Störtebeker-Prozess in Hamburg Milde Strafe für Schädel-Dieb

Im Januar 2010 war der angebliche Schädel des Piraten Klaus Störtebeker aus dem Museum für Hamburgische Geschichte geklaut worden.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Nachdem der angebliche Totenkopf des Piraten Klaus Störtebeker im Januar 2010 gestohlen wurde, ist Hamburg in Aufregung. Der mutmaßliche Dieb landet auf dem Weg in den Gerichtssaal zunächst im Straßengraben. Dort hat er dann mehr Glück.

Der Dieb des Störtebeker-Schädels muss nicht ins Gefängnis. Das Amtsgericht Hamburg verurteilte den 38 Jahre alten Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Ein 50-Jähriger, der sich ebenfalls wegen Diebstahls verantworten musste, wurde freigesprochen. Ein dritter wegen Hehlerei beschuldigter Mann wurde wegen Begünstigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.

Das für 11 Uhr angesetzte Urteil hatte sich verzögert, weil der Haupttäter erst mit mehrstündiger Verspätung vor Gericht erschienen war. Er war bei einem Verkehrsunfall mit seinem Auto im Straßengraben gelandet. Der 38-Jährige stecke in einer Schneewehe bei Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg fest und wolle sich mit seiner zur Hilfe geeilten Freundin auf den Weg ins Amtsgericht Hamburg machen, erklärte ein Sprecher am Vormittag.

Den beiden wegen Diebstahls Angeklagten war vorgeworfen worden, im Januar 2010 den im Museum für Hamburgische Geschichte aufgestellten angeblichen Schädel des legendären Piraten Klaus Störtebeker gestohlen zu haben. Im Verfahren hatte der 38-jährige Beschuldigte die Tat bestritten. Er habe den Totenkopf von jemandem "zur Verwahrung" bekommen, erklärte er. Von wem, wollte er aber nicht verraten.

"Das Ding nutzen, um aus meiner depressiven Phase zu kommen"

Der angebliche Dieb habe sich seitdem nicht mehr bei ihm gemeldet. Er habe die Situation zwar ungewöhnlich gefunden, sei aber wegen seiner schweren psychischen Probleme vor allem mit sich selbst beschäftigt gewesen, sagte der Angeklagte. Er habe den Schädel auf einen Schrank gepackt - und gehofft, "das Ding nutzen zu können, um aus meiner depressiven Phase zu kommen".

Die frühere Lebensgefährtin des 38-Jährigen hatte der Polizei zunächst gesagt, ihr Freund habe ihr erzählt, dass er mit einem Kumpel in dem Museum gewesen sei. "Er war total stolz und fühlte sich als großer Dieb." Am Mittwoch erklärte sie hingegen vor Gericht: "Er hat nicht wirklich gesagt: 'Ich war's, ich hab's getan.'"

Die Herkunft des angeblichen Störtebeker-Schädels will das Gericht nicht weiter untersuchen. Zur Begründung hieß es, Rechtsmediziner in Hamburg und im kanadischen Toronto hätten den Schädel bereits aufwendig analysiert. Die Wissenschaftler hätten aber dennoch "keinen rechtsmedizinisch sicheren Beweis" führen können.