Berlin Schlange stehen für U-Bahn-Sneakers

(Foto: dpa)

Die Berliner Verkehrsgesellschaft verkauft Schuhe mit eingenähter Jahreskarte. Bleibt die Frage: Warum warten deshalb Hunderte Leute tagelang in der Kälte vor zwei Läden?

Von Verena Mayer

Die Berliner Verkehrgesellschaft (BVG) ist bekannt für ihr Marketing. Das Video etwa, in dem ein Fahrkartenkontrolleur auf Leute trifft, die Zwiebeln schneiden, in Lack und Leder gekleidet aufeinandersitzen oder an einer Haltestange Go-go tanzen. Und alles, was ihm einfällt, ist: "Is mir egal."

Was die einen als gelungenes Abbild des Berliner Lebensgefühls feiern, nervt die anderen. Vor allem diejenigen, die sich täglich in eine verspätete U-Bahn quetschen müssen, in der Bierflaschen herumkollern, sich die Leute anschreien oder Spontanpartys feiern, und der U-Bahn-Fahrer brüllt an jeder Station: "Mit dem Fahrrad nicht in den ersten Wagen!"

Die Sneakers für 180 Euro, die das BVG-Marketing am Dienstag herausbrachte, liegen irgendwo dazwischen. Die Dinger lassen sich durch eine in die Lasche eingenähte Jahreskarte als Fahrschein verwenden, sind aber ähnlich gewöhnungsbedürftig wie eine Fahrt in der Berliner U-Bahn.

Bleibt die Frage, warum Hunderte Leute tagelang in der Kälte vor zwei Läden anstanden, um ein Paar zu ergattern. Andererseits: Solange man zu Fuß in Turnschuhen unterwegs ist, muss man wenigstens nicht BVG fahren.