Anti-Nazi-Band Feine Sahne Fischfilet Warnung vom Verfassungsschutz

Im Verfassungsschutzbericht von 2013 erstreckt sich der Eintrag über zweieinhalb Seiten. Jedes Interview, jeder Eintrag auf einer Facebook-Seite, ist den Beamten eine Erwähnung wert. "Die räumen uns mehr Platz ein als den rechtsextremen Bands - das braucht man überhaupt nicht mehr kommentieren", sagt Monchi.

Der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern hat einen schlechten Ruf. Er sei für viele politische Akteure vor Ort kaum greifbar, sagt ein Journalist von Endstation Rechts. "Außer mit der Veröffentlichung des Berichts tritt die Behörde öffentlich kaum in Erscheinung. Und wenn doch - dann häufig durch Auseinandersetzungen mit der Band."

"Die machen dich kaputt"

Monchi kann über den Verfassungsschutz nicht mehr lachen. "Klar sind wir humorvoll damit umgegangen - aber das war auch Verdrängung." Besonders in ihrer Heimat hat Feine Sahne Fischfilet immer wieder Probleme wegen ihrer Auftritte. Im Sommer 2014 spielen sie auf einem Punkfestival. "Der Veranstalter hat einen Anruf bekommen. Er sollte sagen, wann wir an- und abreisen, wo wir schlafen. Die wollten alles wissen."

Ende Januar will die Band die Veröffentlichung des neuen Albums in Demmin feiern. Ein privater Vermieter will ihnen dafür eine Halle zur Verfügung stellen. Doch plötzlich sagt der ab. Ihm sei durch den Arbeitgeber der Verfassungsschutzbericht "zugeflattert", erklärt er später dem Nordkurier. "Es ist immer dasselbe. Du hast schon alles organisiert und dann sagen dir die Leute, dass sie keinen Ärger wollten. Ich kann das verstehen, aber es ist frustrierend", sagt Monchi und schiebt hinterher: "Die machen dich kaputt."

Auch die Stadt lehnt es ab, der Band eine Veranstaltungshalle zur Verfügung zu stellen. Feine Sahne Fischfilet weicht auf die Burg Klempenow aus, 26 Autominuten von Demmin entfernt. Das Konzert ist innerhalb von sechs Stunden ausverkauft. 600 Besucher kommen, darunter Freunde und Familie - und Monchis alter Sozialkundelehrer.

Zur Ruhe kommen

Bis Mitte April tourt die Band quer durch Deutschland. Am 13. Februar werden sie in Dresden spielen. Sachsen ist ähnlich wie Mecklenburg-Vorpommern schwieriges Terrain für die Band. In dem Bundesland konnte sich die rechtsextreme Szene ungestört entwickeln. Und die Justiz muss sich angesichts ihres Vorgehens gegen den Pfarrer Lothar König oder Bodo Ramelow - mittlerweile Ministerpräsident Thüringens - die Frage gefallen lassen, ob sie gezielt politische Gegner diskreditieren will (mehr zu den sächsischen Verhältnissen). Lothar König ist mit Monchi befreundet - seine Tochter hielt bereits einen Vortrag vor einem Konzert von Feine Sahne Fischfilet.

Feine Sahne Fischfilet

(Foto: Privat)

Wirklich verwunderlich ist es also nicht, dass der sächsische Verfassungsschutz den Veranstalter in Dresden in einem Schreiben vor der Band warnte. Feine Sahne Fischfilet hat aus dem Brief einen Partyflyer gemacht und online gestellt:

Auf ihrer Tour spielt die Band vor allem Lieder des neuen Albums. Es geht um Polizeigewalt und den NSU - aber eben auch um den Liebeskummer von Monchi und die Verlustangst des Bassisten. Doch es gibt auch das Lied "Ruhe":

"Find's schön, dass du bewegst. So viel kämpfst, so viel erlebst. Doch hat es keinen Wert, dass du so viel machst, wenn du am Ende nicht mehr lachst."

Die Band hat die Zeilen auch ein bisschen für sich geschrieben. "Ruhe ist geil - nach all den Jahren", sagt Monchi. Doch finden wird sie die Band derzeit nicht. Bis Mitte April ist sie unterwegs. Und dann sind da auch noch die Demonstrationen gegen Mvgida in der Heimat.

Im Sommer dieses Jahr wird das Landesamt seinen neuen Jahresbericht vorlegen. Ob Feine Sahne Fischfilet wieder drinstehen wird, will die Pressesprecherin nicht verraten. Monchi ist davon überzeugt, dass seine Band wieder auftaucht. "Wenn sie uns rausnehmen würden, müssten sie sich eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben. Dafür sind die zu stolz."