Thronwechsel in den Niederlanden "Crowdmanagement" auf Holländisch

Randalierer, Massenpanik, Luftangriffe: Die Sicherheitskräfte sind vor dem Thronwechsel in Amsterdam für alle Eventualitäten gewappnet. Für potenzielle jugendliche Störenfriede zum Beispiel wurde zur Ablenkung ein Tanzfest organisiert. Wie sich die Niederländer auf den Thronwechsel vorbereiten.

Von Thomas Kirchner

Das Wetter: Es wird nordisch kalt, aber überwiegend freundlich sein zum Thronwechsel in Holland. Diese Sorge ist also schon mal aus dem Weg geräumt. Andere bleiben, denn was Amsterdam an diesem Dienstag bevorsteht, weiß die Stadt nicht genau. Vor allem weiß niemand, wie viele Gäste den Thronwechsel in der Hauptstadt erleben wollen. 800.000 kommen schon an normalen Königinnentagen. Nun ist die Rede von bis zu zwei Millionen, das wäre mehr als das Doppelte der Einwohnerzahl.

Auf den Damplatz, wo Königin Beatrix und ihr Nachfolger vom Balkon des königlichen Palais aus zum Volk sprechen werden, passen höchstens 20.000 Leute, der Rest wird sich durch die engen Gassen der Altstadt und entlang der Grachten schieben und über den "Freimarkt" bummeln, wie der offene Flohmarkt auf allen Straßen heißt. Um die Sache zu entzerren, hat die Stadt in die Trickkiste gegriffen. Im benachbarten Alkmaar wurde parallel zum großen Ereignis ein Tanzmusikfestival organisiert.

Dorthin will man die schlimmsten, also jugendliche Feierbiester locken. Außerhalb des Grachtengürtels finden Dutzende weitere Events statt, und wer will, der kann Willem-Alexanders Einhuldigung auch in einem Vorort auf Leinwand verfolgen. "Crowdmanagement" heißt das auf Holländisch.

Es wird der Tag von Jan Pronker, dem Operationschef der Amsterdamer Polizei. Der 58-jährige Kommissar hat 10.000 Einsatzkräfte unter sich und den Königinnentag 2009 im Hinterkopf, als Karst T. seinen Wagen in die feiernde Menge steuerte und sieben Menschen totfuhr. Die Anwesenheit solcher "potenziell gewalttätiger Individuen", wie sie im Polizeijargon heißen, ist eines von 22 Szenarien, auf die sich Pronker detailliert vorbereitet hat. Zu den anderen zählen: verdächtiges Paket, Luftangriff, plötzliches Unwohlsein eines Würdenträgers, Massenpanik, extremer Widerstand.

F-16-Kampfflugzeuge und unterirdische Bunker

Pronker war schon bei Beatrix' Inthronisierung im Jahr 1980 dabei, als die Polizei mit Tränengas auf protestierende Hausbesetzer schoss. "Damals haben wir uns provozieren lassen", sagt er, "diesmal setzen wir auf Dialog." Monarchiegegner - viele sind es ohnehin nicht - werden auf sechs Orte konzentriert, ansonsten mitsamt ihren Plakaten aus dem Weg geräumt. Möglichst dezent, versteht sich. Das Jahr 1980 sei zwar erst 33 Jahre her, sagt Pronker, aber die Polizei habe doch einiges dazugelernt seither. "Das ist ein Unterschied wie zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Hightech-Kriegsführung im Irak."

Hüterin der Kopftorten

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Bürgermeister Eberhard van der Laan wird diesen Spruch mit Stirnrunzeln gehört haben. Er verspricht ein friedliches, sicheres Fest, "das darf hier nicht wie im Krieg aussehen." Allerdings hat auch er nichts dagegen, dass einige F-16-Kampfflugzeuge über die Stadt jagen werden, deren Luftraum für sonstiges Fluggerät gesperrt bleibt.

Van der Laan wird wegen zeremonieller Verpflichtungen zwar selbst nicht anwesend sein in dem unterirdischen Bunker, in dem alle organisatorischen Fäden zusammenlaufen. Er steht aber bereit, falls irgend etwas schiefläuft oder gar Katastrophales passiert. Er will selbst die wichtigsten Entscheidungen treffen, um sie dann auch verantworten zu können.

Luftballons - abgeblasen

Es kann also losgehen. Amsterdam hat sich geschmückt: Kronen hängen an Seilen über den Straßen, Tausende Geschäfte quellen über mit Oranje-Nippes, einige Coffeeshops zeigen statt Wasserpfeifen den Text der Nationalhymne im Schaufenster, alte Fahrräder wurden aus dem Weg geräumt, damit die königliche Kutsche durch sie nicht aufgehalten wird.

Eigentlich wollte die Stadt am Dienstag auch 150.000 orangefarbene Luftballons gen Himmel schicken. Erst schimpften Tierfreunde, dass sich Vögel an Ballonresten verschlucken könnten. Als auch noch Denkmalschützer protestierten, gab van der Laan den Plan ganz schnell wieder auf. "Ich will keinen Streit, ich will ein Fest", sagte er.