Im Vorstand der Odenwaldschule herrscht Meinungsverschiedenheit über den Ausweg aus der Krise. Nach Auskunft eines Gremiummitglieds wird der Vorstand vorerst nicht geschlossen zurücktreten.
Die Missbrauchsvorwürfe gegen vorwiegend katholische Schulen und Heime werden zu einem Flächenbrand: Am Mittwoch gerieten ein katholisches Internat im südhessischen Bensheim, ein Kinderheim der Caritas im hessischen Hofheim und ein Kinderheim in Sachsen unter Verdacht.
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Die Odenwaldschule in den siebziger Jahren - die Vorfälle von Missbrauch haben sich in dieser Zeit ereignet. (© Foto: ddp)
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An der von massiven Missbrauchsfällen erschütterten Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim gibt es jetzt Meinungsverschiedenheiten über den Weg aus der Krise. Allerdings will der Vorstand nicht, wie bisher angenommen, geschlossen zurücktreten, berichtet die Frankfurter Rundschau. Demnach bezeichnete Friedrich Springorum die Ankündigung als "Falschmeldung" - zumindest bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des Odenwaldschulträgervereins am 27. März werde der Vorstand im Amt bleiben.
Möglicherweise neue Besetzung
Dann werde das Gremium "in einer möglicherweise neuen Besetzung" demokratisch gewählt. Springorum sagte im HR-Fernsehen: "Im Lichte der in diesen Tagen bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch und aufgrund der zögerlichen Aufarbeitung" sei eine vorzeitige Neuwahl des Vorstandes zwingend.
Nach Informationen der Frankfurter Rundschau erwarte die Schulleiterin Margarita Kaufmann allerdings weiterhin den Rücktritt des Gremiums, dem sie selbst angehört. Nach Informationen der Rundschau sitzen in dem Gremium auch Weggefährten des ehemaligen Schulleiters, dessen Missbruch an Jugendlichen inzwischen eingeräumt wurde.
Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit sagte der Wochenzeitung Die Zeit, er sei erschüttert, dass an der Odenwaldschule eine libertäre Sexualmoral dazu benutzt wurde, Menschen sexuell zu missbrauchen und auszubeuten. Zugleich verteidigte er die Liberalisierung der Moralvorstellungen in den 60er und 70er Jahren. Die "repressive Vor-68er-Sexualmoral" habe großen Schaden angerichtet. Cohn-Bendit war von 1958 bis 1965 selbst Schüler der Odenwaldschule.
Suche nach betroffenen Heimkindern
Beim Caritasverband Frankfurt, der Träger des Heims Vincenzhaus in Hofheim ist, meldeten sich drei ehemalige Heimkinder, die den Vorwurf erheben, in den 50er und 60er Jahren misshandelt und missbraucht worden zu sein. "Wir sind über diese Vorwürfe außerordentlich beunruhigt und versuchen nun - soweit das möglich ist - Aufklärungsarbeit zu leisten", erklärte Caritas-Direktor Hartmut Fritz. Die Caritas bittet möglicherweise ebenfalls betroffene ehemalige Heimkinder, sich unter 069-2982-142 zu melden.
Im Ernst-Schneller-Heim für erziehungsauffällige Kinder im sächsischen Eilenburg soll es nach Angaben eines ehemaligen Bewohners zwischen 1970 und 1980 täglich zu sexuellen Übergriffen gekommen sein, wie die Leipziger Volkszeitung berichtet.
Zölibat nicht als Ursache
Der heutige Leiter, Hans-Otto-Schlotmann, sagte, ehemalige Bewohner hätten sehr strenge Erziehungsmethoden geschildert. Er schließe nicht aus, dass es auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sei.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer widersprach der These, das Zölibat sei eine Ursache für sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen. "Wir sehen das als Wissenschaftler eher anders", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen dem Sender N24. "Denn pädophil ist man bereits mit 15, 16. Aber das Gelübde, keusch zu bleiben, legt man als Priester erst mit 25 oder 30 ab. Da ist also von der sexuellen Identität her alles gelaufen."
Im Video: Die Leiterin der Schule veröffentlichte Details der Übergriffe und bat die Opfer um Vergebung
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(apn/ehr/gba)
Müll am Fluss
Werden denn wenigstens die Namen der Täter genannt oder gibts Anonymität als Bonus zur Verjährung dazu?
@xpeten
Da bin ich schon Ihrer Meinung!
Der Unterschied ist, dass die Protestanten nicht für sich in Anspruch nehme, die einzige und wahre Kirche zu sein, für die Katholiken sind wir keine Kirche, sondern ein Verein, eine Glaubensgemeinschaft, die Reformation gab es im Grunde genommen nicht, und das kommt hier im Forum doch auch rüber!
Wenn es um diese Straftaten geht, dann sollen wir EINE Kirche sein und sollen in einen Topf geworfen werden!
Pardon, mein Leben ist eigenartig: Auf der einen Seite die Tätigkeit in einem Forschungsinstitut - seit 32 Jahren - in dem es um alternative Energien geht, auf der anderen Seite die ev. Kirche und einem Pfarrer an meiner Seite! Eigenartig, aber auch schön!
ist in den Köpfen moderner Menschen nicht existent. Er wird hier lediglich als Ablenkungsmanöver konstruiert und ist mindestens so bescheuert wie Bäcker gegen Metzger.
@manesse
Woher wissen Sie, dass die kath. Kirche wirklich aufräumt? Wie will sie dies machen? Es werden immer wieder Pädophile Priester werden! Hinzu kommt das Verbot von Hetero- oder Homo-Beziehungen, wobei eben eine versteckte Sexualität gelebt wird, die aber auch nicht gesund ist. Man denke nur an die vielen Priesterkinder!
Auch Anselm Bilgri sagt, dass es sehr, sehr lange dauern wird, bis die KK eine quasi "normale" Einstellung zur Sexualität bekommt.
Dass Sie hier nun ständig Odenwald aufführen, zeigt doch nur, dass Sie eben auch über einen hochgradigen Verdrängungsmechanismus verfügen. Missbräuche gibt es überall, das habe ich schon 100x geschrieben, wie ich auch 100x geschrieben habe, dass es aber bisher - Gott sei Dank - noch keine Institution gab, in der es ein solches Ausmaß an Missbräuchen gab - LEIDER! In Odenwald wird schon noch die Staatsanwaltschaft aufräumen - da kommt es gewiss zu personellen Veränderungen!
Schlimm, dass durch Odenwald beschönigt und bagatellisiert werden soll, was in der KK vorfiel!
Ich habe gelesen, dass sich das Schulgeld auf 2100 Euro im Monat (!) beläuft. Da kommt schon was zusammen für lukrative Vorstandsposten.
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