht. Doch die Wirtschaftszeitung Wedomosti lüftete am Montag das Geheimnis, was zwischen den Erlassen 268 und 270 steht.

Unter den Ausgezeichneten seien etwa 90 Journalisten, berichtet das Blatt unter Berufung auf einen Informanten im Kreml. Die übrigen seien Kameramänner und Techniker. Belobigt wurden durchweg Mitarbeiter Kreml-treuer Medien. Mehr als 60 arbeiten beim staatlichen Ersten Kanal, jeweils einige Dutzend bei den staatlich gesteuerten Sendern NTW, beim russischen Auslandskanal Russia Today und beim Sender Lifenews, der enge Kontakte zum Geheimdienst FSB unterhält. Mitarbeiter liberaler Medien wurden nicht ausgezeichnet. Die Ehrung bringt ganz konkrete Vorzüge, etwa eine bis um das Vierfache höhere Rente.

Ein Mann, drei verschiedene Geschichten

Seit Beginn der Proteste auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz hat sich der Ton in den russischen Medien gewandelt. An die Stelle staatstragender Meldungen über die Beschlüsse der Regierung sind vermehrt Panikmache vor der "faschistischen Gefahr" aus Kiew, inszenierte und sogar frei erfundene Berichte getreten. Dass dabei immer wieder Pannen passieren, sieht Putin seinen Helfern offenbar nach: So gab sich ein Mann erst in einem Sender als Provokateur aus Deutschland aus, der eine halbe Million Euro nach Kiew gebracht habe, um den Maidan zu unterstützen.

In einer anderen Sendung trat derselbe Mann als Opfer rechtsextremer Schläger auf. Als der Fall bekannt wurde, brachte der Sender NTW eine dritte Geschichte, in dem der Mann als schizophrener Betrüger dargestellt wurde. Während prorussische Milizen im Osten der Ukraine mehrmals westliche Journalisten als Geiseln genommen haben, wurden Journalisten russischer Sender offenbar bereits vor dem Sturm von Gebäuden informiert. In etwas, was mehr einem Verhör glich als einer Reportage, befragten russische Reporter in Slawjansk vor laufenden Kameras gefesselte Geiseln in Unterhosen, denen die Augen mit Paketband verbunden waren.

Unter den Ausgezeichneten ist auch der Leiter der Verbraucherschutzbehörde. Er ist zwar kein Journalist, hat aber in seiner Funktion dafür gesorgt, dass Websites kritischer Medien gesperrt wurden. Das war Präsident Putin offenbar einen Orden "für Verdienste um das Vaterland" vierten Grades wert.