Zugunglück in den USA Zug fuhr doppelt so schnell wie erlaubt

Lok und Waggons des Zuges entgleisten.

(Foto: AFP)
  • Nach Angaben der Transportsicherheitsbehörde NTSB war der verunglückte Zug mit mehr als 160 Stundenkilometern unterwegs, doppelt so schnell wie zulässig.
  • Mehrere Wagen der Regionalbahn waren am Dienstagabend (Ortszeit) auf dem Weg von Washington nach New York entgleist.
  • Bei dem Unfall starben mindestens sieben Menschen, mehr als 200 wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

100 Meilen pro Stunde statt 50

Bei dem Zugunglück in der Nähe der US-Großstadt Philadelphia mit Toten und Verletzten soll erhöhte Geschwindigkeit eine Rolle gespielt haben. Der Zug soll kurz vor seiner Entgleisung etwa doppelt so schnell unterwegs gewesen sein als erlaubt. Das gab die Transportsicherheitsbehörde NTSB bekannt.

Demnach sei der Zug mit mehr als 100 Meilen pro Stunde (etwa 160 Stundenkilometer) in eine scharfe Kurve eingebogen, erlaubt sind nur 50 Meilen. An dieser Stelle der Strecke, an der die Geschwindigkeit eigentlich reduziert werden muss, entgleiste schließlich der Zug.

Experten spekulierten zunächst über einen Rad- oder Schienenschaden. Augenzeugen berichteten, vor dem Unglück habe der vordere Zugteil bei der Einfahrt in eine scharfe Kurve gewackelt. Neben den Rettungskräften sind nun auch Ermittler der Transportsicherheitsbehörde NTSB und das FBI vor Ort. Hinweise auf einen Zusammenprall mit einem zweiten Fahrzeug oder einen terroristischen Anschlag gebe es nicht, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Michael Nutter.

Sieben Tote, mehr als 200 Verletzte

Mindestens sieben Menschen kamen bei dem Unglück am Dienstagabend (Ortszeit) ums Leben. Das sagte der Bürgermeister auf einer Pressekonferenz. Dutzende Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht, sechs von ihnen sollen sich nach US-Medienberichten in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden.

Alle sieben Waggons des Zuges, auch das Triebfahrzeug, waren aus den Schienen gesprungen und teilweise umgestürzt. Ein Waggon war L-förmig verbogen. Auch die Schienen waren an der Unglücksstelle vollständig zerstört. Nutter sagte, dort herrsche ein "totales, katastrophales Durcheinander". Und weiter: "Ich habe in meinem Leben noch nie so etwas gesehen und die meisten Einsatzkräfte werden das Gleiche sagen."

Wie Passagiere das Unglück erlebten

Der frühere US-Abgeordnete Patrick Murphy, der im Zugrestaurant gesessen hatte, schrieb auf Twitter: "Ich bin ok. Helfe anderen. Betet für die Verletzten." Dem Sender WPVI sagte er: "Ich hörte einen Knall oder so etwas in der Art." Dann sei der Zug hin und her getaumelt und entgleist. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei der Zug mit etwa 60 bis 70 Meilen in der Stunde (97 bis 113 Stundenkilometer) unterwegs gewesen. Einige Passagiere hätten ein Fenster eingetreten, um ins Freie zu kommen. Andere Verletzte konnten sich nicht bewegen.

Fahrgast Jeremy Wladis sagte CNN, er habe im letzten Waggon gesessen und gerade etwas gegessen. "Das nächste, was ich weiß, ist, dass der Zug plötzlich komische Dinge gemacht hat und es immer schlimmer wurde." Plötzlich seien Dinge durch die Luft geflogen. "Telefone, Laptops. Und auch Menschen."

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden

Der Amtrak Northeast Regionalzug 188 war auf dem Weg von Washington nach New York gewesen. An Bord waren den Angaben zufolge 238 Passagiere und fünf Bahnmitarbeiter. Die meisten Fahrgäste konnten sich selbst befreien, indem sie aus den Zugfenstern kletterten. Andere mussten von Rettungskräften mit schwerem Gerät herausgeschnitten werden.

Ob noch jemand vermisst wurde, war zunächst unklar. Rettungskräfte in orangefarbenen Sicherheitswesten suchen im Dunkeln mit Taschenlampen nach weiteren Opfern. Mit Leitern versuchen sie, zu den Überlebenden in den umgestürzten Waggons vorzudringen. Am Unglücksort stehen zahlreiche Feuerwehrwagen und Krankenwagen bereit. 120 Feuerwehrleute und 200 Polizisten waren im Einsatz.

Alle Züge zwischen Philadelphia und New York wurden bis auf weiteres gestrichen. Bürgermeister Nutter sagte, er rechne nicht damit, dass der Verkehr vor dem Ende der Woche wieder aufgenommen werden könne.

Beileidsbekundung der Obamas

Präsident Barack Obama und seine Frau haben ihr Beileid bekundet. Er und Michelle seien schockiert und zutiefst traurig gewesen, als sie am Dienstagabend von dem Unfall erfahren hätten, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Präsidenten. "Unsere Gedanken und Gebete gelten den Familien und Freunden, die wir in der vergangenen Nacht verloren haben, und den vielen Passagieren, die heute ihren lang Weg zur Genesung beginnen." Das Unglück sei eine "Tragödie, die uns alle berührt".