Nach Finanzskandal Bistum Limburg legt 900-Millionen-Euro-Vermögen offen

Finanzdezernent Wolfgang Rösch (Mitte) vor der Bilanz-Pressekonferenz in Limburg.

(Foto: dpa)

Wegen seines 30 Millionen Euro teuren Dienstsitzes musste Franz-Peter Tebartz-van Elst zurücktreten. Nun hat sein früheres Bistum erstmals alle Vermögenswerte offenbart. Die Bilanzsumme beträgt ein Vielfaches der Baukosten.

Weil der Limburger Bischofssitz mit mehr als 30 Millionen Euro sechs Mal so teuer wurde, wie ursprünglich geschätzt, und weil die Finanzplanung für dieses Projekt von Undurchsichtigkeiten geprägt war, musste Franz-Peter Tebartz-van Elst sein Bischofsamt abgeben. Die Summe, die im vergangenen Jahr den Skandal auslöste, erscheint aber gering im Vergleich zu den Vermögenswerten, die das Bistum nun offenlegte.

Bilanzsumme 909 Millionen Euro

Im Bemühen, "größere Transparenz in Finanz- und Vermögensangelegenheiten zu schaffen", hat das Bistum Limburg erstmals seine Finanzen offengelegt. Die Bilanzsumme des Bistums beträgt etwa 909 Millionen Euro, wie die Diözese mitteilte. Darin enthalten seien Sondervermögen wie das der Baustiftung, sagte Finanzdezernent Gordon Sobbeck. Der größte Teil, etwa 811 Millionen Euro, seien im Anlagevermögen gebunden - in Immobilien mit einem Buchwert von 80 Millionen und Wertpapiere für etwa 703 Millionen.

Kirchensteuer für die Seelsorge

2013 gab das Bistum Limburg 191 Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln aus. Diese verteilten sich wie folgt:

  • 60 Prozent der Summe entfielen auf die Seelsorge in den Pfarreien.
  • In zentrale Stellen und Verwaltung flossen etwa 22 Millionen Euro
  • 14 beziehungsweise 15 Millionen Euro wurden für soziale Aufgaben respektive Schule und Bildung ausgegeben.
  • Die übrigen Posten verteilen sich auf Jugendarbeit, besondere Seelsorge-Aufgaben, Musik und Kultur und den Einzug der Kirchensteuer.

Bistum will Aufarbeitung vorantreiben

"Für uns ist Transparenz eine wesentliche Grundlage für Vertrauen", sagte Wolfgang Rösch. Der Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators - eine Art geschäftsführender Bischof - und frühere Generalvikar betonte, das Bistum befinde sich nach all den Geschehnissen nun auf einem intensiven Weg der Aufarbeitung. Wichtige Entscheidungen seien bereits gefällt worden und der Weg zu neuen Ufern werde konsequent weitergegangen.

Skandal um Tebartz-van Elst führte zu Kirchenaustritten

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, wie die Deutsche Bischofskonferenz etwa gleichzeitig zur Bilanz-Pressekonferenz in Limburg bekanntgab. 178 805 Mitglieder traten aus, 2012 waren es etwa 118 000. "Die aktuellen Zahlen sind schmerzlich und alle in der Kirche müssen das ernst nehmen für ihr Handeln", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Das zweite Halbjahr 2013 - in das die Affäre um den Limburger Bischofssitz fiel - habe offensichtlich zu einem Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust geführt.

"Bischof Bling-Bling" zieht nach Regensburg

Im Herbst hatte Papst Franziskus Tebartz-van Elst von seinem Bischofsamt beurlaubt, im März trat er endgültig zurück. Ein Prüfbericht der Deutschen Bischofskonferenz hatte dem Bischof die Hauptverantwortung für die Kostenexplosion angelastet. Der auch wegen seines autoritären Führungsstils unstrittene Geistliche zieht derzeit nach Regensburg um.