Tatsächlich weiß keiner genau, wer die Randalierer sind. Vielleicht ist die Mehrheit von ihnen tatsächlich schwarz, stammt also aus Afrika oder aus der Karibik. Vielleicht stammt die Mehrheit auch aus den ärmeren Vierteln der englischen Städte. Aber beides trifft keineswegs auf alle Randalierer zu. Viele, aber nicht alle, sind jung (und es sind Kinder unter ihnen). Es gibt offenbar kriminelle Banden, die gezielt plündern und Feuer legen. Aber die meisten Plündereien sind offenbar der Gelegenheit geschuldet.
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Ratlosigkeit in England: Für die Ausschreitungen gibt es keine einfache Erklärung. (© dpa)
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Einige der Randalierer sind wütend, andere finden die Aufstände lustig. Offenbar verändern sich die aufständischen Gruppen auch von Tag zu Tag, sie folgen willkürlichen, von den sozialen Medien vermittelten Mustern, und das umso mehr, je länger die Tumulte andauern. Vermutlich wird nun mindestens ein Jahrzehnt über die "multikulturelle Dynamik" debattiert werden, der diese Aufstände in der ethnisch am buntesten gemischten Metropole der Welt folgten.
An den Interviews, die mit den Randalierern gemacht werden, fällt auf, dass sie selbst nicht zu wissen scheinen, warum sie tun, was sie tun. Einige sagen, sie seien wütend auf die Polizei. Anderen fehlt das Vermögen, ihre Gedanken auszudrücken. Wenn sie es dennoch tun, ist das, was dabei herauskommt, oft auf ebenso erschreckende wie komische Weise banal: "Wir zeigen den reichen Leuten, dass wir tun können, was wir wollen", sagte ein weißes Mädchen der BBC. Ihre Bemerkung ist offenbar repräsentativ für eine Form des Widerstands, die man dem Freizeitverhalten zuordnen möchte.
Das beste Wort, um die gegenwärtig herrschenden Zustände zu beschreiben, stammt vermutlich von Émile Durkheim, dem französischen Soziologen: "Anomie" beschreibt eine Art Zusammenbruch, ein drastisches Auseinandertreten zwischen den Normen, die für einen einzelnen Menschen oder für eine Gruppe gelten, und den gesellschaftlichen Normen.
Wie immer bei psychischen Ausnahmezuständen ist es schwierig, die Gründe dafür zu finden - dass ein junger Mann in Tottenham von der Polizei erschossen wurde, mag allenfalls als Auslöser gelten. Die beste Antwort wäre vermutlich, man drehte die Frage nach den Gründen um: Wie unterstützt man die Entwicklung in sich kohärenter Gemeinschaften? Das Verlangen nach einer einfachen Erklärung spiegelt nur den Wunsch wider, dem Zusammenbruch sofort zu entkommen.
Alexander Linklater ist Journalist und Mitherausgeber der Zeitschrift Prospect magazine.
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(SZ vom 11.08.2011/sebi)
Stockender Kita-Ausbau
Von Gina Thomas, FAZ, (Auszug)
„Im Unterschied zu damals (soziale Situation 19. Jh.) aber müssen die randalierenden Jugendlichen, deren Uniform das Kapuzensweatshirt ist, von dem der Sammelbegriff „Hoodie“ abgeleitet wird, nicht hungern. Sie besitzen Blackberrys und streunen auf schicken Rädern durch die Stadt. Wie die Lehrerin Katharine Birbalsingh bemerkte, die ihren Posten an einer Staatsschule verlor, als sie das Versagen des Gesamtschulsystems, die mangelnde Disziplin und die niedrige Leistungserwartung öffentlich verurteilte, hat Armut nichts mit diesen Ausschreitungen zu tun: „Wenn die Armut derart explosive Unruhen verursachen würde, stünde Kalkutta ständig in Brand.“
Zur Bequemlichkeit erzogen:
Vielmehr liegt dem Verhalten des Mobs ein Anspruchsdenken zugrunde, das mit den Aspirationen der alten Arbeiterschicht nichts zu tun hat. Die Abhängigkeit vom Wohlfahrtsstaat hat die heutige Unterschicht zur Bequemlichkeit erzogen. Oft vaterlos und ohne moralische Instanzen aufgewachsen, schlecht ausgebildet, aber mit der Einstellung ausgestattet, dass die Gesellschaft ihnen etwas schuldig sei, lassen sich die Jugendlichen in sozial schwachen Milieus in die Kriminalität treiben, wo größere Gewinne locken als durch ehrliche Arbeit. Denn der Gewinn dient in diesen Kreisen als Messlatte für den persönlichen Wert, mit der Folge etwa, wie eine Sozialarbeiterin jetzt berichtete, dass eine Mutter ihre Töchter ermutigte, auf den Strich zu gehen, weil dort mehr Geld zu holen sei als in einem ordentlichen Beruf.“
Ihr Analyse wurde bestätigt von einem farbigen Sozialarbeiter (!) in London, der - im Gespräch mit einem ZDF-Team - hinter den Plünderungen keine wirkliche materielle Not sieht. Und ein Ladenbesitzer klagte, dass er keine Mitarbeiter findet - vom "Heer der Arbeitslosen" ist offenbar kaum einer bereit zu arbeiten.
Cameron redet von "Leuten, die denken ihre (Menschen) Rechte haben Vorrang vor der Ordnung". smh.com.au. Welche Rechte das sind hat er nicht gesagt. Aber der PM einer zivilisierten Nation sollte wissen was diese sind. Und sich nicht in Brachial Rhetorik verfallen. Auch ein Volk welches sich als zivilisiert ansieht sollte es wissen. Und nicht wie Höhlenmenschen nun die Baseball Schläger schwingen. Und die Armen verhöhnen. Es kommt mir vor als hätte die Gesellschaft den Sprung aus der viktorianischen Zeit in die Moderne irgendwie noch nicht hinter sich gebracht.
Ich finde es sehr bedauerlich, Ihren Beitrag nicht lesen zu können!
Inzwischen habe ich mich ungern daran gewöhnt, dass "kritische" Foristen ihre Wortwahl sehr genau überdenken müssen, damit deren Beiträge hier noch erscheinen dürfen.
um politische oder soziale Ziele, sondern um Randale und Beute"
Was wäre, wenn die "Leute" (Jugendlichen) mit Tranzparenten friedlich herumlaufen würden, " Wir wollen eine Zukunft", "Wir wollen nicht in Slums wohnen", "Wir wollen eine gute Ausbildung", "Wir wollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, wie jeder andere Bürger auch"?
Herr Cameron würde wohl, wie Tony Blair es getan hat, in die Slums fahren und zu ihnen sprechen: " 10 Jahre seit Ihr vernachlässigt worden und ich werde alles dafür tun, damit sich dass ändert !"
Die Aussage von Tony Blair habe ich sinngemäss aus einem Artikel der FAZ entnommen. Danach ist nichts passiert.
Jetzt sind Sie dran !!!
...dass mein Beitrag offenbar zu SZ-kritisch war und deshalb nicht veröffentlicht wurde. Linklaters Artikel bleibt trotzdem oberflächlich und unlogisch.
Paging