Massaker in Las Vegas Amerika, deine Waffen!

Beim Pro-Kopf-Waffenbesitz liegen die USA unter den reichen Industrieländern auf Platz eins. Sieben Grafiken, die erklären, was der Waffenbesitz mit den USA macht.

Von Katharina Brunner und Moritz Zajonz

Manchmal, wenn die Dinge besonders tragisch werden, hilft nur mehr der Comic Relief, wie es die Amerikaner nennen. Diese komische Erleichterung soll eine Situation mit einem Scherz auflockern. So wie die Satire-Webseite The Onion, die nach dem Massenmord in Las Vegas titelte: " 'Es gibt keinen Weg, das zu verhindern', sagt die einzige Nation, in der das immer wieder passiert." Ein Mann hat dort 58 Menschen ermordet und mehr als 500 verletzt, als er aus dem Fenster seiner Hotelsuite in Las Vegas auf die Besucher eines Country-Festivals feuerte.

Mehr Massenschießereien als Tage im Jahr

Aber das ist nur der traurige Höhepunkt des laufenden Jahres: 2017 hat noch kaum begonnen, als in Dallas, Texas, ein Mann bei einer Neujahrsparty in einem Club einen Gast erschießt, drei weitere verletzt er. Am selben Tag kommt es noch in Florida zu einer Schießerei mit sieben Verletzten. So geht das Jahr weiter: 411 Mal listet das Gun Violence Archive eine Massenschießerei auf. Das bedeutet: 411 Mal töteten oder verletzten amerikanische Schützen mindestens vier Menschen auf einmal. Dabei sind 531 Menschen umgekommen und 1657 Menschen verletzt worden.

Damit es überhaupt zu solchen Zahlen kommen kann, braucht es Waffen. Die sind, anders als in den meisten anderen Ländern, in den USA leicht zu bekommen. Das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen, stammt aus den Frühzeiten der Vereinigten Staaten und wurde 1791 im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten formuliert.

Drei Prozent der Amerikaner besitzen die Hälfte der Waffen

In den reichen Industrieländern liegen die USA beim Pro-Kopf-Waffenbesitz auf Platz eins. Im Vergleich zu Deutschland sind es 16 Mal mehr, im Vergleich zu Großbritannien 25 Mal mehr. Diese Zahlen kommen von Gun Policy, einem Projekt der Universität von Sydney, die die Quote von legalen und illegalen Waffen schätzt:

Doch der Waffenbesitz ist in diesen Ländern nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt. Zum Beispiel die USA:

Das legt eine Studie der Harvard- und Northeastern-Universität nahe, die den Waffenbestand in den USA für das Jahr 2015 untersucht. Die Wissenschaftler sprechen auch von Super Owners, also Menschen, die extrem viele Waffen besitzen. Geschätzt wird, dass 7,7 Millionen Amerikaner zwischen acht und 140 Waffen haben.

Mehr Waffen, mehr Tote

Mehr Waffen gehen Hand in Hand mit mehr Toten durch Schussverletzungen. Dieser Zusammenhang lässt sich international deutlich zeigen. Und zwar nicht nur bei den USA, sondern auch bei vielen anderen Ländern, wie beispielsweise der Schweiz, aber auf einem viel niedrigeren Niveau. Die Vereinigten Staaten sind ein krasser Ausreißer nach oben.

Die Zahl der Toten in den USA durch Pistolen oder Revolver bezieht sich nicht nur auf Morde, sondern auch auf Suizide. Mehr als die Hälfte der Opfer von Schusswaffen haben sich selbst getötet:

Nach jedem Massenmord kommt die Forderung wieder: Das Recht auf Waffenbesitz soll beschränkt werden. Doch geändert wurde nichts. Weder unter US-Präsident Bill Clinton nach dem Massaker an der Columbine High School mit 15 Toten noch unter Barack Obama nach dem Massaker in einem Nachtklub in Orlando mit 50 Toten. Und auch jetzt wird sich höchstwahrscheinlich nichts ändern. Das liegt auch daran, dass die Gesellschaft in den USA geteilt ist. Das zumindest legen Umfragen von PEW nahe, die seit etwa zehn Jahren von Menschen wissen wollen, ob sie für eine Einschränkung des Waffenrechts sind oder für ein liberales Recht. Vor fast 20 Jahren lagen demnach die Befürworter von strengerer Kontrolle noch deutlich vorn, inzwischen ist das nicht mehr so eindeutig. Die beiden Sichtweisen liegen einigermaßen gleichauf:

Vorbild Australien als Ausweg?

Vorbild für eine Änderung des Waffengesetzes könnte Australien sein. Am 28. April 1996 erschoss dort ein Mann 35 Menschen, zehn Tage später beschlossen die Politiker ein Gesetz, das den Waffenbesitz reguliert. Ein Teil davon war ein Rückkaufprogramm, bei dem der Staat Waffen von Privatleuten gekauft und vernichtet hat.

Seitdem ist die Tötungsrate durch Schusswaffen, so nennt man die absichtlichen Tötungen pro 100 000 Einwohner, um etwa 79 Prozent gesunken. Eine Entwicklung, die Beobachter auch in den USA erwarten, falls es schärfere Waffengesetze geben sollte. Zum Vergleich: In den USA gab es 2014 3,4 Tötungsdelikte pro 100 000 Personen, in Australien ein solches Delikt pro eine Million Einwohner.

*) Anmerkung der Redaktion: Für Deutschland wird die Zahl der Waffen pro 100 Einwohner mit 32 recht hoch angegeben. Diese Zahl wurde vom Gun Policy Projekt der Sydney School Of Public Health berechnet und gründet sich auf der Anzahl an Waffen in Deutschland: Etwa 25 Millionen Waffen insgesamt, davon fünf Millionen legale Waffen und 20 Millionen illegale. Die Zahl der illegalen Waffen konnte vom Bundesinnenministerium auf SZ-Nachfrage allerdings nicht bestätigt werden.