Vatileaks Papstdiener erstmals verhört

Seit zwei Wochen sitzt Paolo Gabriele in der Arrestzelle des Vatikans. Nun ist der bislang einzige Beschuldigte im Vatileaks-Skandal erstmals verhört worden. Auch eine andere prominente Figur in der Enthüllungsaffäre hat sich erstmals zu Wort gemeldet.

Von Andrea Bachstein, Vatikanstadt

Auch am Dienstag muss Vatikansprecher Federico Lombardi wieder einiges dementieren, was italienische Medien zum Fall der veröffentlichten Vatikanpapiere behaupten. Die Dementis, die der Jesuit pflichtschuldig, manchmal aber auch fast amüsiert vorträgt, sind in den beiden Wochen seit der Festnahme des päpstlichen Kammerdieners beinahe rituell geworden.

Er war immer an der Seite von Papst Benedikt XVI. - wie hier bei einer Generalaudienz Ende April. Dann wurde der Kammerdiener Paolo Gabriele verhaftet. Der Verdacht: Verrat.

(Foto: AFP)

Diesmal geht es um einen Bericht, nach dem Paolo Gabriele seit geraumer Zeit als eine Art Doppelagent tätig gewesen sei. Das entbehre jeder Grundlage, sagt Lombardi. Der Corriere della Sera hatte berichtet, vermutlich habe der bereits als Täter enttarnte Kammerdiener weiterhin Dokumente etwa an Journalisten geliefert. So hätten die Ermittler der vatikanischen Gendarmerie an weitere Namen gelangen wollen. Gabriele habe dafür eine milde Behandlung zugesagt bekommen.

Am Dienstag begannen die formellen Vernehmungen Gabrieles. Lombardi bestätigte, dass es nicht erstaunlich wäre, wenn - wie am Wochenende geschehen - weitere Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen würden. Gabriele ist weiterhin der einzige Beschuldigte. Der Vatikan hat bisher auch kein Rechtshilfegesuch an Italien gestellt, das italienische Staatsbürger betreffen könnte.

Unterdessen äußerte sich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zum ersten Mal direkt zum Vatileaks-Skandal. Im italienischen Fernsehen sagte der Mann, der als eigentliches Angriffsziel der Indiskretionen gilt, es habe immer Attacken auf den Vatikan gegeben. Dieses Mal jedoch seien sie "gezielter, teilweise heftig, schädlich und organisiert". Papst Benedikt aber lasse sich von Angriffen jeglicher Art sicher nicht einschüchtern.

Am Dienstag erläuterte auch ein Richter des Vatikanischen Gerichts Einzelheiten der Verfahren des Kirchenstaats. Die Gesetze wurden nach der Gründung des heutigen Kirchenstaats analog zu denen des damaligen italienischen Königreichs geregelt und später teils aktualisiert. Wie lange die Ermittlungen andauern, lasse sich nicht vorhersagen, sagte der Jura-Professor Paolo Papanti-Pelletier. Sollte Gabriele der Prozess gemacht werden, werde der auf jeden Fall öffentlich sein. Solange nicht entschieden ist, ob der Kammerdiener vor Gericht kommt, kann er maximal 100 Tage in einem der Arresträume der Vatikan-Gendarmerie in Untersuchungshaft bleiben. Denkbar sei aber, dass er in Hausarrest überstellt wird. Ihm wird schwerer Diebstahl vorgeworfen, dafür drohen ein bis sechs Jahre Haft, in besonders schweren Fällen zwei bis acht Jahre.

Am Sonntag konnte der Ex-Majordomus etwas frische Luft atmen. Er durfte in Begleitung zweier Gendarmen, aber ohne Handschellen, in einer Kirche im Vatikan zum Gottesdienst.