Unwetter über Deutschland Meteorologen warnen vor weiteren Gewittern im Süden

Das große Pfingst-Unwetter: Eine Gewitterfront verdunkelt den Himmel an der Ostsee.

(Foto: dpa)

Blitzeinschläge, Orkanböen, sintflutartige Regenfälle: Nach den heißen Pfingsttagen sind über Nordrhein-Westfalen die schwersten Unwetter seit Jahren hinweggezogen, mehrere Menschen kamen ums Leben. Wetterprognosen zufolge werden die Gewitter im Laufe der Woche auch den Südosten und Süden Deutschlands erreichen.

Die Entwicklungen im Newsblog
  • Die schwersten Unwetter seit Jahren: Blitze, Donner, Sturm und sintflutartige Regenschauer hinterlassen eine Schneise der Verwüstung in Nordrhein-Westfalen.
  • Mehrere Todesopfer: Bei den schweren Unwettern kommen mindestens sechs Menschen ums Leben.
  • Erhebliche Behinderungen: Der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft ist vielerorts gestört.
  • Keine Entspannung in Sicht: Meteorologen warnen vor weiteren Gewittern.
  • Die Wetterprognosen sagen für Mittwoch schwere Gewitter im Südosten, am Donnerstag im Süden voraus.

Schwerste Unwetter seit Jahren: Mit den Folgen des heftigen Unwetters kämpfen die betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen auch am Dienstag. Gewitter, Sturm und Starkregen verursachen schwere Schäden. "Wir müssen damit rechnen, dass der Schaden insgesamt auf einen zweistelligen Millionenbetrag hinausläuft", sagte Innenminister Ralf Jäger. Bäume rissen Ampelmasten und Stromleitungen ab oder begruben Autos unter sich. Wassermassen überschwemmten Straßen. Wegen herabgefallener Äste und umhergeflogenen Trümmerteilen ist auf vielen Straßen kein Durchkommen. In mehreren Städten fordern Behörden die Menschen auf, möglichst zu Hause zu bleiben. Vor dem Betreten von Wäldern wird gewarnt, in Mönchengladbach sind die Friedhöfe geschlossen.

Insgesamt habe die Polizei in der Nacht zu fast 5000 Einsätzen ausrücken müssen, teilt die Landesleitstelle mit. Überflutete Straßen und zahlreiche umgestürzte Bäume sorgen für erhebliche Probleme. Die Polizei in Duisburg meldet Sachschäden in Höhe von schätzungsweise 1,2 Millionen Euro allein im Stadtgebiet. Das Unwetter ist Meteorologen zufolge eines der stärksten seit Jahren in NRW. Die Schwere des Unwetters mit Starkregen und Hagel, das wie eine Walze über das Bundesland rollte, lag vor allem an den hohen Windgeschwindigkeiten, die mit teils mehr als 140 Stundenkilometern die höchsten seit dem Orkan Kyrill 2007 waren. "Das sind Orkanstärken", sagte ein Sprecher der Meteogroup in Bochum. "Im Sommer reichen schon 90 Stundenkilometer, um Bäume umzuknicken, weil sie viel Laub tragen", erläuterte der Meteorologe.

Bundesland im Ausnahmezustand

mehr...

Mehrere Menschen kommen ums Leben: In Düsseldorf sterben drei Menschen in einem Gartenhaus. Sie hatten Zuflucht vor dem Unwetter gesucht, als eine schwere Pappel auf das Haus stürzte. Feuerwehrleute konnten aus den Trümmern sechs Menschen befreien, sie mussten verletzt in Krankenhäuser gebracht werden. In Köln wird ein Radfahrer von einem Baum erschlagen, vermutlich durch einen Blitzeinschlag sei ein etwa 20 Meter hoher Baum in der Mitte durchgebrochen.

In Essen stirbt ein Mann vermutlich bei Aufräumarbeiten. Er hatte nach ersten Informationen der Polizei kurz vor Mitternacht versucht, im Stadtteil Kray die Fahrbahn zu räumen. In Krefeld kappte ein umgestürzter Baum eine Stromleitung, dabei wurde ein Radfahrer von dem Stamm erfasst und begraben, wie die Polizei berichtete. Vermutlich sei er an dem Stromschlag gestorben. Neben den sechs Todesopfern wurden etwa 30 weitere Menschen schwer und 37 leicht verletzt. Allein 90 witterungsbedingte Verkehrsunfälle nahm die Polizei in der Nacht in NRW auf.

