Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen Mubarak gibt nicht auf

Die mit Spannung erwartete Rede Hosni Mubaraks ist vorbei - doch die Hoffnungen der Demonstranten wurden bitter enttäuscht. Der Despot taktiert - und bleibt im Amt. Mubarak überträgt seinem Stellvertreter Omar Suleiman zwar einige Befugnisse, den sofortigen Rücktritt lehnt er jedoch ab. Die Menschen in Kairo reagieren wütend.

Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen im Liveticker

Tausende strömten am Donnerstagabend in Richtung Tahrir-Platz, die Stimmung war ausgelassen. Doch nur bis zur Fernsehansprache des Präsidenten Hosni Mubarak. Danach schlug die Stimmung um, Wut und Enttäuschung machten sich breit, denn Mubarak will im Amt bleiben.

18:45 Uhr

US-Präsident Barack Obama hält sich vorerst mit einer Bewertung der Berichte über den bevorstehenden Rücktritt Mubaraks zurück. "Wir müssen einfach sehen und abwarten, was passiert", sagt er.

18:48 Uhr

Nach Omar Suleiman ist Regierungschef Ahmed Schafik zu einem Treffen hinter verschlossenen Türen bei Mubarak eingetroffen, berichtet das ägyptische Staatsfernsehen.

19:17 Uhr

Nun hat auch das staatliche ägyptische Fernsehen das Informationsministerium mit den Angaben zitiert, Mubarak werde nicht zurücktreten. Eine entsprechende schriftliche Erklärung von Informationsminister Anas el Fikki wurde eingeblendet.

19:50 Uhr

"Wir sind beinahe da, wir sind beinahe da", rufen die Menschen auf dem Tahrir-Platz. Die Stimmung ist freudig und erwartungsvoll. Zugleich kommt bei vielen Demonstranten aber auch die Befürchtung auf, dass Vizepräsident Omar Suleiman und das Militär die Macht an sich ziehen könnten. "Wir wollen Demokratie und eine zivile Regierung", erklärt der Demonstrant Ahmed Sami der Nachrichtenagentur dpa per Telefon.

20:09 Uhr

Die Welt ist nach den Worten von US-Präsident Barack Obama Zeuge, wie in Ägypten Geschichte geschrieben wird. Zum Auftakt einer Rede im Bundesstaat Michigan sagt Obama, die US-Regierung verfolge die Entwicklungen in Kairo sehr genau und werde sich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher dazu äußern. Der Präsident betont weiter: "Amerika wird weiterhin alles tun, um einen geordneten und echten Übergang zur Demokratie in Ägypten zu unterstützen."

20:11 Uhr

Die Armeeführung kündigt in einem "Kommunique Nr. 1" Schritte an, um die Nation und das Wohlergehen der Bevölkerung zu schützen. Unterdessen meldet der Fernsehsender Al-Arabija ohne weitere Erläuterungen, das Militär werde eingreifen, sollte sich die Protestbewegung dem Plan widersetzen, die Macht an Suleiman zu übergeben.

20:13 Uhr

Essam al-Erian, ein hoher Vertreter der oppositionellen und bis vor kurzem verfolgten Muslimbruderschaft, warnt vor einer Militärdiktatur. Das Problem sei nicht der Präsident, sondern das Regime. Al-Erian relativiert aber auch: Er spreche nicht in offizieller Eigenschaft.

20:17 Uhr

Ein Regierungsvertreter sagt, mit der Fernsehansprache Mubaraks sei um 21.00 Uhr unserer Zeit zu rechnen.

21:01 Uhr

Zehntausende Demonstranten warten auf dem Tahrir-Platz mit Spannung auf die Fernsehansprache Mubaraks. "Das Volk will den Sturz des Regimes", rufen sie. Viele spreizen dabei ihre Finger zu einem "V" für "Victory" (Sieg).

21:02 Uhr

Viele Demonstranten haben Angst, dass die Streitkräfte hinter der Bühne bereits die Kontrolle übernommen haben könnten und ein autoritäres Regime durch ein neues ersetzt wird. So geben sich viele entschlossen, weiter zu machen, weil es noch zu früh sei, um den Sieg zu erklärten. "Ich bin kein Optimist. Ich befürchte, dass viele Menschen im Gefühl des Triumphs den Platz verlassen werden, während wir in Wirklichkeit die Macht nur von den Händen Mubaraks in die Hände des Militärs gelegt haben", sagt Ahmed Abdel Hamid, einer der jungen Demonstranten. "Sie wollen die Revolution in einen Putsch verwandeln", sagt der Maler Sheich el Sajied Abdel Rahman.

