Integration Badepass für Flüchtlinge

München versucht mit einer Info-Kampagne, die Einhaltung der Baderegeln durchzusetzen.

(Foto: dpa)

In Bornheim bei Bonn dürfen männliche Flüchtlinge nicht mehr ins Schwimmbad, angeblich weil Frauen belästigt wurden. Die Gemeinde Hermeskeil in Rheinland-Pfalz kennt das Problem - löst es aber anders.

Von Barbara Vorsamer

Pauschales Schwimmbadverbot für männliche Asylbewerber: Diese Maßnahme der Stadt Bornheim in Nordrhein-Westfalen hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Grund für die Sperre, die ursprünglich bis kommenden Donnerstag gelten sollte, ist, dass Flüchtlinge Frauen belästigt hätten. Bornheims Sprecher Rainer Schumann sagte Spiegel Online: "Aus Sicht der Stadt war es erforderlich, um die Besucher und Mitarbeiter des Schwimmbades zu schützen." Man habe "ein Zeichen setzen wollen, dass die Rechte der Frauen unantastbar sind." Wegen des immensen Medienechos und der öffentlichen Debatte soll nun schon am Montag entschieden werden, bis wann das Badeverbot gelten soll.

Wie genau eine Woche Schwimmbadverbot für Flüchtlinge die Rechte von Frauen stärken soll, bleibt unklar. Ebenso die Frage, wie die Mitarbeiter am Einlass Asylbewerber überhaupt von anderen Besuchern unterscheiden sollen ohne pauschal alle Männer mit dunkler Haut und schwarzen Haaren abzuweisen.

Juristisch nicht haltbar und rassistisch

Als juristisch nicht haltbar bezeichnet der Deutsche Anwaltsverein die Entscheidung. Birgit Naujocks, Geschäftsführerin des NRW-Flüchtlingsrates, sagte dem WDR: "Es ist in Ordnung, Störer gezielt fernzuhalten. Aber es darf nicht pauschal eine ganze Gruppe treffen." Der Landtagsabgeordnete Daniel Schwerd spricht von Diskriminierung und Rassismus.

Das Bornheimer Hallenbad ist nicht das einzige, das von Problemen mit Migranten berichtet. Mancherorts geht es um die Sicherheit: Kinder würden ins tiefe Wasser gehen, obwohl sie nicht Schwimmen könnten, Erwachsene von der Seite ins Becken springen, weil sie die Schilder nicht lesen könnten. Oft geht es um Hygiene: Ausländische Badegäste würden sich in öffentlichen Bädern rasieren oder die Nägel schneiden, was in manchen Ländern durchaus üblich ist, in Deutschland eher nicht. Und es geht um Belästigung: Frauen würden von Flüchtlingen unangemessen angestarrt, berührt oder beleidigt werden, vielleicht auch, weil die Männer aus Ländern kommen, in denen es nicht üblich ist, fremde Frauen in Badekleidung zu sehen.

Michael Hülpes, Bürgermeister von Hermeskeil in Rheinland-Pfalz, weiß von "heftigen Dingen" aus dem Schwimmbad seiner Gemeinde zu berichten: "Eine Frau ist von mehreren Männern umringt worden, sie schwammen neben ihr her und unter ihr durch", sagt er. "Sie erzählte, dass sie fotografiert worden ist und dass die Männer versucht haben, in ihre Umkleide zu gucken." Auch habe es den Fall gegeben, dass ein Mann sich vor die Damendusche postiert habe und keine anderen Frauen hineingelassen habe, damit seine Ehefrau alleine duschen könne.

Baderegeln gelten für alle

An keinem anderen öffentlichen Ort kommen sich fremde Menschen so nahe wie im Schwimmbad, kein Wunder, dass hier kulturelle Unterschiede deutlicher werden als anderswo. In der Theorie gäbe es für solche Vorkommnisse eine einfache Lösung: Alle Badegäste - Flüchtlinge und Einheimische, Männer und Frauen, Erwachsene und Jugendliche - müssen sich an die Baderegeln halten. Wer dagegen verstößt, kann des Schwimmbads verwiesen werden, im Wiederholungsfall Hausverbot und im Extremfall eine Strafanzeige bekommen.

In der Praxis ist es mehr als unschön, wenn es erst zu Belästigungen wie in Hermeskeil kommen muss, damit Konsequenzen gezogen werden können. Verständlich ist auch, dass sich Betreiber um ihr Schwimmbad fürchten, wenn zu häufig zu Hygiene- und Sicherheitsproblemen kommt. Das Aussortieren von dunkelhäutigen und dunkelhaarigen Männern an der Schwimmbadkasse ist jedoch diskriminierend.

Ein Badepass als Lösung

Die Gemeinde Hermeskeil hat eine Lösung gefunden, die nach Meinung von Bürgermeister Hülpes hervorragend funktioniert: Der Badepass für Asylbewerber. In der 5000-Einwohner-Gemeinde gibt es eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, in der zwischenzeitlich 1100 Personen untergebracht waren, derzeit sind es nach seinen Angaben 600.

Nach den schlechten Erfahrungen Anfang Dezember dürfen Flüchtlinge nur noch mit dem Badepass ins Hallenbad. Den bekommen sie erst, nachdem sie an einer Belehrung über Sicherheit, Hygiene und Verhaltensregeln im Schwimmbad teilgenommen haben. Die Baderegeln wurden in Arabisch, Farsi, Englisch und andere Sprachen übersetzt und an die Asylbewerber verteilt.

Woran erkennt man einen Flüchtling?

"Seitdem gehen weniger Flüchtlinge ins Schwimmbad und die, die da sind, benehmen sich", sagt Hülpes. "Damit haben wir erreicht, dass unsere einheimischen Badegäste nicht abgeschreckt wurden und weiter unser Hallenbad besuchen."

Doch woran erkennt man einen Flüchtling, woher weiß das Personal an der Kasse, wer einen Badepass vorweisen muss und wer nicht? Hermeskeil sei nicht so groß, man kenne sich, antwortet Hülpes auf diese Frage. Und: "Im Zweifelsfall sind wir großzügig", will heißen: Im Zweifelsfall werde eher einmal zu wenig nach dem Badepass gefragt als einmal zu viel. Mit Gruppen junger Männer sei es im Schwimmbad eben generell schwierig, sagt der Bürgermeister, auch pubertierende Schülergruppen wüssten sich oft nicht zu benehmen. Dass unangemessenes Verhalten im Schwimmbad kein exklusives Problem neu angekommener Flüchtlinge ist, zeigt auch diese Reportage aus dem Neuköllner Columbia-Bad aus dem Jahr 2014.

Land unter

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