Untersuchung in Brasilien Ärztin soll bis zu 300 Patienten getötet haben

Für den Mord an sieben Patienten ist sie bereits angeklagt, doch einer neuen Untersuchung zufolge könnte eine brasilianische Ärztin für den Tod mehrerer hundert Menschen verantwortlich sein. Ihr Motiv: "auf der Intensivstation Platz schaffen".

1700 Menschen starben in den vergangenen sieben Jahren im Evangelikalen Krankenhaus von Curitiba im Süden Brasiliens. 1700 Menschen, deren Patientenakten jetzt genau geprüft werden, nachdem eine Ärztin in dem Hospital mehrere Menschen umgebracht haben soll.

Virginia Soares de Souza und ihre Mitarbeiter stehen wegen Mordes vor Gericht. Sie werden verdächtigt, sieben Patienten Muskelrelaxanzen gegeben zu haben, um dann die Sauerstoffversorgung abzuschalten. Die Menschen erstickten. Nach den ersten Anhörungen geht das Gericht davon aus, dass de Souza die Anführerin der Gruppe war. Drei weitere Ärzte, drei Krankenschwestern und ein Physiotherapeut werden beschuldigt, ihren Anweisungen Folge geleistet zu haben, berichtet die britische BBC.

Die Ärztin soll ihre Patienten umgebracht haben, weil sie "die Intensivstation aufräumen" und für freie Betten sorgen wollte. Das geht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge aus Telefonaten hervor, die Ermittler abgehört haben. "Leider ist es unser Auftrag, Mittelsmänner auf dem Sprungbrett ins nächste Leben zu sein", erklärte sie demnach ihr Handeln. De Souza habe sich als Leiterin der Intensivstation "allmächtig" gefühlt, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Bei der Überprüfung der Todesfälle der vergangenen Jahre sind die Ermittler nun auf weitere verdächtige Vorgänge gestoßen. "Es bestehen bereits mehr als 20 weitere Fälle und knapp 300 werden noch untersucht", sagte Chefermittler Mario Lobato im brasilianischen Fernsehen.

De Souza wurde vergangene Woche gemeinsam mit den weiteren Angeklagten auf Kaution aus der Haft entlassen. Nach der Überprüfung der Patientenakten soll sie jetzt wieder festgenommen werden.