21:05 Uhr

Die Sprechchöre auf dem Tahrir-Platz werden lauter. Wird der Präsident der Forderung nach einem sofortigen Rücktritt nachkommen? Weite Teile der Opposition wollen außer dem Rücktritt eine völlig neue Verfassung. Die Protestbewegung fordert zudem die Auflösung des Parlaments.

21:06 Uhr

Im ägyptischen Staatsfernsehen läuft noch Sportberichterstattung. Es wird noch etwas dauern, bis Mubarak vor die Kameras tritt.

21:22 Uhr

"Es ist wie auf einem Rockkonzert, bevor die Band auf die Bühne geht." Das sagt Paul Adams von der BBC. Er steht auf dem Tahrir-Platz.

21:30 Uhr

Noch hat Mubarak nicht gesprochen, doch Al Arabiya berichtet scheinbar bereits über Details aus der Rede. Der TV-Sender beruft sich auf vertrauenswürdige Quellen und behauptet, Mubarak würde die Amtsgeschäfte an seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman übertragen.

21:37 Uhr

Im Staatsfernsehen läuft jetzt ein Promo-Filmchen für Ägypten.

21:46 Uhr

Die Rede beginnt: Mubarak zeigt Verständnis, ja Respekt für die Protestbewegung. Er sagt, er höre durchaus, was die Jugend zu sagen habe, er sei stolz auf die junge Generation. Und: "Ich werde jene zur Verantwortung ziehen, die Gewalt gegen unsere Jugend angewandt haben." Diesen Satz wiederholt er mehrmals.

21:52 Uhr

Mubarak führt weiter aus, dass er eine klare Vision habe, wie die Krise beizulegen sei.

21:53 Uhr

Mubarak bestätigt in der TV-Ansprache seine Ankündigung, nicht erneut bei Wahlen anzutreten, von Rücktritt hat er bisher noch nichts gesagt.

21:57 Uhr

Ägyptens Präsident Husni Mubarak bleibt tatsächlich im Amt. Er werde Befugnisse an seinen Vizepräsidenten Omar Suleimann übertragen, sagt Mubarak in einer Fernsehansprache. Den von der Protestbewegung geforderten sofortigen Rücktritt lehnte er weiter ab.

22:09 Uhr

Die Menge auf dem Tahrir-Platz ist wütend: Sie schwenken ihre Schuhe in der Luft, die Stimmung scheint zu kippen. Die Botschaft ist deutlich: Sie beharren auf dem sofortigen Rücktritt Mubaraks.

22:11 Uhr

Mubarak sagte, der eingeschlagene friedliche Weg des Übergangs werde fortgesetzt. Er sicherte faire Wahlen im September zu, doch bis September will er Präsident bleiben.

22:13 Uhr

Die Stimmung auf dem Tahrir-Platz ist vollständig gekippt, berichtet al-Dschasira. Keine Spur mehr von Volksfest, Wut und Enttäuschung, Frustration und Ohnmacht machen sich breit. Viele Menschen brechen in Tränen aus. Das ägyptische Staatsfernsehen zeigt von diesen Szenen nichts.

22:15 Uhr

"Ich bin entschlossen, alle Versprechen zu erfüllen", sagte Mubarak. Er erkenne die Forderung der ägyptischen Jugend, die von einer besseren Zukunft träume, vollständig an. Er habe Änderungen von sechs Paragrafen der Verfassung angeordnet. Sobald wie möglich solle der seit Jahrzehnten geltenden Ausnahmezustand in Ägypten aufgehoben werden. Allerdings werde er sich keinem Druck beugen, sagte Mubarak.

22:21 Uhr

"Ich kann keine Befehle aus dem Ausland akzeptieren". Auch das sagte Mubarak in seiner Rede. "Ein nationaler Dialog hat begonnen, wir sollten diesen Weg weitergehen", erklärte er weiter. "Wir haben uns auf einen Rahmen geeinigt, bauen wir ihn aus zu einem Fahrplan, zu einem Zeitplan." Er sagte: "Das Blut, das vergossen wurde, war nicht vergeblich."

22:24 Uhr

Während der ersten Minuten der Rede Mubaraks herrschte auf dem Tahrir-Platz absolute Stille. Doch als die Menschen realisierten, dass der Despot sich weiter an die Macht klammert, begannen die Menschen, wütend Anti-Mubarak-Parolen zu schreien. Die zweite Hälfte der Rede ging vollständig im Lärm der aufgebrachten Massen unter.

22:36 Uhr

Kurz nach der Rede Mubaraks wendet sich Vizepräsident Suleiman über das Fernsehen an die Ägypter.

