Pferdefleisch-Skandal Lidl-Lieferant beschuldigt deutsche Firma

Im Pferdefleisch-Skandal führt eine Spur nach Deutschland: Die Rindfleisch-Tortellini von Hilcona nahm Lidl bereits aus den Regalen, weil sie Pferdefleisch enthielten. Eine Firma aus dem Müsterland soll dem Discounter das falsch etikettierte Fleisch geliefert haben.

Bislang war immer von Lieferungen nach Deutschland die Rede, wenn es um die Herkunft falsch etikettierten Pferde-Hackfleischs ging. Nun erhebt der Liechtensteiner Partner der Discount-Kette Lidl, Hilcona, schwere Vorwürfe gegen ein Unternehmen aus dem Münsterland: Die Rohware für das Produkt "Combino Tortelloni Rindfleisch" sei vom Fleisch-Lieferanten Vossko gekommen - und enthalte undeklariertes Pferdefleisch.

Das Nudelgericht war am Freitag vom Discounter Lidl aus den Regalen genommen worden. Ein Sprecher der Firma Vossko aus Ostbevern in Nordrhein-Westfalen bestätigte, dass Hilcona die Zusammenarbeit aufgekündigt habe. "Wir lassen gerade durch zwei Labore Proben unserer vier Lieferanten von Rindfleisch aus dem vergangenen neun Monaten untersuchen. Frühestens Dienstagabend werden wir erste Ergebnisse haben", sagte ein Vossko-Sprecher. Bei den Lieferanten handele es sich um drei deutsche Partner und einen aus dem europäischen Ausland.

Inzwischen hat auch Aldi Nord Pferdefleisch in seinen Produkten nachgewiesen. In "Tiefkühl Penne Bolognese 750 g" und "Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind" seien Anteile nachgewiesen worden, teilte Aldi Nord mit. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei allerdings nur in den Aldi-Nord-Regionalgesellschaften Meitzendorf (Raum Magdeburg), Mittenwalde (Raum Süd-Ost-Berlin, Süd-Ost-Brandenburg) und Hoyerswerda (Raum Süd-Ost-Brandenburg, Nord- und Ost-Sachsen) vertrieben worden.

Die "Tiefkühl Penne Bolognese" eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden. Aktuell bestünden keine Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko. Die Lieferanten hätten gebeten, die Artikel vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen. Während Pferdefleisch an sich sogar ein vergleichsweise gesundes Fleisch ist, warnen Experten vor möglichen Arzneimittelrückständen im Fleisch der geschlachteten Tiere. So wurde in britischen Exporten vergangene Woche das Schmerzmittel Phenylbutazon nachgewiesen.

Wie gefährlich ist Phenylbutazon?
  • Für in der EU geschlachtete und in die EU importierte Tiere gelten strenge Richtlinien über Arzneimittelrückstände im Fleisch.
  • Für das Mittel Phenylbutazon gibt es keinen Höchstwert, da das Medikament nie darauf untersucht wurde, wie gefährlich die Rückstände für den Menschen sind.
  • Es ist daher bei lebensmittelliefernden Tieren komplett verboten.
  • Das Schmerzmittel gehört derselben chemischen Familie an wie Aspirin oder Diclofenac und wird Pferden vor allem bei Entzündungen verabreicht. Es ist hochwirksam, da es sich an den betroffenen Körperstellen, z.B. Gelenken, stark anreichert.
  • Menschen erhalten nur in seltenen Fällen Phenylbutazon, da es besser verträgliche Schmerzmittel gibt.
  • Ob ein Pferd ein lebensmittellieferndes Tier ist, steht in seinem Equidenpass. Darin kann ein Besitzer auch eintragen, wenn ein Pferd nie geschlachtet werden darf. Dann kann das Tier medikamentös wie Hund und Katze behandelt werden, darf aber nie in die Nahrungskette gelangen.