Im Kachelmann-Prozess geht es nicht um Indizien. Entscheidend wird sein, wem die Richter glauben - dem Moderator oder seiner ehemaligen Freundin. Doch egal, wie der Prozess ausgeht: Kachelmann hat in jedem Fall verloren.
Es ist der Prozess des Jahres und doch nur ein ganz normaler Kriminalfall. Ein Mann soll eine Frau vergewaltigt haben, wenigstens sagt die Frau das. Er bestreitet. Es steht Aussage gegen Aussage. Schwierig, aber nicht unlösbar, Richter kommen mit so etwas zurecht.
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Jörg Kachelmann hat in diesem Prozess schon verloren: Wird er schuldig gesprochen, ist der einst populäre Wettermoderator ein verurteilter Sexualstraftäter, spricht das Gericht ihn frei, dürfte sein Ruf trotzdem beschädigt sein. (© ddp)
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Nur heißt der Mann eben Jörg Kachelmann, und weil ihn jeder von der Wettervorhersage im Fernsehen kennt - oder zumindest zu kennen glaubte -, wird es eben ein besonderer Prozess, den die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Mannheim von diesem Montag an verhandeln muss.
Ein Prozess, in dem Dutzende von Reportern jedes Wort notieren, jedes Blinzeln des Angeklagten und jedes Stirnrunzeln der Richter registrieren. Etwa ein Dutzend Sitzungstage sind geplant, 26 Zeugen und fünf Sachverständige sollen vernommen werden, gegen Ende Oktober ist mit einem Urteil zu rechnen.
Und das wird spektakulär ausfallen, so oder so: Entweder stellt das Gericht fest, dass Kachelmann am Abend des 8. Februar seine Freundin in deren Schwetzinger Wohnung vergewaltigt hat - dann ist der verwuschelte und als so sympathisch geltende Wettermann ein verurteilter Sexualverbrecher. Oder er wird freigesprochen. Dann hat ein untadeliger Fernsehschaffender nicht nur unschuldig in Untersuchungshaft gesessen, sondern vermutlich lebenslang seinen guten Ruf verspielt.
Der mediale Urknall
Es war am 22. März, einem Montag, als der Fall Kachelmann seinen medialen Urknall erlebte. Zwei Tage zuvor war ein "51-jähriger Journalist und Moderator" am Frankfurter Flughafen festgenommen worden, wie die Mannheimer Staatsanwaltschaft noch vornehm anonymisiert mitteilte - doch natürlich wurde rasch bekannt, um wen es sich handelte. Dass Kachelmann sogleich in Untersuchungshaft genommen wurde - wegen Fluchtgefahr, weil er in seiner Schweizer Heimat dem Zugriff der deutschen Justiz entzogen gewesen wäre -, steigerte den Sensationswert ins Unermessliche.
Jedenfalls fanden in den folgenden gut vier Monaten seiner Haft nahezu sämtliche Details aus dem Ermittlungsverfahren ihren Weg in die Medien: Die Gutachten von Rechtsmedizinern und Aussagepsychologen, das Tagebuch des angeblichen Opfers, die Schilderungen seiner zahlreichen Parallel-Geliebten über den bestrickenden Charme des Frauenverstehers, sein virtuoses Lügengespinnst - und nicht zuletzt über seine angeblich auf Dominanz angelegten Sexualpraktiken.
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FKK-Slackliner Alexander Schulz
Der Prozess wurde bereits vertagt. Es gab den erwarteten Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter, der mit einer Kreissäge bewaffnet, in den Gerichtssaal stürmte. :-)
"Den anonymen Brief mit den auf Kachelmann und eine andere Geliebte ausgestellten Flugtickets, den sie kurz vor seinem Besuch im Briefkasten gefunden haben will, schrieb sie selbst. Auch dass sie mit jener Frau schon Wochen zuvor per Mail verkehrt hat, räumte sie erst auf hartnäckiges Nachfragen ein."
Aha, sie schreibt sich selbst vorher einen Brief, um ihn "wegen Untreue" zur
Rede zu stellen, verabredet sich dann aber mit ihm zu einen Stelldichein. Und manipuliert ihn so, dass er sie vergewaltigt.
Mädchen, wie viel hat man Dir dafür bezahlt?
@ wegmitude
Haben Sie Einsicht in die Prozessakten, oder woher nehmen Sie Ihre Kenntnis?
Seine Aussage war "wesentlich detailreicher", ja, bei dem Schwadroneur überrascht mich das nicht.
@ cj_calca
Ein Freispruch dürfte Millionen kosten - aber nur ein Freispruch erster Klasse!
Warten wir doch ab, was sich im Laufe der Verhandlung herausstellt.
hat sich das vermeintliche Opfer in Facebook unter dem Namen einer Figur in "Verbotene Liebe" an eine andere Geliebte Kachelmanns herangepirscht. Das Interessante daran: diese Figur in Verbotene Liebe hat "einen ähnlichen Racheplan geschmiedet" (Zitat Augsburger Allgemeine). Mal schaun, wem der Richter glauben wird.
Dass Kachelmann als Person in der Öffentlichkeit erledigt ist, bedauere ich hingegen nicht. Er hat a) das Leben in der Öffentlichkeit gesucht und b) sich verhalten, wie er sich verhalten hat. Er musste damit rechnen, dass es irgendwann bekannt wird und konnte wissen, was dann passiert. Er kann ja eine Tochterfirma in Italien gründen und Italienisch lernen. Dort sieht man die Dinge bekanntlich weniger eng.
Das ist das Kernproblem. Wenn ein Richter anfängt, etwas zu glauben, stirbt der Rechtsstaat. Denn man könnte auch z.B. glauben, dass unsere Regierung korrupt ist. Es wäre aber vollkommen egal und folgenlos, weil es auch Leute gibt, die glauben wortwörtlich an die Bibel. Niemand wertet das aber als Beweis oder auch nur Indiz für irgend etwas (ausser für den Glauben). Wenn es keine handfesten Beweise gegen Kachelmann gibt, muss er freigesprochen werden. Punkt Ende. Wo kommen wir denn hin, wenn vor Gericht nach dem "Bild-der-Frau" Schema aufgrund verworrener Aussagen von enttäuschten Geliebten "Recht" gesprochen werden soll? Das ist absurd!
Paging