Saudi-Arabien Ein Tag, der das Leben in Saudi-Arabien verändern dürfte

Das weltweit einzigartige Frauen-Fahrverbot in Saudi-Arabien ist seit diesem Sonntag Geschichte. Zwei Frauen und zwei Männer erzählen, was das für sie bedeutet.

Von Paul-Anton Krüger und Dunja Ramadan

Das weltweit einzigartige Frauen-Fahrverbot in Saudi-Arabien galt lange als Symbol schlechthin für die Rückständigkeit und Frauenfeindlichkeit des Königreichs. Dabei gibt es kein Gesetz, kein religiöses Gebot, das ihnen verbietet, Fahrzeuge zu steuern - der Staat stellte Frauen einfach keinen Führerschein aus.

Versuchten sie, das mit einer im Ausland erworbenen Fahrerlaubnis zu umgehen, wurden sie inhaftiert, zum Beispiel die Aktivistin Loujain al-Hathloul, die im November 2014 aus den Emiraten kommend nach Saudi-Arabien gefahren war und sich selbst filmte. Proteste von Frauen gegen das Verbot hatte es bereits seit den Neunzigern gegeben.

Kronprinz Mohammed bin Salman, der seinem Land wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen verordnet hat, sagte noch im April 2016, Saudi-Arabien sei nicht bereit für Fahrerinnen. Er gilt aber als entscheidende Figur hinter dem königlichen Dekret vom September 2017, das die weltweit kritisierte Praxis beendete. Seit einigen Tagen stellen die Behörden Führerscheine an Frauen aus, von diesem Sonntag an dürfen sie damit fahren. Der Kronprinz will Frauen stärker in die Arbeitswelt integrieren. Bisher waren sie von einem Chauffeur oder Mitfahrdiensten abhängig.

Freiheit aber gewährt der Prinz nicht: Seit Mitte Mai nahm der Sicherheitsapparat mindestens neun Frauen in Haft, die für eine Ende des Fahrverbots gekämpft hatten und fordern, das System der männlichen Vormundschaft zu beenden. Staatsnahe Medien bezichtigten die Aktivistinnen des Verrats. Sie werden den Tag ihres Triumphes wohl hinter Gittern verbringen. Dennoch ist der Sonntag ein Tag, der das Leben der Menschen im Land verändern dürfte. Die SZ hat zwei Frauen und zwei Männer in Saudi-Arabien befragt.