Polizei und Feuerwehr behaupten nach der Katastrophe, schon immer vor einem Unglück am Tunnel gewarnt zu haben. Stimmt das?

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Nach Angaben der Stadt Duisburg gab es im Vorfeld der Loveparade 16 Sitzungen des Arbeitskreises Sicherheit, dem auch Angehörige der Feuerwehr und der Polizei angehörten. Bei keiner Sitzung habe es Kritik der Polizei gegeben. Die Sicherheitskräfte hätten sogar einen fünfstündigen Workshop durchgeführt, bei dem alle Krisenszenarien durchgespielt worden seien, auch der Stau an der Rampe. In der Theorie gab es keine Toten. Innenminister Jäger sagte hingegen, die Polizei habe mehrfach Kritik am Konzept geübt und noch unmittelbar vor der Veranstaltung die Eingangsschleusen zum Tunnel verlegt und eine bessere Sicherung zum Bahndamm hin angemahnt.

Hat die Stadt die Genehmigungen leichtfertig vergeben? Hat sie ihre eigenen Auflagen auch kontrolliert?

Die Stadtverwaltung spricht sich in dem von ihr selbst in Auftrag gegebenen Gutachten von aller Schuld frei. Was sie jedoch nicht erwähnt, ist, dass es in der Verwaltung massiven Widerstand gegen die Genehmigung der Loveparade gab. Ein Dezernatsleiter zum Beispiel weigerte sich, eine Genehmigung zu unterschreiben. Das ganze Genehmigungsverfahren war von großer Hektik und von Schlampereien seitens des Veranstalters geprägt. Die entscheidende Genehmigung wurde erst wenige Stunden vor der Veranstaltung erteilt, weil bis dahin noch Details der "Entfluchtungsanalyse" fehlten.

Welche Fehler hat der Veranstalter gemacht?

Der Veranstalter und Fitnessunternehmer Rainer Schaller schickte keinen Vertreter und kein Gutachten an den Ausschuss. Land, Polizei und Stadt Duisburg sind sich weitgehend einig, dass Schaller die Hauptschuld trägt. Innenminister Jäger warf ihm vor, im Bereich von Rampe und Tunnel viel weniger eigene Ordner eingesetzt zu haben als versprochen. Die Anwälte der Stadt berichten in ihrem Gutachten, dass der Veranstalter selbst bei Überfüllung der Tunnel handeln wollte, dies aber unterließ: "In der Szenarienbeschreibung bei Überfüllung ist als Verantwortlicher der Veranstalter gekennzeichnet." Der Veranstalter habe am Unglückstag zudem mehrfach zu "ordnungsgemäßem Handeln" aufgefordert werden müssen. Nach Ansicht der Polizei hätten die privaten Sicherheitsdienste von Schaller zwei Schleusen zum Tunnel geöffnet, als dieser wegen Überfüllung längst abgeriegelt gewesen war. Damit hätten noch mehr Menschen auf die ohnehin überfüllte Rampe gedrückt. Der FDP-Abgeordnete Horst Engel sagte, das Sicherheitskonzept der Veranstalter sei schöngerechnet worden und gehe von einer viel zu großen Zahl von Menschen aus, die durch die Tunnel auf das Gelände der Loveparade geschleust werden könnten. Bernd Dörries

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(SZ vom 05.08.2010)