Atomstreit Iran provoziert den Westen

Irans Regierung beschließt den Bau von zehn neuen Anlagen zur Urananreicherung. Damit verschärft Teheran den Konflikt mit dem Westen um sein umstrittenes Nuklearprogramm erheblich.

Von Paul-Anton Krüger

Iran will laut einem Beschluss des Kabinetts von Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Reihe neuer Atomanlagen bauen. Damit verschärft Teheran erheblich den Konflikt mit dem Westen um sein umstrittenes Nuklearprogramm. Teheran reagiert laut einem iranischen Diplomaten mit dem Beschluss auf eine gegen das Land gerichtete Resolution, die der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA am Freitag in Wien beschlossen hatte.

Die Regierung um Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat ihre Atomenergiebehörde beauftragt, zehn neue Urananreicherungsanlagen zu errichten.

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Die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, die Regierung habe ihre Atomenergiebehörde beauftragt, zehn neue Urananreicherungsanlagen zu errichten. Mit dem Bau von fünf dieser Anlagen solle noch in den nächsten zwei Monaten begonnen werden, auch die Standorte für die weiteren Nuklearfabriken sollten bis dahin ausgewiesen werden.

Die neuen Einrichtungen sollen die gleiche Größe wie die bereits in Betrieb befindliche Anlage in Natans haben. Dort sind derzeit etwa 8700 Gasultrazentrifugen zur Urananreicherung installiert, die verbunkerten Hallen sind nach iranischen Angaben auf 50.000 der Maschinen ausgelegt. Der Experte David Albright vom unabhängigen "Institute for Science and International Security" sagte jedoch, er bezweifele, dass Iran genügend Material für den Bau der zusätzlichen Zentrifugen habe.

Iran will zudem laut Berichten staatlicher Medien selbst Uran auf einen Anreicherungsgrad von 20 Prozent bringen. Das Kabinett werde am Mittwoch über einen entsprechenden Plan beraten, hieß es. Iran hatte die IAEA um die Vermittlung derartigen Brennstoffs gebeten, der für den Betrieb eines Forschungsreaktors in Teheran gebraucht wird. Dort stellt Iran radioaktive Substanzen für medizinische Zwecke her.

Die IAEA hatte einen Entwurf für einen entsprechenden Vertrag zwischen Iran sowie Russland und Frankreich unterbreitet. Demnach hätte Iran den Großteil seines Uranvorrats ins Ausland liefern und im Gegenzug dafür die Brennelemente erhalten sollen. Teheran hatte dies aber abgelehnt und Bedingungen gestellt, die weder die IAEA noch Frankreich akzeptieren konnten, ebenso wenig wie die USA, die im Hintergrund den Vertrag mitentworfen hatten.

Iran würde mit diesem Schritt die Zeit verkürzen, die das Land im Krisenfall brauchen würde, um das nötige Material für eine Atombombe herzustellen. Statt drei bis sechs Monate würden dann wenige Wochen ausreichen. Für Atomwaffen muss der Anteil des spaltbaren Isotops Uran 235 auf mehr als 90 Prozent erhöht werden. Je höher der Ausgangsstoff dafür angereichert ist, desto schneller ist daraus Bombenstoff zu gewinnen. Bisher hat Iran nur auf etwa vier Prozent angereichert, das Niveau, das zur Nutzung in Atomkraftwerken benötigt wird.

Teheran hatte bereits damit gedroht, selber auf 20 Prozent anzureichern, falls es keine Brennelemente aus dem Ausland erhält. Das Land ist nach Ansicht von Experten aber nicht in der Lage, die Brennstäbe für den Reaktor selber zu fertigen.

Iran hatte gefordert, das Uran bis zur Lieferung der Brennstäbe im Land behalten zu dürfen. Die IAEA und der Westen bestanden auf der Ausfuhr, weil Iran damit für Monate nicht mehr genug Uran besessen hätte, um eine Atomwaffe bauen zu können. Dafür sind als Ausgangsmaterial etwa 1500 bis 2000 Kilogramm leichtangereicherten Urans nötig, Iran besitzt laut dem jüngsten IAEA-Bericht etwa 1800 Kilogramm von dem Stoff.

Das iranische Parlament forderte zuvor die Regierung auf, das Atomprogramm "ohne jede Verzögerung fortzusetzen". Der IAEA-Gouverneursrat hatte am Freitag in einer Resolution verlangt, Iran müsse den Bau seiner zweiten, lang geheim gehaltenen Anreicherungsanlage in Fordo sofort stoppen.