Atomkraft Atommüll-Schiff nach erzwungenem Stopp wieder unterwegs

  • Nach einem erzwungenen Zwischenstopp konnte der Castor-Transport auf dem Neckar seine Fahrt inzwischen wieder fortsetzen.
  • Der Transport ist der erste dieser Art: Noch nie zuvor wurde in Deutschland radioaktiver Müll auf einem Fluss transportiert.
  • In den kommenden Wochen plant das Energieunternehmen EnBW noch weitere Transporte auf dem Neckar.

Nachdem Aktivisten den ersten Castor-Transport per Schiff für einige Zeit gestoppt hatten, konnte der Frachter seine Fahrt auf dem Neckar inzwischen fortsetzen. Das Spezialschiff mit hoch radioaktivem Atommüll näherte sich am frühen Mittwochmittag langsam einer Brücke in der Nähe von Heilbronn. Dort hatten sich vier Mitglieder der Umweltschutzorganisation Robin Wood abgeseilt. Deshalb musste der Kapitän die Fahrt unterbrechen. Spezialkräfte der Polizei beendeten die Aktion. Sie näherten sich den Aktivisten von oben und seilten sich gemeinsam mit den Atomkraftgegnern in ein bereitstehendes Polizeiboot ab.

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Auch in Heilbronn protestierten Dutzende Atomkraftgegner gegen den Transport. Redner warfen bei der Kundgebung insbesondere dem baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) politisches Versagen vor. "Eine Atomaufsicht, die diesen Namen verdient, gibt es nicht", sagte ein Redner. Das Umweltministerium in Stuttgart teilte unterdessen mit, die Strahlenmessungen an der Strecke des Atommüll-Transports deuteten auf einen "einwandfreien" Ablauf hin.

Der Energieversorger EnBW hält die Beförderung per Schiff für eine sichere Lösung. Das Unternehmen argumentiert, dass der Atommüll-Transport vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim in das Zwischenlager Neckarwestheim den Bau eines eigenen Zwischenlagers in Obrigheim überflüssig mache. Für die etwa 50 Kilometer lange Strecke auf dem Neckar wurde eine Fahrtzeit von etwa zwölf Stunden erwartet.

In Deutschland ist es der erste Atommüll-Transport auf einem Fluss. Das Schiff mit drei Castor-Behältern hatte am Morgen vom stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim in Richtung Neckarwestheim abgelegt. Für die kommenden Wochen plant das Unternehmen fünf weitere Transporte mit je drei Castoren auf dieser Strecke. Auf diese Weise sollen insgesamt 342 ausgediente Brennelemente nach Neckarwestheim gebracht werden.

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