Privatsekretär im Vatikan Gänswein enthüllt Details zu Papst Benedikts Rücktritt

Enger Vertrauter: Bei der wöchentlichen Audienz des Papstes assistierte Privatsekretär Georg Gänswein Papst Benedikt XVI. (Archivbild vom März 2010)

"Nein, Heiliger Vater, das dürfen Sie nicht!" Als Papst Benedikt XVI. zurücktreten wollte, war Georg Gänswein zunächst entsetzt. Mit dem "SZ-Magazin" spricht der langjährige Privatsekretär erstmals darüber, wie es zum Rückzug des Heiligen Vaters kam.

Zum ersten Mal hat der Privatsekretär des zurückgetretenen Papstes Benedikt, Georg Gänswein, die Gründe für den Rückzug des Heiligen Vaters im Februar 2013 enthüllt.

Demnach fasste Papst Benedikt XVI. seinen Entschluss bereits nach einer strapaziösen Reise im März 2012, die ihn nach Mexiko und Kuba führte. Nach dieser Reise, so bestätigte Gänswein, habe Benedikts Leibarzt diesem erklärt, einen erneuten Flug über den Atlantik werde er nicht überstehen. Somit sei dem Heiligen Vater klar geworden, dass er zurücktreten musste.

Ursprünglich habe er seinen Entschluss nicht erst im Februar 2013, sondern bereits im Dezember 2012 bekanntgeben wollen. Als der Heilige Vater Gänswein seine Rückzugsentscheidung mitteilte, habe er, Gänswein, ihm spontan geantwortet: "Nein, Heiliger Vater, das dürfen Sie nicht!" Doch sei ihm sofort klar geworden: "Er teilt nicht etwas mit, um eine Entscheidung zu finden, sondern er teilt eine getroffene Entscheidung mit."

Noch im Dezember 2012 hat Papst Benedikt XVI. seinen langährigen Privatsekretär zum Präfekten des Päpstlichen Hauses ernannt und ihn gleichzeitig zum Erzbischof erhoben. Gänswein, der aus Waldshut in Baden-Württemberg stammt, ist auch nach dessen Rücktritt weiterhin für Benedikt tätig. Gerüchte, er könnte bald als Bischof nach Deutschland zurückkehren, dementierte er.

Gänswein - dem ein messerscharfer Verstand nachgesagt wird - stammt aus dem Südschwarzwald, er kam 1956 als ältestes Kind eines Schmieds zur Welt. Mit 18 Jahren entschloss er sich, Priester zu werden. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Freiburg sowie an der Päpstlichen Universität Gregoriana und verschiedenen Stationen in den Bistümern München und Freising und Freiburg wurde er 2003 persönlicher Assistent von Kardinal Ratzinger. Als dieser 2005 zum Papst gewählt wurde, nahm er Gänswein mit nach Rom, als seinen neuen Privatsekretär.

Heute ist Gänswein Sekretär von gleich zwei Päpsten, Franziskus und Benedikt. Er führt den Terminkalender und filtert aus der Lawine der Briefe, Anrufe, und Audienzwünsche jene heraus, die beantwortet und gewährt werden. Immer führt der Weg zum Papst an ihm vorbei.

Das vollständige Interview mit Georg Gänswein lesen Sie im SZ-Magazin, das der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung beiliegt und über die App "SZ Digital" abrufbar ist.