Trauer um US-Prediger Billy Graham im Alter von 99 Jahren gestorben

Gilt als Begründer der Fernsehpredigt: Billy Graham.

(Foto: dpa)

Der konservative Prediger übte über viele Jahre hinweg großen politischen Einfluss aus und war Berater mehrerer US-Präsidenten. Vielen dürfte er auch aus der Serie "The Crown" bekannt sein.

Er gilt als einer der erfolgreichsten Heilsprediger der USA: Er versorgte viele Tageszeitungen mit einem täglichen Artikel zu theologischen Fragen unter dem Titel "My Answer" und reiste durch die Welt, um auf Großveranstaltungen zu predigen - die er selbst "Kreuzzüge" nannte. Seine Mission, von Chören, Sologesängen, Scheinwerfern und Lichteffekten untermalt, war es stets, gegen Liberalismus, Kommunismus und zerfallende Moralvorstellungen anzugehen.

Bekannt ist Billy Graham heute aber vor allem unter Serienfans. In der fiktiven Serie über das britische Königshaus "The Crown" schwärmt die Queen für den US-Prediger, der dort von Schauspieler Paul Sparks gespielt wird.

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Graham selbst wurde 1918 im Bundesstaat North Carolina geboren. Erzogen wurde er als Presbyterianer, mit 16 Jahren konvertierte er zum Baptismus. Ab den 1940er Jahren trat er als Prediger auf und wurde von dem konservativen Verleger William Randolph Hearst entdeckt, der ihm über sein Medienimperium Zugang zur breiten Öffentlichkeit verschaffte. Zeit seines Lebens war Graham umstritten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte ihn einmal einen "Seelenfänger". Vor allem seine fundamentalistische Auslegung der Bibel wurde kritisiert, aber auch seine politischen Einschätzungen. 1979 bekannte Graham einmal, "das Königreich Gottes mit der amerikanischen Lebensweise verwechselt zu haben".

Der Prediger galt lange als Beichtvater zahlreicher US-Präsidenten. Unter anderem soll er der Bekehrer des späteren US-Präsidenten George W. Bush gewesen sein, der in den 80er Jahren von der Alkoholsucht loskam. Bei seinem zweiten Wahlsieg 2004 konnte Bush vor allem auch auf die Stimmen der konservativen Wähler zählen.

Auch sonst mischte sich der Prediger politisch ein. So engagierte er sich für atomare Abrüstung und eine Verständigung mit der Sowjetunion, was ihn in einen Konflikt mit der US-Regierung unter Ronald Reagan brachte. Zu Zeiten der Rassentrennung in den 1950er Jahren weigerte er sich, Weiße und Schwarze in seinem Publikum räumlich voneinander zu trennen. 1963 zahlte er einmal die Kaution für den inhaftierten Martin Luther King.

Darüber hinaus gilt Graham als der Begründer der Fernsehpredigt. Ab den 1950er Jahren trat er in mehreren Sendungen auf, produzierte selbst Filme und schrieb Bücher.

Seit dem Jahr 2000 trat Graham nicht mehr öffentlich auf, sein Sohn Franklin übernahm von da an die Geschäfte des Unternehmens "Billy Graham Evangelistic Association". Graham starb jetzt im Alter von 99 Jahren im US-Staat North Carolina.

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