Kriminalität Gladbeck-Geiselnehmer will Therapie machen

Der Entführer Hans-Jürgen Rösner beantwortet mit einer Pistole in der Hand Fragen von Journalisten (Archivfoto vom 17.08.1988).

(Foto: dpa)
  • Nach fast 30 Jahren Haft kommt der erste der beiden Gladbecker Geiselgangster auf freien Fuß - nun will auch der zweite aus der Haft entlassen werden.
  • Hans-Jürgen Rösner hatte bislang jede Form von Therapie abgelehnt, mit der Begründung, er sei nicht gestört.
  • Jetzt hat Rösner sich doch zu einer Therapie bereiterklärt. Diese gilt als Voraussetzung für eine mögliche Rückkehr in die Freiheit.

Hans-Jürgen Rösner hat nach fast 30 Jahren in Haft offenbar seine Meinung geändert. Der Mann, der nach der Geiselnahme von Gladbeck auf seiner anschließenden Flucht noch betonte: "Ich scheiß auf mein Leben. Und das meine ich ganz im Ernst", hat im Gefängnis nun doch wieder Lebenslust bekommen. "Herr Rösner hat sich entschieden, im November mit einer Therapie zu beginnen", sagte Reina Blikslager, die Leiterin der JVA Aachen, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Eine entsprechende Therapie gilt als Voraussetzung für eine mögliche Haftentlassung.

Auslöser dafür sei sein Wunsch, "eine Perspektive auf ein Leben in Freiheit zu erhalten", sagte Blikslager weiter. "Möglicherweise haben die Berichte über die bevorstehende Freilassung seines Mittäters Degowski mit zum dem Entschluss von Rösner beigetragen, diesen Weg zu beschreiten. Bislang hat Herr Rösner eine Therapie abgelehnt, weil er der Meinung war, nicht gestört zu sein."

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Degowski und Rösner hatten bei der Geiselnahme von Gladbeck im August 1988 eine Bank überfallen und mehrere Geiseln genommen. Im Verlauf ihrer dreitägigen Flucht erschossen die Täter zwei Geiseln, ein Polizist kam während des Einsatzes durch einen Verkehrsunfall ums Leben. Degowski und Rösner wurden 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt. Später stellten Gerichte bei beiden Tätern eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt.

Das Landgericht hatte die JVA Werl, in der Degowski einsitzt, bereits 2013 aufgefordert, ihn schrittweise auf seine Entlassung vorzubereiten. Er hatte daraufhin einige Ausgänge einwandfrei bewältigt. "Die Kammer hat sich im Ergebnis den positiven Prognosen des Sachverständigen und der zuständigen Justizvollzugsanstalt Werl angeschlossen", erklärte der Gerichtssprecher.

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