Der Befehl zur Bombardierung war offenbar eine Fehleinschätzung. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steht dies in einem vorläufigen Nato-Bericht zu den Vorfällen in Afghanistan. Der deutsche Oberst Georg Klein hätte seine Kompetenz überschritten.
Der Befehl zur Bombardierung von zwei durch die Taliban entführten Tanklastern in Afghanistan war laut Nato offenbar eine Fehlentscheidung. Der deutsche Oberst Georg Klein habe seine Kompetenz überschritten und die Lage falsch eingeschätzt. Dies ergebe sich aus einem vorläufigen Bericht der Internationalen Schutztruppe Isaf zu dem Angriff bei Kundus, hieß es am Mittwoch in hochrangigen Kreisen der Nato.
Bei dem Angriff in Afghanistan wurden mindestens 56 Menschen getötet. (© Foto: AP)
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Nur wenige Stunden nach dem von Klein am vergangenen Freitag angeordneten Bombenabwurf, bei dem mindestens 56 Menschen getötet wurden, hatte Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal ein Untersuchungsteam nach Kundus geschickt. Dessen Bericht veranlasste McChrystal am Dienstag, eine offizielle Untersuchung anzuordnen. Sie soll klären, warum Klein, der Kommandeur des Provinz-Aufbauteams (PRT) in Kundus ist, die Bombardierung angeordnet hat.
Es sei "sonnenklar", dass Klein den vorgeschriebenen Befehlsweg nicht eingehalten habe, erklärte ein führender Nato-Offizier. Zu einer Entscheidung von solcher Tragweite sei er ohne Rücksprache mit dem Isaf-Hauptquartier nicht befugt gewesen. Es habe keine unmittelbare Bedrohung für Isaf-Truppen gegeben.
Die beiden Tanklaster, die nach Darstellung der Bundeswehr als rollende Bomben hätten eingesetzt werden können, hätten auf einer Sandbank im Fluss Kundus festgesteckt. Die Lage sei über Stunden hinweg beobachtet worden, eine schnelle Entscheidung sei nicht erforderlich gewesen. Man hätte bis Tagesanbruch warten können, um zu versuchen, die mutmaßlichen Taliban zu fassen oder zu vertreiben.
Auch die Anforderung von Luftunterstützung durch zwei US-Kampfjets, die schließlich die beiden Bomben auf die Tanker abwarfen, sei nicht zu erklären. Der sogenannte "Close Air Support" dürfe nur angefordert werden, wenn Soldaten am Boden in Gefechte verwickelt seien.
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums nannte das Papier einen "Reisebericht", der unbestätigte Spekulationen enthalte. Aus der Führung des Ministeriums verlautete, der Bericht sei einseitig formuliert und enthalte keine entlastenden Elemente. Man müsse die offizielle Untersuchung abwarten.
Den Nato-Kreisen zufolge haben die Isaf-Ermittler Klein ihre Bedenken vorgehalten. Aus dem Zwischenbericht gehe jedoch nicht hervor, dass sie eine überzeugende Antwort erhalten hätten. Klein ist weiter auf seinem Posten als PRT-Kommandeur.
Zur Frage, warum anstelle des Luftschlags keine Bodentruppen eingesetzt wurden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, wegen der Beteiligung der Bundeswehr an einer anderen Operation hätten unter anderem keine Schützenpanzer zur Verfügung gestanden. Dies habe Klein bei der Beurteilung der Gesamtlage berücksichtigen müssen. Ein Bodeneinsatz sei jedoch theoretisch möglich gewesen.
Der afghanische Außenminister Rangin Spanta verteidigte den Einsatz der Bundeswehr. Zwar müsse bei militärischen Aktionen der Schutz von Zivilisten im Vordergrund stehen, "aber das ist ein Krieg, und bedauerlicherweise kann so etwas passieren", sagte er der Süddeutschen Zeitung.
Die Bundeswehr leiste in Afghanistan seit Jahren gute Aufbauarbeit, zudem seien die afghanische Polizei und das Militär noch nicht allein in der Lage, das Land zu verteidigen. Die Taliban bemühten sich mit Macht, vor der Bundestagswahl "solche Aktionen zu unternehmen, um die deutsche Öffentlichkeit zu beeinflussen".
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(SZ vom 10.09.2009/dmo)
Russland unter Putin
Herr Gysi sollte sichmal erinnern was seine vorgängerpartei zum Einsatz des sozialistischen Bruderheeres in Afghanistan sagte.
"Entführer von zwei BW-Tankern steuern Benzintransporter in das BW-Lager bei Kundus - Oberst Klein verbrennt mit 140 Soldaten in seinem Gefechtsstand"
Da die LKW´s über Stunden im Sand feststeckten und dies der BW bekannt war, war die diesbezügliche Gefahr bei Null. Es gab absolut keinen Grund, veinen Bombenangriff zu starten um eine wie auch immer geartete Gefahr abzuwenden. Das war mehr ein Racheakt, als eine sinnvolle Militäraktion.
"Wieso waren dort "Kinder, Bewohner eines Dorfes" nachts um 2.15? Verschenken die Taliban neuerdings nachts Benzin?"
