Kim Jong Un wird Vater Spiel nicht mit den Diktatorenkindern

Erst im Sommer war die Frau des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un überraschend in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Am Montag zeigte sich Ri Sol-Ju (links) offensichtlich hochschwanger an der Seite ihres Mannes.

(Foto: Reuters)

Der Babybauch seiner Gattin ist unverkennbar: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un wird Vater. Erben sind für Tyrannen überall auf der Welt sehr wichtig, um sich ihre Herrschaft zu sichern. Wie hielten es andere Schreckensherrscher mit dem Nachwuchs? Ein Überblick.

Von Lena Jakat

Die rigide Abschottungspolitik in der nordkoreanischen Diktatur bringt es mit sich, dass um jedes noch so kleinen Tröpfchen Information, das nach außen dringt, eine Riesenwelle gemacht wird. Doch auf den jüngsten Bildern aus Kim Jong Uns Reich, aufgenommen bei der offiziellen Gedenkfeier, versteckte sich tatsächlich eine kleine Sensation. Die Fotos zeigen den Diktator und seine Gattin Ri Sol-Ju bei der offiziellen Trauerfeier zum Jahrestag von Kim Jong Ils Tod. Und was tut sich da unter Ris koreanischer Tracht, einem traditionellen hanbok? Nicht nur für Promi-Journalisten mit geschultem Baby-Bauch-Blick dürfte es kaum Zweifel geben: Die im Sommer überraschend aufgetauchte Dame wird dem "Obersten Führer" wohl schon bald einen Nachfolger für den Diktatoren-Thron schenken.

Den lieben Verwandten einen Posten im Regime und damit die Herrschaft selbst zu sichern, ist seit Jahrtausenden ein probates Herrschaftsinstrument von Diktatoren. Genauso, die Abkommen frühzeitig an das Amt heranzuführen, wie es derzeit Weißrusslands Despot Alexander Lukaschenko bei jeder Gelegenheit mit Söhnchen Kolja demonstriert. Wie hielten es die anderen Diktatoren des 20. Jahrhunderts mit dem Nachwuchs - und wie dieser mit der Diktatur? Ein Überblick.

Mao Tse-tung (1893-1976), China

Vier Ehen, vier Kinder, mindestens. Seine zweite Frau soll dem "Großen Vorsitzenden" - von 1943 bis 1976 war Mao Chef der Kommunistischen Partei Chinas - zudem fünf Kinder geboren haben. Vier von ihnen gelten seit dem parteimythologisch überfrachteten Langen Marsch in den 1930ern als verschollen. Gut möglich allerdings, dass noch deutlich mehr Mao-Abkömmlinge unentdeckt das Land bevölkerten - die erotische Abenteuerlust des Despoten ist hinreichend überliefert.

Saddam Hussein (1937-2006), Irak

Von seinen drei Ehen erwies sich die erste als die fruchtbarste: Zwei Söhne und drei Töchter gingen aus der Verbindung des irakischen Diktators mit Sajida Talfah hervor, sein Sohn Ali stammt aus zweiter Ehe. Udai, berüchtigt für spontane Gewaltakte, und sein Bruder Kusai starben im Irakkrieg. Husseins Töchter - die schon 1996 ihre Männer bei einem Angriff verloren, der ebenfalls auf Udais Konto gehen soll - leben seit 2009 gemeinsam mit ihren neun Kindern im Asyl in Jordanien.

Benito Mussolini (1883-1945), Italien

In erster Ehe war der italienische Faschist mit Ida Dalser aus Trient verheiratet und hatte aus dieser Beziehung einen Sohn. Nachdem er jedoch Rachele Guidi geehelicht hatte, wurde ihm seine erste Familie lästig, er ließ die beiden verfolgen. Fünf weitere Kinder bekam Mussolini mit seiner zweiten Frau, darunter den späteren Filmemacher Vittorio. Was sein Liebesleben und potentielle weitere Nachkommen angeht, genießt Mussolini einen ähnlich zweifelhaften Ruf wie viele seiner Amtskollegen. Jeden Nachmittag ließ er sich ein anderes Mädchen bringen. "Sobald er fertig war", notiert sein Biograph Nicholas Farrell, "entließ Mussolini die Frauen, ohne ihnen Kaffee, Likör, oder auch nur ein Stück Kuchen anzubieten."

