Prozess um Gruppenvergewaltigung in Indien Zwei Angeklagte bieten sich als Kronzeugen an

Die mutmaßlichen Vergewaltiger der 23-jährigen indischen Studentin sind zu einer Anhörung vor Gericht erschienen. Zwei der fünf Angeklagten wollen angeblich als Kronzeugen aussagen. Ein mächtiger religiöser Führer gibt unterdessen dem Opfer die Schuld an der Tat.

Die mutmaßlichen Vergewaltiger der indischen Studentin sind zu einer Anhörung vor Gericht erschienen: Zwei der Angeklagten haben einen Antrag gestellt, um gegen die anderen mutmaßlichen Täter auszusagen. Der 20-jährige Fitnesstrainer Vinay S. und der 19-jährige Obstverkäufer Pawan G. wollen sich demnach als eine Art Kronzeugen zur Verfügung stellen, wodurch sie sich Strafmilderung erhoffen.

Richterin Namrita Aggarwal hatte zu Beginn der Verhandlung in Delhi angeordnet, die Verhandlung hinter geschlossenen Türen zu führen. Zuvor hatte sie unter lautstarken Protesten von Journalisten und Anwälten den übervollen Verhandlungssaal räumen lassen - die Richterin sah die Sicherheit der Beschuldigten gefährdet.

Die fünf Männer müssen sich unter anderem wegen Mordes und Vergewaltigung verantworten, im Falle einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Es wird erwartet, dass die Richterin den Fall im Anschluss an die Anhörung an ein eigens eingerichtetes Schnellgericht übergibt.

Die Angeklagten sind weiter ohne Rechtsbeistand, da sich die Anwälte aus dem zuständigen Bezirk Delhis weigern, die Männer zu vertreten. Ein Anwalt, der sich vor der Anhörung bereit erklärte, die mutmaßlichen Vergewaltiger zu verteidigen, wurde von seinen zahlreichen Kollegen vor Ort ausgebuht. Die Regierung muss nun Plichtverteidiger benennen.

Kronzeugen hoffen auf Strafmilderung

Laut Staatsanwaltschaft sollen DNA-Spuren die Schuld der Verdächtigen belegen. Zudem seien Gegenstände der jungen Frau und ihres Freundes bei den Männern gefunden worden.

Zwei der Angeklagten haben zudem einen Antrag gestellt, um gegen die anderen mutmaßlichen Täter auszusagen. Der 20-jährige Fitnesstrainer Vinay S. und der 19-jährige Obstverkäufer Pawan G. wollen sich demnach als eine Art Kronzeugen zur Verfügung stellen, wodurch sie sich Strafmilderung erhoffen. Im Fall des sechsten Beschuldigten müssen Tests wie Knochenvermessungen noch zeigen, ob er minderjährig oder schon 18 Jahre alt ist, er soll besonders brutal vorgegangen sein.

Den fünf Verdächtigen wird vorgeworfen, die Frau in einem Bus in Neu-Delhi äußerst brutal vergewaltigt und mit einer Eisenstange misshandelt zu haben. Nach der Tat wurde sie aus dem Bus geworfen. Die junge Frau erlag am 28. Dezember ihren schweren Verletzungen in einem Krankenhaus in Singapur.

Indischer "Godmen" gibt Opfer Teilschuld

Asaram Bapu, einer der reichsten und mächtigsten geistlichen Führer, die auch "Godmen" genannt werden, hat mit einem Statement zu der Gruppenvergewaltigung für große Empörung gesorgt. Der 71-jährige Guru, der etwa 20 Millionen Anhänger hat, sagte, die junge Frau sei ebenso schuld an der Tat wie die mutmaßlichen Vergewaltiger, berichtet die Hindustan Times. Sie hätte ihre Angreifer als "Brüder anflehen sollen aufzuhören" - dann hätten sie sie vermutlich in Ruhe gelassen. "Das hätte ihr Leben und ihre Würde bewahren können", so Bapu weiter.

Außerdem warnt der Guru vor einer überzogenen Bestrafung der Täter - viele Demonstranten und die Familie der getöteten jungen Frau fordern die Hinrichtung für die Vergewaltiger. Er hingegen sehe eine Gefahr des Gesetzesmissbrauchs, sagte Bapu vor laufender Kamera.