2,7 Millionen Syrer in der Türkei Erdoğan will "Flüchtlingsstadt" in Syrien

Präsident Recep Tayyip Erdoğan will mit einer "Flüchtlingsstadt" Syrer vom Grenzübertritt in die Türkei abhalten.

(Foto: REUTERS)

Der türkische Staatschef hofft, dass dann weniger Menschen aus Syrien in die Türkei fliehen. Allerdings scheint sein Vorschlag noch nicht besonders ausgereift.

Teile der deutschen Bevölkerung ächzen unter der angeblichen Last von mehr als einer Million Flüchtlinge - in der Türkei sind die Dimensionen andere: Derzeit sollen sich dort allein 2,7 Millionen Syrer aufhalten. Um diese Zahl zu verringern, schlägt Staatschef Erdoğan ungewöhnliche Maßnahmen vor.

Eine "Flüchtlingsstadt" im Norden Syrien solle Menschen aufnehmen, die vor dem Bürgerkrieg fliehen. So hofft er, die Flüchtlinge am Grenzübertritt in die Türkei zu hindern. Die Stadt könne eine Fläche von 4500 Quadratkilometern haben und mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft nahe der Grenze zur Türkei errichtet werden, sagte Erdoğan der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Es ist unklar, wie eine Schutzzone gesichert werden könnte

Erdoğan sagte, er habe bereits mit US-Präsident Barack Obama über den Plan gesprochen. Die Verhandlungen hätten aber "noch keine Früchte getragen". Einen Zeithorizont für die Realisierung des Projekts skizzierte Erdoğan nicht.

Die Türkei wirbt bereits seit längerer Zeit für eine Pufferzone im Norden Syriens entlang der gemeinsamen Grenze. Bereits im Oktober 2014 hatte Erdoğan einen solchen Vorschlag gemacht. Insbesondere die Kurden reagierten misstrauisch und fürchteten, türkische Soldaten könnten als Besatzer auftreten. Ankara argumentiert, ein zehn Kilometer breiter Schutzstreifen könne helfen, die Massenflucht in die Türkei und nach Europa einzugrenzen. Allerdings ist völlig unklar, wie eine solche Zone durchgesetzt und gesichert werden soll.

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