Nancy Kerrigan: Familiendrama Tragische Eisprinzessin

1994 wurde sie vom Exmann einer Rivalin mit einer Eisenstange attackiert. Sieben Wochen später gewann sie olympisches Silber. Nun überschattet eine weitere Gewalttat das Leben von Nancy Kerrigan.

Glitzernde Scheinwelt und grausame Realität prallten in ihrem Leben bereits einmal aufeinander: 1994 wurde die ehemalige Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange angegriffen und schwer verletzt. Bis heute steht eine ihrer damals härtesten Konkurrentinnen auf dem Eis im Verdacht, in den brutalen Überfall verwickelt gewesen zu sein. Ihre Teilnahme bei den US-amerikanischen Eiskunstlaufmeisterschaften, die gleichsam über die Nominierung für das Olympiateam entscheiden sollten, musste Kerrigan damals verletzungsbedingt absagen.

Nancy Kerrigan, 2000, Reuters

Auf dem Eis stets die strahlende Prinzessin - abseits der Eislaufbühne überschatten gewaltsame Zwischenfälle das Leben der ehemaligen Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan (Archivbild aus dem Jahr 2000).

(Foto: Foto: Reuters)

Nun hat die amerikanische Eisprinzessin, die vor allem Anfang der neunziger Jahre Erfolge auf den Kufen feiern konnte, unter tragischen Umständen ihren Vater verloren: Daniel Kerrigan wurde offenbar im Streit von seinem eigenen Sohn getötet.

Drama im Elternhaus

Wie amerikanische Medien in Berufung auf die zuständige Staatsanwaltschaft in Middlesex County in Massachusetts berichteten, eskalierte eine Auseinandersetzung zwischen Kerrigans Vater und Bruder am späten Sonntagabend derart, dass ihre Mutter sich nicht mehr zu helfen wusste und die Polizei alarmierte.

Zuvor müssen sich dramatische Szenen im Haus der Familie in Stoneham nördlich von Boston abgespielt haben: Brenda Kerrigan gab später zu Protokoll, ihr Ehemann und Sohn Mark hätten sich heftig gestritten und gegenseitig geschubst - woraufhin der 70-Jährige schließlich auf dem Küchenboden zusammengebrochen sei.

Daniel Kerrigan, der beim Eintreffen der Beamten bereits bewusstlos war, verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. Seine Frau Brenda, die nach US-Medienberichten vollständig blind ist, berichtete der Polizei, ihr Mann hätte im Laufe des Zwischenfalls einen Herzinfarkt erlitten.

Den eigenen Vater gewürgt

Den Bruder der früheren amerikanischen Eisprinzessin traf die Polizei im Keller des Elternhauses an: Der 45-Jährige sei alkoholisiert und aggressiv gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Erst nachdem Pfefferspray zum Einsatz gekommen sei, habe er sich festnehmen lassen.

Direkt nach seiner Verhaftung gab Mark Kerrigan gegenüber den Behörden zu, seinen Vater gewürgt zu haben, woraufhin dieser zu Boden gegangen sei. Den vermeintlichen Herzanfall habe er für eine Show seines Vaters gehalten. Die genaue Todesursache des 70-Jährigen soll nun eine Autopsie klären.

Nach Angaben seiner Anwältin leidet Mark Kerrigan seit seiner Zeit bei der US-Armee unter einem posttraumatischen Stresssyndrom: Er nehme deswegen Medikamente und sei in psychologischer Behandlung, teilte Denise Moore mit. Kerrigan ist bereits wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung vorbestraft und wohnte seit der Verbüßung einer Haftstrafe wieder bei seinen Eltern.

Nancy Kerrigan besuchte ihre Familie am Montagnachmittag, wollte sich vor Journalisten aber nicht äußern.

Traurige Berühmtheit

Die mittlerweile 39-Jährige belegte bei den Eiskunstlaufweltmeisterschaften 1991 den dritten und ein Jahr später den zweiten Rang. Bei den Olympischen Spielen im gleichen Jahr in Albertville gewann sie Bronze.

Ins Licht der Weltöffentlichkeit und zu tragischer Berühmtheit gelangte Nancy Kerrigan 1994: Der Exmann ihrer härtesten Konkurrentin um den Sieg bei den nationalen Eiskunstlaufmeisterschaften überfiel Kerrigan während einer Trainingsstunde. Kerrigan wurde bei der Attacke mit einer Eisenstange schwer am Knie verletzt und musste ihre Teilnahme an dem Ausscheidungswettkampf für das US-Olympiateam absagen. Ihre Rivalin Tonya Harding gewann die Veranstaltung.

Wenig später kam heraus, dass Harding geholfen hatte, die Tat zu vertuschen. Indem sie diesen Vorwurf vor Gericht einräumte, entging sie einer weiteren Untersuchung ihrer Verwicklung in den Vorfall.

Versuche des amerikanischen Eislaufverbandes, Harding von den Olympischen Spielen auszuschließen, scheiterten. Kerrigan wurde jedoch für das US-Olympiateam nachnominiert - und gewann Silber.