22:38 Uhr

Suleiman fordert die protestierenden Ägypter tatsächlich auf, nach Hause zu gehen und dann am Wiederaufbau des Landes mitzuarbeiten. Die Menschen sollen nicht auf das Satelliten-Fernsehen hören, sondern nur auf ihr Gewissen. Er will, dass alle Ägypter wieder als ein Team zusammenarbeiten. Suleiman sagt außerdem zu, eine friedliche Übergabe der Macht zu ermöglichen. Er ruft das ägyptische Volk dazu auf, kein Chaos zu erlauben. "Die Tür für den Dialog ist noch immer offen", so Suleiman.

22:44 Uhr

Erste Reaktion aus Deutschland: Außenminister Guido Westerwelle zeigt sich enttäuscht. "Diese Rede hat keine neuen Perspektiven aufgezeigt. Sie war nicht der erhoffte Schritt nach vorn", sagt er. "Ich fürchte, dass diese Rede keine befriedende Entwicklung in Ägypten entfalten kann." Die Sorgen der Bundesregierung seien "eher größer und nicht kleiner" geworden.

22:47 Uhr

Die Stimmung auf dem Tahrir-Platz ist aufgeheizt, die Menschen lassen sich von Suleiman nicht beruhigen. 200.000 sollen es sein. Die Menge skandiert: "Morgen marschieren wir zum Präsidentenpalast." Die Opposition mobilisiert am morgigen Freitag erneut für einen "Marsch der Million". Mubaraks Rede dürfte die Bewegung weiter anheizen.

22:59 Uhr

Starr hatte sich Mubarak ans Rednerpult geklammert. Er wählte Worte, die zu den Herzen seines Volkes sprechen sollten, doch seine Stimme klang nach Uneinsichtigkeit. Und so brach ein Sturm der Entrüstung los. Zehntausende geballte Fäuste recken sich nach der Rede in Kairo in die Luft. Sprechchöre verlangen: „Erhal!“ - Verschwinde! Viele ärgern sich, dass der Staatschef Teile der Rhetorik der Protestbewegung aufgegriffen und für seine Agenda der Kontinuität vereinnahmt hatte. "Wir lassen uns unsere Revolution nicht stehlen!", riefen sie.

23:02 Uhr

Wütend recken auch viele Demonstranten ihre Schuhe in die Höhe in Richtung der Leinwand, auf der die Rede übertragen wurde. In der arabischen Welt bedeutet das eine schwere Beleidigung.

23:05 Uhr

Der britische Journalist John R. Bradley, der schon 2008 in einem Buch einen Umsturz in Ägypten vorhergesagt hatte, ist sich auf al-Dschasira sicher: "Die Revolution startet morgen. Wir werden eine noch nie dagewesene Anzahl von Ägyptern auf den Straßen sehen."

23:14 Uhr

"Es ist, als ob er auf einem anderen Planeten lebt", sagt der deutsch-ägyptische Blogger Philip Rizk am Telefon dem Nachrichtensender N24. Er befindet sich auf dem Tahrir-Platz. Mubaraks Reden hätten sich in den letzten 30 Jahren immer so angehört und nie irgendetwas mit der Realität zu tun gehabt, "als ob er über ein anderes Land redet."

23:32 Uhr

Wütende Ägypter ziehen zum Gebäude des staatlichen Rundfunks. Mehrere Tausend Demonstranten marschieren in der Nacht vom Tahrir-Platz zum stark geschützten Fernsehgebäude, wie Augenzeugen berichten. Zudem gab es Aufrufe, unmittelbar vor dem Präsidentenpalast zu demonstrieren.

23:53 Uhr

Auf al-Dschasira befürchtet der Politikwissenschaftler Ibrahim Arafat, dass Mubarak jetzt sogar auf Frust und Wut der Demonstranten baut. Denn falls morgen Gewalt ausbrechen sollte, so Arafat, könne das der Anlass für das Militär sein, einzugreifen und die Aufstände niederzuschlagen. Die Allianz zwischen Demonstranten und Armee würde dadurch gebrochen.

00:01 Uhr

Oppositionspolitiker Mohammed el Baradei meldet sich per Twitter: "Ägypten wird explodieren. Die Armee muss das Land jetzt schützen."

00:20 Uhr

Nach Angaben des ägyptischen Botschafters in den USA hat Mubarak alle Macht im Rahmen der Verfassung an seinen Stellvertreter Omar Suleiman abgegeben. Suleiman sei jetzt der "De-Facto-Präsident" Ägyptens und damit auch Chef der Streitkräfte, sagte Sameh Shoukry am Donnerstagabend dem Sender CNN in einem Telefon-Interview. Mubarak sei nur noch "de jure" das Staatsoberhaupt, das heißt, im legalen technischen Sinne. Auf die Nachfrage, ob das bedeute, dass Mubarak keine Macht mehr habe, antwortete Shoukry: "Das ist gewiss eine Interpretation, die Sie vornehmen können." Der Botschafter berief sich dabei auf Äußerungen von Suleiman selbst.