Prozess in Freiburg "Da ist mir durch den Kopf gegangen: Komm, mach mal Sex mit ihr"

  • Im Mordprozess gegen Hussein K. wird vor dem Landgericht Freiburg die Aussage des Angeklagten fortgesetzt.
  • Zu Beginn des zweiten Prozesstages gesteht er die Sexualtat und entschuldigt sich bei der Familie des Opfers.
  • Ihm wird vorgeworfen, im vergangenen Oktober die Studentin Maria L. vergewaltigt und anschließend ermordet zu haben.
Von Josef Kelnberger, Freiburg

Er bete jeden Tag für die tote Maria und ihre Eltern, sagte Hussein K. Er würde die junge Frau wiederauferstehen lassen, wenn es denn in seiner Macht stünde, und ja: Er würde gern sein eigenes Leben für ihr Leben geben. So reuevoll, so pathetisch gab sich der Angeklagte am Montag im Prozess um den Tod der Medizinstudentin Maria L. Eine Entschuldigung und ein Geständnis, immerhin.

Warum er die Studentin vom Rad stieß, würgte, vergewaltigte und sterbend in der Dreisam zurückließ, konnte er nicht überzeugend darlegen. Je länger er über diese Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 2016 Auskunft gab, desto gruseliger wirkte seine Schilderung, gipfelnd in der Behauptung, er habe den Entschluss zur Vergewaltigung erst gefasst, als er sein Opfer bereits für tot hielt. "Es hat mir nichts ausgemacht, mit einer Toten Sex zu haben", sagte er.

Afghanischer Flüchtling vergewaltigt und tötet deutsche Studentin: Der Fall hat politische Brisanz sondergleichen, zumal sich Hussein K., ohne aufzufliegen, fälschlicherweise als Minderjähriger ausgegeben hatte und die deutschen Behörden auch nicht wussten, dass der Afghane zuvor in Griechenland zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war, wegen eines Angriffs auf eine junge Frau. Hussein K. selbst gibt sein Alter mit mittlerweile 19 Jahren an, Spekulationen zufolge ist er bereits 22. Der Prozess wird vor der Jugendkammer des Landgerichts Freiburg geführt, Hussein K. wird juristisch als "Heranwachsender" behandelt. Jenseits der politischen Schlagzeilen muss das Gericht versuchen, die Abgründe des jungen Mannes zu verstehen. Seine eigene Einschätzung ist in den ersten beiden Verhandlungstagen bereits deutlich geworden: Er hält sich selbst für ein Opfer.

Zu Prozessbeginn hatte Hussein K. seine schwere Kindheit geschildert, den frühen Verlust des Vaters, Armut, Perspektivlosigkeit, psychische Probleme. Am Montag verlas er eine Erklärung zur Tat - von ihm selbst verfasst, ohne anwaltliche Beratung, wie sein Verteidiger Sebastian Glathe betonte. Der Angeklagte entschuldigte sich bei der Familie des Opfers, sprach aber dann sehr schnell von der eigenen Befindlichkeit. Er fühle sich wie eine lebende Leiche, sagte er. "Diese Qual zerstört mein Leben nach und nach."

Die Geschichte dieses Wochenendes wirkte in seiner Schilderung wie eine Verkettung unglücklicher Umstände. Schon in den Wochen davor habe er sich das Leben nehmen wollen, mit Schlaftabletten, behauptete er. Ein Freund hat ihn dann an jenem Samstag angeblich überredet, Alkohol zu trinken, obwohl er das als Schiit doch gar nicht durfte im islamischen Monat Muharram. So hätten sie also zu viert zwei Flaschen Wodka getrunken, dazu jede Menge Bier, und außerdem ziemlich viel gekifft. Als er dann in eine Bar ging, hätten sich seine Kumpels aus dem Staub gemacht, ein Türsteher verweigerte ihm später angeblich den Zutritt zu einer Disco. So machte er sich nach Mitternacht angeblich auf den Heimweg - und gelangte dann doch auf den Radweg, der hinter dem Fußballstadion des SC Freiburg an der Dreisam entlangführt. Warum auch immer. Er sei "sehr besoffen und sehr high" gewesen, sagt Hussein K.

Was ist er für ein Mensch, dieser Hussein K.?

Der Tathergang nach Darstellung des Angeklagten: Er liegt auf dem Radweg, weil er sich übergeben will, erkennt eine sich nähernde Person auf einem Fahrrad, bringt diese ohne Grund mit einem Fußtritt zu Fall. Erst da erkennt er, dass es sich um eine junge Frau handelt. Er gerät in Panik, will die schreiende Frau zum Schweigen bringen, würgt sie zunächst mit bloßen Händen, danach mit seinem Schal. Als er sie für tot hält, erkennt er: ein hübsches Mädchen. "Da ist mir durch den Kopf gegangen: Komm, mach mal Sex mit ihr." Es sind quälende Momente im Gerichtssaal, als Hussein K. erzählt, wie er die junge Frau auszog, mit der Hand missbrauchte, weil er keine Erektion bekam, und sie in den Fluss schleppte, angeblich, um sein eigenes Blut von ihr abzuwischen.

Laut Gerichtsmedizin ist Maria L. ertrunken, weil Hussein K. sie mit dem Kopf nach unten in der Dreisam zurückgelassen hatte. Die Anklage lautet: Mord. Der Körper der Frau wies Spuren starker Gewalteinwirkung auf. Oberstaatsanwalt Eckart Berger versuchte in seiner Befragung den Eindruck zu widerlegen, Hussein K. habe aus purem Zufall eine Frau angegriffen. Es sei unglaubwürdig, dass Hussein K. auf dem beleuchteten Radweg nicht erkannte, ob ein Mann oder eine Frau auf dem Rad saß.

In einer Bar und in der Straßenbahn habe er zuvor schon zwei Frauen belästigt, eine weitere Frau habe er minutenlang angestarrt. Das würden Zeugenaussagen und Video-Aufnahmen aus der Tatnacht belegen. Offenbar haben zudem Bekannte von Hussein K. ausgesagt, er sei an jenem Abend sehr aggressiv gewesen. Einer berichtete angeblich, Hussein K. habe sich hinterher mit der Tat gebrüstet. Alles falsch, alles Lügen, sagte der Angeklagte.

Was ist er für ein Mensch, dieser Hussein K.? Die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk versuchte, das Innerste des Angeklagten zu ergründen. Welche Vorstellung von Sex er habe? Was für ihn eine Vergewaltigung sei? Darauf könne er keine Antwort geben, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Er wirkte angesichts der Fragen zunehmend gereizt und klagte, man habe ihm, anders als am ersten Verhandlungstag, die Einnahme eines Beruhigungsmittels verweigert. 16 Verhandlungstage sind bislang angesetzt, das Urteil soll im Dezember gesprochen werden.

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