Jacksons Testament soll die drei Kinder, Mutter Katherine und wohltätige Projekte begünstigen - nicht aber Vater Joe. Ermittler machten indes einen interessanten Fund.
Die Familie des verstorbenen Popsängers Michael Jackson hat nur vier Tage nach dessen Tod bereits die Kontrolle über Teile seines Vermögens und das vorübergehende Sorgerecht für alle drei Kinder erhalten. Ein Richter gewährte Jacksons Mutter begrenzte Kontrolle über Gegenstände aus dem Besitz ihres Sohnes. Sie wurden nicht einzeln genannt, offenbar ging es aber um Erinnerungsstücke, Kostüme, Aufnahmen und Trophäen aus Jacksons Anwesen Neverland.
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Trauernde Jackson-Fans belagern den Walk of Fame in Hollywood. Die Familie des verstorbenen Popstars hat unterdessen weitgehende Kontrolle über das Vermögenn des Popstars erhalten. Testamente sind mittlerweile schon mehrere aufgetaucht. (© Foto: Reuters)
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Der 79-jährige Vater Joe Jackson kündigte die Gründung eines neuen Plattenlabels an, was Spekulationen um Dutzende unveröffentlichte Songs des "King of Pop" neuen Auftrieb gab. Nach Angaben der Familie soll es kein gültiges Testament Jacksons geben. Nach Berichten des Wall Street Journal existiere hingegen ein Testament aus dem Jahr 2002. Der Sänger habe in diesem letzten Willen sein Erbe unter seiner Mutter, den drei Kindern und einer oder mehreren Wohltätigkeitsorganisationen aufgeteilt. Sein Vater Joe würde diesen Angaben zufolge leer ausgehen.
Unklares Vermögen, mehrere Testamente
Wegen der komplizierten Besitzverhältnisse und Jacksons Schulden könnte es äußerst schwierig werden, sein genaues Vermögen festzustellen. Demnach hat der Popstar Schulden in Höhe von 400 bis 500 Millionen Dollar; der Wert seines Besitzes könnte seine Schulden um 200 Millionen Dollar übersteigen. Einige Quellen schätzen seine Beteiligungen sogar auf rund eine Milliarde Dollar.
Dem Bericht zufolge könnte ein Rechtsanwalt das Testament, bei dem es sich angeblich um den aktuellsten Entwurf handelt, schon am Donnerstag einem Gericht in Los Angeles übergeben. Wie die Zeitung weiter berichtete, waren seit dem Tod Jacksons allerdings schon ein oder zwei früher verfasste Testamente aufgetaucht.
Richter Mitchell Beckloff gewährte der Familie jedoch zunächst keine Kontrolle über Jacksons Finanzanlagen. Darunter befindet sich die auf zwei Milliarden Dollar geschätzte 50-Prozent-Beteiligung am Musikkatalog Sony/ATV, der beispielsweise die Musik der Beatles, von Neil Diamond oder Bob Dylan einschließt.
Die drei Kinder Jacksons - der zwölfjährige Michael Joseph Junior., die elfjährige Paris Michael Katherine und der siebenjährige Prince Michael II. - werden nach Mitchells Beschluss zunächst unter die Obhut ihrer Oma gestellt. "Das ist es, wo sie hingehören", sagte Joe Jackson vor Journalisten. "Wir werden uns um sie kümmern." Familienanwalt Londell McMillan fügte hinzu, von der leiblichen Mutter der ersten beiden Kinder, Debbie Rowe, habe die Familie bisher nichts gehört. Der jüngste Sohn wurde von einer Leihmutter geboren.
Gerichtsmediziner des Bezirks Los Angeles holten unterdessen Medikamente aus dem Haus des verstorbenen Popstars. Ed Winter und andere Ermittler, die die genaue Todesursache klären wollen, kamen mit zwei großen roten Plastiktüten aus dem gemieteten Anwesen. Winter erklärte, sie hätten die Medikamente aufgrund von Informationen eingesammelt, die die Polizei und die Gerichtsmedizin in den vergangenen Tagen gewonnen hätten.
Neues Video: "Dome Projekt"
Weitere Angaben dazu, welche Medikamente eingesammelt wurden, wollte Winter nicht machen. Die Ermittlungen würden wohl noch vier bis fünf Wochen dauern.
Familienanwalt McMillan sagte im NBC-Fernsehen, die Jacksons seien natürlich beunruhigt über Michaels Todesumstände. Der Sänger und Tänzer sei schließlich fit genug gewesen, für seine bevorstehenden Konzerte zu proben. Auf die Frage, ob die Familie von einem Verbrechen ausgehe, sagte er, diese Formulierung ginge zu weit. Der Anwalt von Jacksons Arzt Conrad Murray hatte zuvor Vorwürfe zurückgewiesen, dem 50-Jährigen seien zu viele Schmerzmittel gegeben worden.
