Vernehmungsprotokolle von Anders Behring Breivik Angriff auf Utøya war "Plan B"

Tödliche Akribie: Erstmals wurden Auszüge aus den Verhörprotokollen von Anders Behring Breivik veröffentlicht. Sie enthüllen, wie minutiös der Attentäter von Norwegen seine Taten vorbereitete - und dass das Massaker von Utøya, bei dem 69 Menschen starben, so gar nicht geplant war.

Von Gunnar Herrmann, Stockholm

Der inhaftierte Attentäter Anders Behring Breivik wollte nach eigenen Aussagen bei seinen Anschlägen am 22. Juli vor allem das Regierungsviertel in Oslo treffen. Erst als klar war, dass seine Bombe die Staatskanzlei nicht zum Einsturz gebracht hatte, entschloss er sich zum Massaker auf der Insel Utøya, das er als "Plan B" bezeichnet. Dies geht aus den Verhörprotokollen hervor, die nun erstmals in Auszügen von der Boulevardzeitung Verdens Gang (VG) veröffentlicht wurden. Auf elf Seiten schildert das Blatt in seiner Freitagsausgabe neue Einzelheiten der Anschläge.

Wie die Zeitung an die Protokolle gelangte, ist unklar. Die Polizei wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Die Ermittler haben den geständigen Terroristen inzwischen insgesamt 18 Mal vernommen. VG veröffentlichte auch Skizzen, die Breivik in der Haft angefertigt hatte, um zu erläutern, wo er seine Bombe platziert und welchen Weg er über die Insel genommen hatte. Details der Morde und die ideologischen Erklärungen, die der Rechtsextreme im Verhör abgegeben hatte, ließ die Zeitung in ihrem Bericht weg, aus Rücksicht auf die Opfer. Die hatten mehrfach die umfangreiche Berichterstattung über den Täter kritisiert.

Die Protokolle zeigen vor allem, mit welcher Akribie Breivik seinen Massenmord vorbereitete. Demnach identifizierte er zuvor mehrere Politiker als Hauptziele - im Verhör nennt er sie "Verräter der Kategorie A" - unter ihnen Außenminister Jonas Gahr Støre, Ex- Premierministerin Gro Harlem Brundtland und der Chef der Jugendorganisation AUF, Eskil Pedersen. Breivik gab an, er habe sich die Gesichter der Spitzenpolitiker vor der Tat mit Hilfe von Fotos eingeprägt. VG zufolge plante er, seine prominenten Opfer zunächst als Geiseln zu nehmen und sie dann später zu töten. Er hatte auch erwogen, das Massaker auf Utøya zu filmen und die Videos per Mobilfunk im Internet zu veröffentlichen.

Breivik ermordete am 22. Juli insgesamt 77 Menschen. 69 von ihnen starben bei der Schießerei auf der Insel Utøya, acht Opfer hatte Breivik zuvor mit einer Autobombe in der Osloer Innenstadt getötet.