Übergriffe an Silvester Was wir über die Täter von Köln wissen - und was nicht

Zwischen Hauptbahnhof und Kölner Dom eskaliert die Lage am Silvesterabend.

(Foto: dpa)

Waren Flüchtlinge unter den Angreifern in der Silvesternacht? Und hat die Polizei etwas verschwiegen? Die Fakten zu den Übergriffen in Köln.

Von Dominik Fürst

In der Silversternacht kommt es in deutschen Städten zu massenhaften und möglicherweise organisierten sexuellen und räuberischen Übergriffen auf Frauen. Das geschieht im extremen Ausmaß in Köln, wo Frauen zwischen Domplatz und Hauptbahnhof zeitweise schreiend und hilfesuchend umherlaufen. Dennoch gibt es am Silvesterabend in Köln keine einzige Festnahme. Und im Rest der Republik bleibt es zunächst: ruhig.

Große Aufmerksamkeit und wenig später große Empörung erfahren die Vorkommnisse erst am Montag, vier Tage nach Silvester. Inzwischen liegen der Polizei in Köln bis zu 200, in Hamburg 70 Anzeigen vor. Mit ihnen rückt die Frage in den Fokus: Waren Flüchtlinge unter den Männern, die Frauen und Mädchen sexuell belästigten, ausraubten und attackierten?

Woran und warum die Polizei in Köln scheiterte

Die interne Kritik bei der Kölner Polizei wird lauter: Wurde die Lage am Hauptbahnhof falsch eingeschätzt? Waren zu wenige Einsatzkräfte verfügbar? Die Aufarbeitung der Silvesternacht kommt nur stückweise voran. Von Jana Stegemann und Oliver Klasen mehr ...

Was wir über die Täter wissen

  • Dutzende Zeugen sprechen von jungen Männern, die Arabisch gesprochen hätten, manche auch Deutsch. Dem Aussehen nach seien die meisten arabischer oder nordafrikanischer Herkunft.
  • Der Bericht eines Bundespolizisten beschreibt "einige Tausend meist männliche Personen mit Migrationshintergrund", die Feuerwerkskörper und Flaschen warfen. Einige Verdächtige haben dem Bericht zufolge ihre Aufenthaltstitel zerrissen, mit der Aussage: "Ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen neuen." Einer habe gesagt: "Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln."
  • Inzwischen sind 16 Verdächtige in Köln identifiziert. Junge Männer, die "weitestgehend" aus dem nordafrikanischen Raum stammten, heißt es. Die meisten Verdächtigen seien zwar noch nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar, sagt die Polizei.
  • Der Welt am Sonntag zufolge kontrollierte die Polizei an dem Abend in Köln entgegen offiziellen Angaben etwa 100 Personen und nahm manche davon zeitweise fest. Größtenteils habe es sich um "frisch eingereiste Asylbewerber" aus Syrien gehandelt.
  • Auch die DPolG Bundespolizeigewerkschaft erklärt, es seien womöglich Flüchtlinge an den Übergriffen beteiligt gewesen. "Wir haben Erkenntnisse darüber, dass sich darunter auch Flüchtlinge befunden haben", sagte der Vorsitzende, Ernst G. Walter, in der ARD-Sendung "Brennpunkt".
  • Wie der WDR berichtet, hat die Kölner Polizei inzwischen zwei Männer festgenommen. Auf deren Handys sollen sich Videos von den Übergriffen befinden. Die Spur von in der Silvesternacht gestohlenen Handys soll in Flüchtlingsheime führen, berichtet der Spiegel.

Was wir nicht wissen

  • War das, was in Köln und anderen deutschen Städten geschah, organisiertes Vorgehen? Und wenn ja: Über welche Kanäle hat sich eine so große Menschengruppe zu den Straftaten verabredet und wieso bemerkte das im Vorfeld niemand?
  • Warum veröffentlichte die Kölner Polizei am Neujahrstag eine Pressemitteilung, in der von einer "entspannten Lage" die Rede ist, nur um Tage später von einer "neuen Dimension" der Straftaten zu sprechen und zu erklären, die Situation sei nicht mehr in den Griff zu bekommen gewesen?
  • Warum gab es keine Festnahmen? Dass dies aus "Kapazitätsproblemen" nicht möglich gewesen sei, wie es in dem Bericht der Bundespolizei heißt, bezeichnet etwa Journalist Georg Restle in den ARD-Tagesthemen für "schwer zu glauben".

SZ-Grafik: Sarah Unterhitzenberger