Augusto Pinochet (1915-2006), Chile

Im Vergleich zu den von Ausschweifungen geprägten Familiengeschichten vieler anderer Despoten nimmt sich der Stammbaum des chilenischen Generals, der das südamerikanische Land erst als Vorsitzender einer Militärjunta und später als autokratischer Präsident knechtete, fast langweilig aus. Seine fünf Kinder entstammen ausschließlich der Ehe mit Lucia Hiriart Rodriguez. Sie alle wurden 2007 wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder verhaftet.

Josef Stalin (1878-1953), Sowjetunion

Yakow, Stalins Sohn aus erster Ehe, soll versucht haben, sich aus Verzweiflung über die Härte seines Vaters zu erschießen. Den missglückten Suizidversuch soll der Despot mit den Worten kommentiert haben: "Er kann nicht mal gerade schießen." Yakow starb als Kriegsgefangener der Nazis im KZ Sachsenhausen. Stalins zweiter Sohn Wassily soll sich Anfang der 1960er Jahre zu Tode getrunken haben. Tochter Swetlana gelang es als einziges Kind des von 1927 bis 1953 regierenden Schreckensherrschers, in den USA ein neues Leben zu beginnen.

Nicolae Ceausescu (1918-1989), Rumänien

Der Diktator, der in Südosteuropa wütete, und sich von seinem Volk "Genie der Karpaten" oder "Irdischer Gott" nennen ließ, hatte große Angst vor Krankheitserregern, ließ sich zum Schutz vor Infektionen ständig desinfizieren. Vom Geschlechtsakt hielt ihn sein Waschzwang jedoch nicht ab. Caeausescu hatte gemeinsam mit seiner Ehefrau Elena drei Kinder, von denen nur noch der älteste Sohn, Valentin, am Leben ist. Der Physiker war, anders als seine Geschwister, politisch nicht sonderlich involviert und galt vielleicht auch deshalb lange Zeit fälschlicherweise als adoptiert.

Ferdinand Marcos (1917-1989), Philippinen

Die Frau des 1989 verstorbenen Diktators, Imelda, ging vor allem für ihre mehr als 1000 Paar umfassende Schuhsammlung in die Geschichte ein - finanziert durch geschätzte 20 Milliarden Dollar, die die Familie in den 1980er Jahren den Phillipinern geraubt hatte. Doch die ehemalige Schönheitskönigin schenkte dem Despoten auch drei Kinder: Imee, Ferdinand (Oxford-Absolvent mit dem eigenwilligen Beinamen "Bongbong") und Irene stehen derzeit wegen ihres unrechtmäßig erworbenen Reichtums in den Philippinen vor Gericht.

Idi Amin (1928-2003), Uganda

Der Schreckensherrscher aus Uganda schmückte sich zeitlebens mit dem ausufernden Titel "Seine Exzellenz Präsident auf Lebenszeit, Feldmarschall Al Hadji Doktor Idi Amin, VC, DSO, MC, Herr aller Wesen der Erde und Fische der Meere und Bezwinger des Britischen Empire in Afrika im Allgemeinen und Uganda im Besonderen". Amin galt in den 1970er Jahren vielen als das Böse schlechthin. Er ist bekannt für seine Gewaltexzesse - und seine Dutzende von Kindern. Etwa 40 Abkömmlinge soll Amin mit den sieben Frauen gezeugt haben, mit denen er polygam zusammenlebte. Einer seiner Söhne wurde 2007 in London nach der brutalen Attacke auf einen Somalier zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Ein anderer, Jaffar, brach nach dem Erscheinen des historischen, Oscar-prämierten Kinofilms Der letzte König von Schottland das jahrzehntelange öffentliche Schweigen der Familie. Die Gräueltaten seines Vaters stelle er nicht in Frage, sagte Jaffar. Er kritisierte aber die einseitige Darstellung.