Katholische Kirche Papst Franziskus trennt sich von Kardinal Müller als Leiter der Glaubenskongregation

Bischof Gerhard Ludwig Müller im Jahr 2005.

(Foto: dpa/dpaweb)
  • Papst Franziskus wird Kardinal Müller überraschend nicht länger als Leiter der Glaubenskongregation beschäftigen.
  • Müller hatte den Posten 2012 durch Papst Benedikt XVI. erhalten.
  • Vorher war er lange Jahre Bischof von Regensburg und stand als dieser immer wieder in der Kritik.

Papst Franziskus hat sich überraschend von einem seiner ranghöchsten Mitarbeiter getrennt. Die Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Leiter der Römischen Glaubenskongregation werde nicht verlängert. Sie ende nach fünf Jahren fristgerecht am 2. Juli. Das berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) und bestätigt damit entsprechende Medienberichte.

Müller, ehemals Bischof von Regensburg, verdankte den Posten dem damaligen Papst Benedikt XVI, der ihn 2012 nach Rom holte. Zwei Jahre später erhob ihn Papst Franziskus zum Kardinal.

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Zwischen Müller und Papst Franziskus hatte es in den vergangenen Jahren Meinungsverschiedenheiten in moraltheologischen Fragen gegeben, insbesondere in der Frage des Umgangs der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. Zuletzt hatte Müller am 25. Mai in einem Fernseh-Interview die Tatsache kritisiert, dass Franziskus drei Mitarbeiter des Kardinals gegen dessen Willen entlassen hatte.

Müller stand in seiner Zeit in Regensburg immer wieder in der Kritik. So setzte das Bistum unter seiner Führung etwa einen pädophilen Pfarrer wieder ein. Müller sah bei sich keinen Fehler, stattdessen beschuldigte er die Presse, ihn in Misskredit bringen zu wollen. 2010, auf dem Höhepunkt der Missbrauchsskandale, rückte er die Medien in die Nähe von Joseph Goebbels Propagandamaschine. In der Bischofskonferenz war er isoliert, aus Sachkonflikten wurden immer wieder bittere persönliche Streitereien.

Schon vor der Ernennung zum Bischof schrieb Müller einen beleidigenden Aufsatz über die Befürworter der Diakonenweihe für Frauen; neu im Amt setzte er den Deggendorfer Dekanatsratsvorsitzenden Johannes Grabmeier ab, kürzte unliebsamen Pfarrern die Pension oder versetzte sie und wollte Kirchenmitarbeitern bei internen Streitigkeiten die Anrufung weltlicher Gerichte verbieten.

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