"Pille danach" bei Vergewaltigung Kirche akzeptiert Grauzonen des Lebens

In der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Trier wurde die Verschreibung der "Pille danach" im Falle einer Vergewaltigung erlaubt.

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Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer für die katholische Kirche: Die deutschen Bischöfe haben entschieden, die "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer zu erlauben. Damit räumt die Kirche erstmals ein, dass eine Befruchtung der Eizelle nicht immer dem Leben dient. So sollte die Debatte weitergehen.

Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Als Neil Armstrong den Mond betrat, sagte er, dies sei ein kleiner Schritt für ihn, ein großer aber für die Menschheit. Wenn nun die Bischöfe in Deutschland die Entscheidung in die Hand der Ärzte legen, ob nach einer Vergewaltigung die "Pille danach" der neuesten Generation ethisch vertretbar ist oder nicht, dann ist das ein kleiner Schritt für die Menschheit. Es könnte aber ein großer für die katholische Kirche werden.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit: Man muss schon sehr im Rigoristischen zu Hause sein, um den Wunsch einer Frau für ethisch ungerechtfertigt zu halten, nach einer Vergewaltigung nicht schwanger werden zu wollen - egal, ob die Eizelle befruchtet ist oder nicht. Juristisch ist die Sache ohnehin klar: Solange die Eizelle nicht in der Gebärmutter nistet, handelt es sich nicht um eine Abtreibung. Dass unter den Bischöfen überhaupt diskutiert wird, inwieweit eine "Pille danach" garantiert nur verhütet, wirkt da wie von einem fremden Stern dahergekommen.

Und doch könnte aus dieser Entscheidung ein großer Schritt für die katholische Kirche werden - wenn sie sich dem Grundsätzlichen stellt: Sie hat hier akzeptiert, dass es Grauzonen gibt, dass es eben nicht immer dem Leben dient, wenn Ei- und Samenzelle verschmelzen können. Wie ist das bei einer Vergewaltigung in der Ehe? Bei der möglichen Schwangerschaft einer verzweifelten 17-Jährigen? Die Debatte sollte weitergehen.