Katholische Kirche Der Papst stellt sich gegen Kardinal Marx

Im Kommunion-Streit innerhalb des deutschen Katholizismus hat Papst Franziskus gegen die große Mehrheit der deutschen Bischöfe entschieden.

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  • 2017 hatten Kardinal Marx und der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, eine fallweise Zulassung evangelischer Partner zur Kommunion vereinbart.
  • Sieben deutsche Bischöfe erhoben allerdings Einspruch gegen die Handhabung und erhalten dafür nun Unterstützung vom Papst.
Von Matthias Drobinski

Im Kommunion-Streit innerhalb des deutschen Katholizismus hat Papst Franziskus gegen die große Mehrheit der deutschen Bischöfe entschieden. Für den Konferenzvorsitzenden, den Münchner Kardinal Reinhard Marx, ist das eine herbe Niederlage. Der Papst und der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, haben jenen sieben deutschen Bischöfen recht gegeben, die Einspruch gegen eine Handreichung erhoben hatten. In dieser wollte die Mehrheit der Bischöfe erlauben, dass in Einzelfällen evangelische Ehepartner zum Kommunionempfang zugelassen werden können.

Franziskus sei "zur Auffassung gekommen", dass die Handreichung "nicht zur Veröffentlichung reif" sei, heißt es in dem auf Deutsch abgefassten Brief Ladarias. Die Zulassung zur Kommunion sei ein Thema, "das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist", heißt es weiter. Genauso hatten die Kritiker der Handreichung um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki argumentiert.

Womöglich hat Franziskus seine Meinung über den Streit unter den Bischöfen geändert

Der Streit geht zurück ins Reformationsjahr 2017; damals hatten Kardinal Marx und Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, die fallweise Zulassung evangelischer Partner zur Kommunion als Zeichen der Ökumene vereinbart. Auf der Frühjahrsversammlung der katholischen Bischöfe in Ingolstadt verabschiedete eine Dreiviertelmehrheit eine entsprechende Handreichung. Sieben Bischöfe protestierten daraufhin in Rom. Am 3. Mai reisten Kritiker wie Befürworter zum klärenden Gespräch nach Rom; nach dem Treffen forderte Papst Franziskus die Teilnehmer auf, "im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden".

In dem auf den 25. Mai datierten Brief, der diesen Montag die Bischofskonferenz erreichte, heißt es nun, die Entscheidung, wann ein Kommunion möglich ist, sei Sache des Ortsbischofs - und damit nicht der Bischofskonferenz. Die zuständigen Dezernate in der römischen Kurie seien beauftragt, eine baldige Klärung dieser Fragen auf weltkirchlicher Ebene herbeizuführen.

Marx hatte das Ergebnis des Treffens am 3. Mai, an dem der Papst allerdings nicht teilnahm, als Stärkung seiner Position gewertet. Entsprechend zeigte sich der Kardinal in einer Stellungnahme "überrascht, dass noch vor dem Finden einer einmütigen Regelung jetzt dieses Schreiben aus Rom eingegangen ist". Er sehe nun "weiteren Gesprächsbedarf" in der Bischofskonferenz, mit den zuständigen Kirchenbehörden in Rom "und dem Heiligen Vater selbst".

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