Anschlag in der Türkei Mindestens neun deutsche Todesopfer

  • Bei dem Anschlag in Istanbul wurden mehrere Deutsche getötet. Im Moment ist allerdings unklar, wie viele es genau waren.
  • Zudem gibt es mehrere Verletzte, unter anderem aus Bayern und Niedersachsen.
  • Die Deutschen waren mit einer Reisegruppe unterwegs.

Woher die deutschen Opfer kamen

Die türkischen Behörden gehen nach vorläufigen Erkenntnissen davon aus, dass es sich bei allen zehn Todesopfern des Terroranschlags von Istanbul um Deutsche handelte. Zwei noch nicht endgültig identifizierte Tote seien nach vorläufigen Ermittlungen ebenfalls Bundesbürger gewesen, verlautete aus türkischen Regierungskreisen. Das hätten polizeiliche Ermittlungen ergeben. Die medizinischen Untersuchungen seien aber noch nicht endgültig abgeschlossen.

Das Auswärtige Amt bestätigte diese Zahl auf Anfrage der SZ allerdings nicht. Eine Sprecherin verwies auf Angaben vom Dienstag, wonach acht der insgesamt zehn Todesopfer aus Deutschland stammen.

Der türkische Innenminister Efkan Ala sagte am Mittwoch, es seien insgesamt elf Menschen ums Leben gekommen, neun von ihnen seien Deutsche. Die anderen beiden Toten stammten aus Norwegen und Peru.

Angaben aus einzelnen Bundesländern lassen die Zahl von zehn deutschen Toten als wahrscheinlich erscheinen. So summiert sich die Zahl der aus den Ländern gemeldeten Todesopfer auf zehn.

So teilte die hessische Staatskanzlei in Wiesbaden teilte mit, dass ein 67 Jahre alter Mann aus Nordhessen getötet worden sei. Seine 50-jährige Frau sei bei der Attacke verletzt worden. Woher die Opfer genau stammten, wurde auch auf Anfrage zunächst nicht bekanntgegeben.

Drei Tote kamen aus Rheinland-Pfalz, sagte ein Polizeisprecher in Mainz. Die Angehörigen seien inzwischen informiert worden. So starb ein Ehepaar aus Mainz - ein 61 Jahre alter Mann und seine 59 Jahre alte Frau. Außerdem wurde ein 73 Jahre alter Mann aus Bad Kreuznach getötet, wie ein Sprecher des Mainzer Innenministeriums sagte. Die Ehefrau des Mannes aus Bad Kreuznach erlitt demnach schwere Verletzungen und liegt in einer Istanbuler Klinik.

Unter den Toten sind außerdem ein Mann aus Berlin und ein Ehepaar aus Falkensee in Brandenburg.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich sprach von drei Toten aus Sachsen. Das sei "traurige Gewissheit", sagte er. Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich um eine 70-Jährige aus Leipzig sowie zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden.

Mehrere Verletzte sollen sich in kritischem Zustand befinden. Von den 15 Verletzten sollen neun aus Deutschland kommen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde ein Ehepaar aus dem unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg verletzt - die Frau schwer, der Mann leicht. Auch ein 76-jähriger Mann und eine 79-jährige Frau aus Niedersachsen werden derzeit in einem Istanbuler Krankrenhaus behandelt.

Die Opfer waren mit einer Reisegruppe unterwegs

Die deutschen Anschlagsopfer befanden sich nach Angaben des Reiseveranstalters "Lebenslust Touristik" auf einer Drei-Länder-Erlebnisreise. Insgesamt zählte die Reisegruppe 33 Mitglieder, wie der Sprecher des Reiseunternehmens, Ingo Leßmann von der sk-medienconsult, sagte.

Ein Teil dieser Reisenden habe an einem Gruppenausflug zu den Wahrzeichen Istanbuls teilgenommen. Auf dieser Tour lag auch der Anschlagsort in der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Andere Urlauber hätten ein individuelles Programm absolviert. Wie viele Reisende an der Gruppenveranstaltung teilgenommen hätten, sei noch nicht klar, sagte Leßmann.

Die "Drei-Länder-Reise" umfasse Istanbul, Dubai und Abu Dhabi. "Die Reisegruppe sollte von Istanbul über Dubai nach Abu Dhabi reisen", sagte Leßmann. In der türkischen Metropole seien die Urlauber am Montag angekommen. Die Weiterreise nach Dubai sei für den Mittwoch geplant gewesen.

Zwei Vertreter der Geschäftsführung seien auf dem Weg nach Istanbul zu der Reisegruppe, teilte der Reiseveranstalter der Nachrichtenagentur dpa zufolge mit. Auch Seelsorger sollten eingesetzt werden. Es gebe zwar einen Kontakt zum Reiseleiter am Ort, aber die Gruppe sei wegen der türkischen Nachrichtensperre abgeschirmt.

Reaktionen aus den Bundesländern

Politiker aus den Herkunftsländern der deutschen Opfer reagierten bestürzt. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte: "Unsere Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen der Opfer. Wir verurteilen diesen abscheulichen Terroranschlag auf das Schärfste".

Ähnlich äußerte sich ihr hessischer Amtskollege Volker Bouffier (CDU): "Heute ist ein Tag des Innehaltens und der Trauer. Wir sind entschlossen, den Gefahren des internationalen Terrorismus entgegenzutreten."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich erschüttert. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte, Unschuldige seien Opfer sinnlosen Terrors geworden.

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