Die Macht der Pracht: Außenminister Guido Westerwelle lädt Prominente gern in die Villa Borsig ein - bezahlt wird aus der Ministerschatulle. Die Opposition ist irritiert.
Als Außenminister Guido Westerwelle seinen Kollegen Sergej Lawrow jüngst nach Tegel bestellte, wunderte sich der Russe. Die Adresse ließ einen schmucklosen Treffpunkt in der Nähe des Berliner Flughafens befürchten. An Ort und Stelle zerstreuten sich die Sorgen. Westerwelle lud seinen Moskauer Gast zu Tisch in die Villa Borsig, ein neobarockes Schloss mit herrlichem Blick auf den Tegeler See.
Die Villa Borsig auf der Halbinsel Reiherwerder im Tegeler See gehörte einst einem Industriellen, jetzt empfängt hier der deutsche Außenminister. (© Foto: dpa, AP)
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Schon seit 2006 steht die einstige Industriellenvilla dem Auswärtigen Amt als Gästehaus zur Verfügung. Der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier bat eher selten Besuch in das feudale Ambiente.
Sein Nachfolger Westerwelle hingegen vertraut auf die Macht der Pracht in der Diplomatie. Er will Leben in die Villa bringen und sie zur "Marke" machen. Da sein Amt nun mal über die Immobilie verfüge, müsse sie doch auch genutzt werden, argumentierte er jüngst bei den Etatberatungen im Haushaltsausschuss. Das sieht, im Prinzip, auch die Opposition so.
Dennoch gibt es Ärger. Zwei Mal schon hat Westerwelle zu "Berliner Abenden" in die Villa Borsig geladen - zum Gedankenaustausch bei gutem Essen und anschließender Kaminrunde mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Medien und Diplomatie. Ein "völlig normaler Vorgang des internationalen gesellschaftlichen Lebens", heißt es dazu aus dem Auswärtigen Amt. Die Serie werde fortgesetzt.
Die Opposition ist aber misstrauisch; sie verlangt Auskunft über die Abende, die aus der Ministerschatulle für "außergewöhnlichen Aufwand aus dienstlichem Anlass in besonderen Fällen" finanziert werden. "Westerwelle ist nicht König Guido, sondern ein Minister unter demokratischer Kontrolle", sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Brandner. "Er lädt zu diesen Abenden nicht als FDP-Vorsitzender, sondern in seiner Funktion als Bundesaußenminister", sagt Brandner und verlangt Klarheit, ob die Abende "im Interesse der Bundesrepublik" stattfinden.
Ein ziemlich hoher Anspruch - und ein weltfremder, wie Diplomaten finden. Zur Außenpolitik gehöre nun mal auch das gesellschaftliche Leben. Entsprechend liest sich die Gästeliste des ersten "Berliner Abends", der Mitte Dezember stattfand.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung waren dazu unter anderen geladen: ZDF-Showmaster Thomas Gottschalk, Talkmasterin Sabine Christiansen, Fußball-Trainer Felix Magath und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, außerdem Telekom-Chef René Obermann, der Milliardär Reinhold Würth und schließlich die Botschafter Spaniens und der Schweiz. "Westerwelle sollte sich mal um deutsche Außenpolitik kümmern und nicht um deutsche B-Prominenz", kritisiert der grüne Abgeordnete Sven-Christian Kindler.
Bei der Auswahl der Gäste dürfte neben Prominenz allerdings auch Sympathie eine Rolle gespielt haben. Schraubenhersteller Würth war viele Jahre lang FDP-Mitglied, Fußballtrainer Magath bekannte nach der Bundestagswahl 2009: "Tatsächlich steht Leistung bei mir im Berufsleben ganz weit oben, deshalb habe ich auch die Hoffnung, dass die FDP das hinkriegt und Wort hält."
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Ob die Süddeutsche auch so genau hinschaut, wenn es um das Gebahren roter oder grüner Regierungen in deutschen Bundesländern geht? Auch das Saarland hat gerade seinen Skandal.
Ob soll hier die nur tägliche Serie "SZ gegen Westerwelle" auf Deibel komm raus fortgesetzt werden?
Die FDP ist eine Kasperltruppe. Und Westerwelle ein legitimer Möllemann-Nachfolger - Wahnsinn...
http://ethischer-realismus-workgroup.blog.de/2010/03/05/bruederle-komm-tanz-komische-fdp-kombo-8118635/
Was hat der Autor eigentlich für ein Problem? Dass der Aussenminister Gäste empfängt oder dass Westerwelle Aussenminister ist? Dass über die Gäste keine Abstimmung stattfindet? Dass das Haus zu repräsentativ ist?
Morgen werden wir vermutlich erfahren dürfen, dass die Menüs zu lang sind, der Wein zu teuer, auf den Tischen überflüssigerweise Blumen rumstehen und die Raumtemperatur um drei Grad zu hoch ist und die Gäste sich nicht an die Arbeitszeitregelung der Bediensteten halten wollen und zu lange bleiben.
Der provinzielle Mief und die kleinkarierte Selbstherrlichkeit so manchen Autors scheinen bei manchen Lesern ja auf sehr viel Gegenlieben zu stoßen. Lappalien zu produzieren und zu Staatsaffären hochzujubeln ist im allgemeinen das Kennzeichen von Revolverblättern.
`Fußballtrainer Magath bekannte nach der Bundestagswahl 2009: "Tatsächlich steht Leistung bei mir im Berufsleben ganz weit oben, deshalb habe ich auch die Hoffnung, dass die FDP das hinkriegt und Wort hält." `
Ich habe Magath immer für einen intelligenten Menschen gehalten. Das so einer auf die Worthülsen der im Wahlkampf zur Volkspartei aufgepumpten "Kauf Mich" FDP hereingefallen ist, erstaunt mich schon.
Hoffe, er ist mittlerweile eines Besseren belehrt worden.
Das kann doch nur ein kleinkarierter Grüner bezweifeln, dass Thomas Gottschalk und Talkmasterin Sabine Christiansen internationale Größen sind. Und schließlich ist der Milliardär Reinhold Würth ein echter Monarch, nämlich Schraubenkönig.
Schande über den, der da von sparsamem Umgang mit Steuergeldern und Haushaltskrise faselt!
Paging