Zwei Wochen vor seinem Tod hat Jackson nach Informationen der Nachrichtenagentur AP noch ein neues Video vollendet. An dem "Dome Projekt" wurde fünf Wochen lang in den Culver Studios gearbeitet, wie zwei mit dem Projekt vertraute Personen sagten. Das Video sei nun in der Nachbearbeitung und werde vermutlich am 15. Juli fertiggestellt sein.
Keine Beisetzung auf Neverland
Eine Regelung über die Beisetzung des King of Pop stand offenbar noch aus. Sein Vater Joe erklärte, die Familie wolle zuerst noch die Ergebnisse der zweiten Autopsie abwarten. Er erwarte in Kürze Resultate. Die Familie des Popstars hatte wegen Zweifeln zur Rolle des Leibarztes von Jackson eine zweite Autopsie beantragt. Zugleich wies Joe Jackson Berichte zurück, sein Sohn werde auf der Neverland-Ranch beigesetzt.
Mehr als 750.000 Jackson-Fans, die sich Karten für eines der geplanten 50 Konzerte in London gekauft hatten, können inzwischen aufatmen. Bereits wenige Stunden nach dem Start des allgemeinen Vorverkaufs im März waren die regulären Tickets vergriffen gewesen.
Gedruckte Originalkarte statt Geld
Allen Käufern werde nun die Möglichkeit einer vollen Rückerstattung oder die Ausstellung eines Souvenirtickets eingeräumt, erklärte der Veranstalter AEG. Damit wollte das Unternehmen offenbar die Verluste aus der Absage der Konzerte begrenzen. Die Tickets hatten zwischen 82 und 124 Dollar gekostet - und auf dem Schwarzmarkt ein Vielfaches davon.
Gleichzeitig wurde den Fans auch angeboten, statt einer vollen Rückerstattung eine gedruckte Original-Eintrittskarte zu bekommen. Michael Jackson selbst habe die Karten für seine Fans mitentworfen, hieß es. Nach einer Rechnung des Magazins Time kostet den Konzertveranstalter die Rückerstattung aller Tickets etwa 60 Millionen Euro. Der Veranstalter selbst nannte keine Zahlen.
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(sueddeutsche.de/ojo/AP/AFP/dpa/vw)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Falls das zitierte Testament von 2002 wirklich existiert, hoffe ich inständig, dass es gültig ist und eine Klausel enthält, die besagt dass die Kinder nicht da hinkommen sollen, wo sie laut Joseph Jackson hingehören. In meinen Augen sind sie gerade unter seinem Dach am schlechtesten aufgehoben. Immerhin besteht zu befürchten, dass die drei Enkelkinder von dem Mann genauso behandelt und vermarktet werden, wie die Eigenen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Kathrine Jackson das verhindern könnte. Wenn die Presse ein gutes Werk tun wollte, sollte sie das Augenmerk zur Abwechslung einmal von dem Vermögen weg lenken und sich stattdessen mit der Frage beschäftigen, ob es richtig ist, drei Kinder in einen Haushalt unterzubringen, dessen Familienoberhaupt im Fernsehen öffentlich darüber sprach, er habe den Vater der sich nun in seiner Familie in Obhut befindlichen Enkelkinder nicht geschlagen sondern ausgepeitscht.
Hm, nach meinem Verständnis ist das Gesamtpaket 4 Milliarden wert und somit die 50% ige Beteiligung 2.
Ausserdem ist der Wert nicht immer dass was man bei liquidationszwang auch am Markt erhält, da der Käufer in der stärkeren Position ist und so den Preis drücken kann!
Ihre Rechnung ist aber auch nicht ganz richtig. 50 % von 2 Milliarden ist eine Milliarde. Abzüglich 500 Millionen kommen wir auf 500 Millionen.
"Darunter befindet sich die auf zwei Milliarden Dollar geschätzte 50-Prozent-Beteiligung am Musikkatalog Sony/ATV"
Abzüglich der 500 Millionen Schulden, die kolportiert werden, bleiben da noch 1,5 Miliarden Dollar übrig. Wie kommt man nun auf eine Summe von 200 Millionen? Zumal sich eventuell noch andere Eigentumsgegenstände in seinem Nachlass zu finden sind, womit sich das Vermögen noch einmal erhöht.
So viel zum Journalismus der Süddeutschen.