Tattoo-Regeln im Job Kündigungsgrund: Körperschmuck

"Das sieht nach Knastgeschichten aus"

Schön oder störend? Eine junge Frau wurde für die Bundespolizei wegen eines Tattoos abgelehnt, viele Bürger reagieren auf dieses Urteil mit Unverständnis. Einigen allerdings gehen sichtbare Tätowierungen im Job zu weit. Eine Videoumfrage. mehr...

Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Darmstadt stellt sich die Frage: Darf neben der Polizei künftig auch jeder andere Arbeitgeber Bewerber ablehnen, bloß weil sie ein Tattoo tragen? Oder ist auffälliger Körperschmuck nur in bestimmten Berufen tabu?

Von Johanna Bruckner und Lisa Rüffer

"S'il te plaît ... apprivoise-moi!" steht da geschrieben, zu Deutsch: "Bitte ... zähme mich!" Der Satz ist ein Zitat aus "Der kleine Prinz". Eine Darmstädterin, Ende 20, hat ihn sich auf den rechten Unterarm stechen lassen, und zwar großflächig. Oder wie das Verwaltungsgericht Darmstadt meint: zu großflächig. Jedenfalls für eine Polizistin.

Deshalb wies der Richter am Dienstag den Einspruch der Frau ab, die wegen des Tattoos nicht zum Auswahlverfahren der Bundespolizeiakademie zugelassen worden war. Die Bewerberin hatte der Behörde vorgeworfen, ihre Persönlichkeitsrechte und das Recht auf Zugang zu jedem öffentlichen Amt verletzt zu haben. Das Verbot der Bundespolizei sei nachvollziehbar, sagte hingegen der Richter.

Die Entscheidung wirft Fragen auf: Welche Tattoos sind für welche Karrieren hinderlich? Und was darf der Chef seinen Angestellten verbieten?

Jeder Fünfte trägt Tattoo

Wie viele Deutsche sich mittlerweile mit diesen Fragen beschäftigen müssen, zeigt eine Ende Mai veröffentlichte Umfrage: Unter den 25- bis 34-jährigen Befragten waren 22 Prozent tätowiert. Generell ist die Tendenz steigend. Die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, erhoben im Auftrag von Dermatologen der Uni Bochum und verschiedenen Tattoo- und Piercing-Verbänden, belegt auch, dass die Tätowierten keinen bestimmten Einkommensschichten oder Subkulturen zuzuordnen sind. Kurz: Das Tattoo ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Entscheidend scheint nun die Frage: Wo genau dort?

"Es gibt mehr Leute ,als man denkt, die unter ihrem Anzug noch einen zweiten Anzug tragen", sagt Thomas März vom Tattoo-Studio "Tempel München". Aber März warnt auch: "Alles, was darüber sichtbar ist, muss schon gut überlegt sein."

In der Arbeitswelt hätten Chefs tatsächlich das Recht, beim Erscheinungsbild ihrer Mitarbeiter mitzusprechen, sagt Christian Götz, Arbeitsrechtsexperte von der Gewerkschaft Verdi. "Der Arbeitgeber ist Herr des Arbeitsbereichs, er kann bestimmen, welches Unternehmensbild er in der Öffentlichkeit vermitteln will." Besonders strenge Regeln würden eben für die Angestellten des öffentlichen Dienstes und für Beamte gelten. Sie stünden in einem besonderen Vertrauensverhältnis zu ihrem Arbeitgeber und genössen auch in der Gesellschaft einen Vertrauensvorschuss.