Indien: Yogi im Hungerstreik Mit harten Bandagen

Mit einem Hungerstreik protestiert Baba Ramdev gegen Korruption und die Schmiergeldpolitik der Regierung. Im aufstrebenden Indien trifft er damit einen Nerv. Nun haben Polizisten den Yoga-Guru jedoch verhaftet und seine Anhänger vertrieben. Zu einem Dialog kommt es wohl nicht mehr.

Von Tobias Matern, Delhi

Barfuß sitzt Baba Ramdev in einem Zelt. Er trägt das obligatorische, safranfarbene Gewand. Es ist Samstagmittag, Tausende Anhänger haben sich mit ihm in Delhi versammelt. Sie machen Yoga-Übungen und hören sich Redner an, die gegen Korruption und Schwarzgeld wettern. Dann tritt der Guru nach einigen verbalen Scharmützeln mit der Regierung in den Hungerstreik, den er bis zum Tode durchhalten will - falls die Mächtigen nicht aktiv werden. Das werden sie, aber anders als es sich der Mann mit dem dunklen Bart vorgestellt hat.

Polizisten in Delhi vertreiben einen Anhänger des Yogis Baba Ramdev.

(Foto: AP)

In der Nacht zu Sonntag kommt die Polizei in das Camp. Sie hat Tränengas dabei und löst die Veranstaltung auf. Wegen "Sicherheitsbedenken", wie es ein Beamter ausdrückt. Ramdev muss Delhi verlassen, seine Anhänger werden vertrieben. Indische Medien berichten, 30 Menschen hätten ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Seither tobt ein Krieg der Worte: Die Regierung wirft Ramdev ein falsches Spiel vor. Schließlich habe sich die Politik auf viele seiner Forderungen einlassen wollen. Der Angegriffene lässt das nicht gelten, er greift Sonia Gandhi, Chefin der Regierungskoalition, frontal an: Die in Italien geborene Dame habe durch die gewaltsame Auflösung seines Protests bewiesen, dass sie nichts übrig habe "für die Frauen und Kinder dieser Nation".

Baba Ramdev ist ein berühmter Yoga-Guru mit eigener Fernsehshow und Millionen Anhängern, die ihn auch als spirituellen Anführer verehren. Aber er ist auch umstritten: Homosexualität hat er bereits als Krankheit bezeichnet. Aids und Krebs sei durch Yoga heilbar, zitierten ihn indische Medien einige Male. Aber darum geht es nicht bei seinem Protest. Er tritt gegen die grassierende Korruption und Schwarzgeld ein, das ins Ausland geschafft wird, und gegen Politiker, die sich am Volk bereichern. Seine Vorschläge, diese Übel zu bekämpfen, sind zuweilen extrem: Regierungsbeamte, die sich der Korruption schuldig machen, sollen Ramdevs Vorstellungen nach mit dem Tode bestraft werden. Die größten Geldscheine, 500 und 1000 Rupien (umgerechnet etwa 8 Euro und 16 Euro), möchte er abschaffen, weil mit ihnen die hohen Schmiergeldzahlungen geleistet würden.

Der Kampf gegen Korruption trifft im aufstrebenden Indien einen Nerv. Die Regierung des lange Zeit als unbescholten geltenden Premierministers Manmohan Singh ist durch eine Reihe von peinlichen Skandalen geschwächt. Die Commonwealth Games gerieten im vergangenen Jahr zu einer Farce, weil Unsummen versickert sind. Noch massiver ins Gewicht fiel die Vergabe von Telekommunikationslizenzen, die dem Staat nach Angaben des Rechnungshofes Verluste bis zu 30 Milliarden Euro beschert hat. Der verantwortliche Minister ist seinen Job los, die Koalition beschädigt.

Bereits vor einigen Wochen hatte der Sozialaktivist Anna Hazare Indiens Öffentlichkeit elektrisiert: Auch er hatte sich im Kampf gegen Korruption in den Hungerstreik begeben. Mit Erfolg - die Regierung fürchtete, Hazare werde tatsächlich bis zum Tode fasten und entschied sich für eine Umarmungsstrategie: Sie berief ihn in ein Gremium, das härtere Gesetze gegen Korruption auf den Weg bringen soll. Anders geht sie mit Ramdev um: Weitere Gespräche mit ihm werde es nicht geben.