Atomstreit mit Iran Teheran will Uran in unterirdischer Bunkeranlage anreichern

Bisher wurde in der Anlage Fordow auch geforscht, nun teilt Iran nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" mit, in dem Bunker künftig nur Kernbrennstoff zu produzieren. Der Westen dürfte das als weitere Provokation im Atomstreit sehen. In Israel dürften sich jene bestärkt fühlen, die sich für einen Angriff auf Teherans Atomanlagen aussprechen.

Von Paul-Anton Krüger

Iran plant nach Informationen der Süddeutschen Zeitung offenbar, die Uran-Anreicherung in einer verbunkerten Anlage bei Fordow erheblich auszubauen. Laut einer mit dem Vorgang vertrauten Person hat Teheran die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien in den Wochen seit dem Jahreswechsel informiert, dass Fordow - anders als bis dahin vorgesehen - ausschließlich zur Produktion von Uran dienen solle, und zwar sowohl mit einem Anreicherungsgrad von fünf als auch 20 Prozent. Bislang hatte Iran größere Teile der Anlage für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten reserviert. Sie hätten somit nicht für die Produktion von angereichertem Uran zur Verfügung gestanden. Die IAEA lehnte es am Montag ab, zu dem Vorgang Stellung zu nehmen.

Im Westen dürfte der Schritt als weitere Provokation im Atomstreit aufgefasst werden. Der UN-Sicherheitsrat hat Iran in mehreren Resolutionen aufgefordert, die Anreicherung einzustellen, bis der Verdacht ausgeräumt ist, dass sein Atomprogramm auch militärischen Zwecken dient.

In Israel dürften sich jene bestärkt sehen, die für einen Angriff auf Irans Atomanlagen plädieren. Der Bunker in Fordow ist tief in einem Berg angelegt. Nach Ansicht von Militärexperten kann er auch mit bunkerbrechenden Bomben nicht zerstört werden; mit ihnen ließe sich lediglich der Zugang zur Anlage blockieren. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte gewarnt, Irans Atomprogramm nähere sich "einer Zone der Immunität", in der es durch militärische Angriffe nicht mehr verwundbar sei.

Laut Diplomaten in Wien reichern in Fordow zurzeit insgesamt 696 Zentrifugen Uran auf knapp unter 20 Prozent an. Insgesamt könnte die Anlage knapp 3000 solche Maschinen aufnehmen. Aus der neuen Deklaration Irans geht nicht hervor, wie genau die freiwerdenden Kapazitäten genutzt werden sollen. Inzwischen stellt Iran in Fordow neue Zentrifugen auf und verlegt nicht länger Maschinen aus der Anlage in Natans dorthin.

Drei Viertel der Arbeit, die für die Herstellung waffenfähigen Urans nötig ist

Iran hatte ursprünglich angegeben, das höher angereicherte Uran zu brauchen, um einen Forschungsreaktor in Teheran mit Brennstoff zu versorgen. Der Chef der Iranischen Atomenergieorganisation, Fereydun Abbasi-Davani, hatte aber schon im August der amtlichen Nachrichtenagentur Irna gesagt, die Menge des produzierten Materials übersteige bereits den Bedarf des Teheraner Reaktors. Für Atomkraftwerke wird Uran normalerweise auf weniger als fünf Prozent des spaltbaren Isotops Uran-235 angereichert, für Atomwaffen möglichst auf mehr als 90 Prozent.

Für die Anreicherung auf knapp 20 Prozent müssen allerdings drei Viertel der Arbeit bewältigt werden, die zur Herstellung waffenfähigen Urans nötig ist. Experten sind daher besonders besorgt, dass Iran diese Aktivitäten ausbauen könnte. Das würde die Zeit verkürzen, die für den Bau von Atomwaffen erforderlich wäre. Die meisten westlichen Geheimdienste gehen davon aus, dass die Führung in Teheran die Entscheidung dazu noch nicht getroffen hat, sich aber die Voraussetzungen dafür verschaffen will.

Nach Einschätzung der US-Marine hat Iran einige seiner kleineren Schiffe mit großen Sprengladungen für Selbstmordangriffe im Persischen Golf ausgerüstet, wie Vizeadmiral Mark Fox, Kommandeur der US-Marinestreitkräfte in der Region am Sonntag sagte.