Starke Verkehrsbehinderungen in weiten Teilen des Landes: Die Deutsche Bahn meldet Behinderungen im Nah- und Fernverkehr. Aufgrund der Schäden sei auch ein Notverkehr mit Bussen nicht möglich. Zunächst müssen einem Bahnsprecher zufolge zahlreiche Oberleitungen instand gesetzt werden. Am Vormittag bleibt der Knotenpunkt Essen gesperrt. Auch die beiden Ost-West-Verbindungen Dortmund-Essen-Düsseldorf-Köln und Dortmund-Gelsenkirchen-Duisburg sind betroffen. Am Flughafen Düsseldorf, der eine Stunde lang seinen Betrieb einstellen muss, starten und landen zahlreiche Maschinen verspätet, einige Flüge werden annulliert.

Wegen zahlreicher beschädigter Oberleitungen fäll der Straßenbahnbetrieb in Essen und Düsseldorf komplett aus. Busse und U-Bahnen fahren laut der Düsseldorfer Rheinbahn und der Essener EVAG nur eingeschränkt. Auf den Autobahnen in NRW meldet der Westdeutsche Rundfunk insgesamt etwa 300 Kilometer Stau. Mehrere Autobahnen sind teils gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar. Die Verkehrsprobleme blieben auch in den kommenden Tagen bestehen, sagt Innenminister Jäger: "Mit einer Entspannung ist vorerst nicht zu rechnen." Die Aufräumarbeiten liefen: "Die Helfer tun alles, um die Schäden zu beseitigen."

Keine Schule am Mittwoch: In Essen, Neuss, Mülheim, Herne, Bochum, Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel bleiben an diesem Mittwoch flächendeckend die Schulen geschlossen. In Düsseldorf fällt der Unterricht an 24 Grundschulen und sechs weiterführenden Schulen aus. Schäden an Schulgebäuden und Gefahren auf den Schulwegen machten dies notwendig, hieß es bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Auch einige Kitas bleiben geschlossen. Eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Schulministeriums sagte, Eltern könnten selbstständig entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken.

Meteorologen warnen vor weiteren Gewittern: Nach Nordrhein-Westfalen drohen auch in anderen Regionen Deutschlands heftige Gewitter."Dabei kann es schweren Hagelschlag, heftigen Starkregen und orkanartige Böen oder Orkanböen geben", meldet der Deutsche Wetterdienst. Am Mittwoch werde es im Südosten, am Donnerstag im Süden Gewitter geben, die sich lokal zu Unwettern entwickeln könnten, so Meteorologe Thomas Ruppert. Die brisante Wetterlage dauere noch an. "Es gibt keine Entwarnung", sagte eine Meteorologin. Ob die Gewitter so stark werden wie in der Nacht zum Dienstag, ist aber noch unklar. Immerhin: Am Dienstagabend sind erste Stürme und Gewitter ohne größere Schäden über Baden-Württemberg gezogen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte in einigen Landkreisen - darunter die Region Stuttgart - vor extremen Unwettern gewarnt. Bis zum frühen Abend sei es aber relativ ruhig geblieben, sagte ein Polizeisprecher.

Szene der Verwüstung in Gelsenkirchen: Bäume stürzten in NRW infolge des schweren Unwetters auf Straßen und Autos. Die Aufräumarbeiten dauern an.

(Foto: dpa)

Pandabär im Gelsenkirchener Zoo vermisst: Bei dem Unwetter wurde auch die Anlage der Pandabären vollständig zerstört. Das Weibchen konnte wieder eingefangen werden, die Suche nach dem Männchen blieb bislang erfolglos. Kleine Panda seien jedoch nicht gefährlich, versicherte der Zoo. Wegen der Sturmschäden bleibt der Zoo zunächst geschlossen.

Linktipp: Hier informiert die Deutsche Bahn über Beeinträchtigungen im Schienenverkehr.