Vorwurf der Vetternwirtschaft: Außenminister Westerwelle hat sich selbst in Bedrängnis gebracht, weil er seine eigenen hohen Maßstäbe nicht einhält - das aber nicht wahrhaben will.
Guter Stil ist Guido Westerwelle wichtig. Der Bundesaußenminister, Vizekanzler und FDP-Vorsitzende legt Wert auf bürgerliche Umgangsformen.
In Bedrängnis: Guido Westerwelle (© Foto: ddp)
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Er schätzt es nicht, wenn im Parlament Zeitung gelesen wird. Er entschuldigt sich sehr höflich, wenn er einen Diskussionspartner im Eifer des Gespräches unterbrochen hat.
Und niemand in der Bundesregierung knöpft so formvollendet und verlässlich seinen mittleren Sakkoknopf zu, wenn er sich erhebt, und knöpft ihn wieder auf, wenn er sich setzt.
Sicherheit in Stilfragen ist ganz grundsätzlich auch für einen Politiker eine wichtige Voraussetzung. Solange er in der Opposition sitzt, legitimiert sie Angriffe gegen die Regierung, wie Westerwelle sie zum Beispiel in Zeiten der großen Koalition gerne geführt hat. Die Politik war sowieso schlecht, aber der Koalition mangelte es laut Westerwelle bisweilen auch an Respekt vor der Verfassung und vor den Bürgern, was er wiederum mit der Arroganz der Macht erklärte. Sitzt ein Politiker selbst in der Regierung, kann Stilsicherheit helfen, ihn genau vor dieser Arroganz zu schützen.
Westerwelle hat als neuer Außenminister demonstrativ den Eindruck erweckt, in dieser Hinsicht weiter sensibel sein zu wollen. Dafür spricht zum Beispiel, dass sein Lebensgefährte Michael Mronz aus eigener Tasche bezahlt, wenn er mit Westerwelle reist. Das müsste er nicht tun.
Westerwelle und Mronz wollten jedoch von Beginn an jeden Anschein einer zweifelhaften Vorteilsgewährung vermeiden. Der Außenminister Westerwelle verhält sich in diesem Fall überkorrekt. Genau deshalb ist umgekehrt so schwer zu verstehen, warum er an anderer Stelle sozusagen unterkorrekt handelt, wenn er den Geschäftsführer einer Firma mit Verbindungen zu seinem Bruder mitnimmt.
Es gibt für diesen Stilbruch zwei mögliche Erklärungen: Entweder Westerwelle hat nicht gemerkt, welchen Anschein einer zweifelhaften Vorteilsgewährung er damit zulässt.
Oder aber er hat es gesehen und einfach gehofft, dass es sonst niemand merkt. Denn anders als im Falle seines Lebensgefährten, dessen Dasein als Selbstzahler aktiv und bereitwillig veröffentlicht wurde, bedurfte es im anderen Falle erst medialer Berichterstattung, um Transparenz herzustellen.
Eine von vielen Gefahren für einen Regierenden besteht darin, dass er dem Glauben verfällt, mit der politischen Macht auch die Definitionshoheit über politischen Stil errungen zu haben.
Dann betrachtet er, wie jetzt Guido Westerwelle, Fragen nach schwerverständlichen Vorgängen als den Versuch parteipolitischer Kampagnen oder verleumderischer Manöver. Dann sieht er sich umstellt von Übelmeinenden und aktiviert seine Unterstützer.
Einer von denen ist der Generalsekretär der FDP, Christian Lindner. Er nimmt seinen Parteichef als das Opfer einer Diffamierungskampagne in Schutz, die sogar die Demokratie gefährde. Das allerdings hat mit gutem oder schlechtem Stil nichts mehr zu tun. Es ist einfach nur dummes Geschwätz.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 13./14..3.2010)
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keinen Gebrauchtwagen, keine Sprüche, keine Versprechungen und keine Ihrer schrägen Stilblüten!
An alle ein schönes Wochenende! Westerwelle wird auch noch an uns vorüberziehen, wie ein unangenehmer Schnupfen. Die Geschichte wird auch über diese Figur hinwegfegen.
Herr Fried gibt nicht auf. Gestern noch, bescheinigte er seinem Vizekanzler, dass er die deutsche Sprache so toll beherrsche, dass er seinen Vorgänger locker übertreffe. STeinmeier war zwar eher ein wenig dröge manchmal, wenigstens hatte man bei ihm nicht das Gefühl, dass er seine Zuhörer für volldeppen hält, denen man jede Kleinigkeit erklären muss. Seine Guidoheit als Obererklärbär darauf kann ich gut verzichten. DAS ist eine Stilfrage..
korruption, vorteilsgewährung das sind keine Stilfragen...
"... weil er seine eigenen hohen Maßstäbe nicht einhält..."
Dieser Ansatz scheint mir dahergefaselt.
Guido Westerwelle hat keine "hohen" Maßstäbe. Das weiß mittlerweile jeder. Nur, weil einer oberflächliches Gebaren und lautsprechende, sinnleere Wichtigtuerei von der Pike auf als DAS Erfolgsrezept unter Dummen (sic!) gelernt hat, hat er noch lange kein Profil, das anzuführen sich lohnte.
Dieser Mann ist eine solche Farce(!) - und dennoch stellt er eine veritable Kraft zur Aushöhlung demokratischer Prinzipien dar. Wie kann das sein?
Es ist offenbar etwas furchtbar faul im Staate - wann wird das endlich mal grundsätzlich in der Presse und: ernsthaft thematisiert? Wie lange soll denn das noch gutgehen? Sind die medialen (Besitz-) Bedingungen wirklich schon so desaströs, daß nur noch Tittytainment geht?
@Moby: gerade noch rechtzeitig
@Moderation
Da sich die Anzeichen mehren, dass die Regierung jede Minute auseinander bricht, könnte das Forum doch geöffnet bleiben, oder? Ich meine, wenn heute Abend oder morgen früh der Clicksturm losbricht, weil die Freiheitsstatue der jähen Verschrottung anheim gestellt wurde, will die SZ doch auch davon profitieren. :-)
Paging