Nachdem die Tanker feststeckten und das Benzin für die Taliban nicht abzutransportieren war, ist es durchaus denkbar, dass sie es den Dorfbewohner überliessen. Sowas macht sich immer gut, wenn man Anhänger gewinnen möchte. Leute,die in bitterster Armut leben, dürfen sich an der ungewöhnlichen Uhrzeit nicht sonderlich gestört, sondern dankbar das Gratisbenzin abgezapft haben.
Machen sie doch mal einen Versuch: spendieren sie eine Laster Benzin und lassen den zur freien Verfügung mitten in der Nacht irgendwo bei uns stehen. Was glauben sie, wie schnell sich das rumspricht und die Leute im Schlafanzug mit Fässern zum Abfüllen anrücken?
Gewiss, eine begnadete Art der deutschen Kriegsführung, die hier dem deutschen Volk und der Welt kundgetan wird. Wir verstehen schon (immer noch) unser Handwerk ....
Es stellt sich die Frage, ob dem oberkommandierenden US-General einmal jemand gesagt hat, dass er auch gegenüber den ihm unterstellten Einsatz- und Führungskräften eine Fürsorgepflicht hat. Besonders fragwürdig ist dabei, bei einer ersten Besprechung des Einsatzes zwischen ihm und dem deutschen Oberst einen Reporter beizuziehen. Was im umgehrten Fall (deutscher Oberkommandierender und US-Offizier) politisch los gewesen wäre(!!!) möge jeder für sich selbst beantworten.
Es ist ganz erstaunlich, dass die ursprünglich angeführte Fehlleistung des deutschen Oberst, sich ISAF-regelwidrig auf zuwenig Informationsquellen verlassen zu haben, auf einmal nicht mehr angeführt wird. Auch hört man plötzlich nichts mehr von dem oberkommandierenden US-General. Seltsamerweise ändert dies aber nichts an der Vorwurfshaltung gegen den deutschen Oberst, es wird nur durch einen ranghohen NATO-Offizier inoffiziell ein anderer Regelverstoß (diesmal eine NATO-Regel) an die Medien gegeben und von diesen auch nicht hinterfragt sondern willfährig publiziert. Wie es scheint, stand das Ergebnis der Untersuchung von vorneherein fest, es wird nur noch an der Begründung gebastelt.
Fazit:
Wenn jemand mit der Angelegenheit überfordert ist und abgemahnt (wenn nicht abgelöst) werden muss, dann ist es der oberkommandierende US-General und nicht der deutsche Oberst.
Nachdem jetzt wirklich viel über die Fehlleistung des deutschen Oberst geschrieben wurde, fehlt mir doch eine Aufarbeitung der Alternativen zu diesem Einsatzauftrag. Was also wäre anstatt des gewählten Einsatzes möglich gewesen und welches Risiko hätte dabei für Menschen bestanden?
1. Einsatz von Bodentruppen
Es wäre zu einem Gefecht zwischen den eingesetzten Soldaten und einer erheblichen Zahl an Taliban gekommen. Nachdem aufgrund der bisherigen Erfahrungen nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Taliban die Zivilisten vor Ort zur deren Schutz weggeschickt sondern diese als Schutzschild benutzt hätten, wäre die Anzahl der getöteten oder zumindest in Mitleidenschaft gezogenen Unbeteiligten voraussichtlich nicht geringer gewesen. Man könnte sogar vermuten, dass die Zeitverzögerung noch mehr Zivilisten angezogen hätte. Zusätzlich wären vermutlich auch noch eingesetzte Bundeswehrsoldaten getötet oder verletzt worden. Weiterhin hätten die Lastzüge in der Zwischenzeit freigesetzt werden können. Die Taliban hätten damit zusätzliche Bewegungs- und Aktionsfreiheit erhalten
Ergebnis: Einsatzalternative mit weit ungünstigerer Prognose
2. Nichts tun und die Taliban ziehen lassen
Nachdem davon ausgegangen werden musste, dass die Lastzüge für einen Anschlag verwendet werden sollte, hätte dieser dann an einem unbekannten Ort zu einer unbekannten Zeit und in einer unbekannten Art und Weise stattgefunden. Die Umstände wären durch die Taliban vorgegeben worden. Leider haben sich diese bisher nicht dadurch hervorgetan, Zivilisten zu schonen, so dass auch mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit mit einer sehr großen Anzahl an betroffenen Zivilisten und Soldaten zu rechnen gewesen wäre
Ergebnis: Einsatzalternative ist vollkommen ausgeschlossen
Die Alternativen mag nun jeder für sich selbst bewerten, ich bin jedenfalls der Meinung, dass die vom deutschen Oberst gewählte Einsatzalternative die am wenigsten schlimme war, und der Oberst im Hinblick auf eine Minimierung ziviler Opfer vollkommen richtig entschieden hat. Einen günstigeren Ort als fern ab von bewohntem Gebiet und eine günstigere Zeit als mitten in der Nacht (Kinder!!) hätte es wohl nicht gegeben, um zivile Opfer weitestgehend zu vermeiden. Ich bin mir auch sicher, dass dies von militärischer Seite (wider deren Stellungnahmen) auch so gesehen wird. Wenn man die Aussagen der afghanischen Seite verfolgt, sehen die Afghanen dies wohl genauso.
Paging