Gefolterter Jesuitenpater zu Papst Franziskus "Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt"

Zwei Jesuitenpater wurden von der argentinischen Militärjunta festgenommen, fünf Monate inhaftiert und gefoltert. Papst Franziskus war damals Provinzial des Ordens - und hätte möglicherweise mehr zum Schutz der beiden Männer tun können. Franz Jalics, einer der beiden Patres, hat jetzt offiziell Stellung zum Geschehen bezogen.

Welche Rolle spielte Jorge Mario Bergoglio während der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien? Das wird seit seiner Wahl zum Papst intensiv diskutiert. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Schicksal zweier Jesuitenpater, die damals von der Militärjunta festgenommen worden waren. Erst nach fünf Monaten Gefangenschaft, Verhör und Folter wurden Orlando Yorio und Franz Jalics wieder freigelassen.

Jorge Mario Bergoglio war damals Provinzial der argentinischen Jesuiten. Kritiker werfen dem heutigen Papst vor, seine Ordensbrüder nicht ausreichend geschützt und damit dem Regime ausgeliefert zu haben. Bergoglio selbst streitet dies ab. Er habe sie vor den Gefahren gewarnt und bei der Militärjunta für sie vorgesprochen, aber wenig Einfluss gehabt.

Der Provinzialrat der deutschen Jesuiten verbreitete jetzt eine persönliche Stellungnahme Jalics', der seit langem in Deutschland lebt. Der Pater schildert darin, wie er und sein Mitbruder in der unübersichtlichen "bürgerkriegsähnlichen Situation" aufgrund von Fehlinformationen von den Soldaten der Militärjunta gefangen genommen wurden. Ein ehemaliger Laienmitarbeiter habe sich den Guerillas angeschlossen. Als dieser Monate später vom Militär gefangen genommen und verhört wurde, seien die Soldaten davon ausgegangen, die Patres ständen ebenfalls in Kontakt zu den Guerillas.

"Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt"

Nach einem fünftägigen Verhör habe ein Offizier sie eigentlich entlassen, er sehe keine Schuld. Warum er und sein Mitpater daraufhin dennoch fünf weitere Monate "mit verbundenen Augen und gefesselt" festgehalten wurden, sei ihm unerklärlich. Über die Rolle, die Bergoglio in dieser Zeit gespielt habe, könne er nichts sagen.

Jahre später, so Pater Jalics weiter, habe es mit Bergoglio, der mittlerweile zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt worden war, eine Aussprache gegeben. "Danach haben wir gemeinsam öffentlich Messe gefeiert und uns feierlich umarmt." Er sei mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie als abgeschlossen. "Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt."

Orlando Yorio soll Bergoglio nie verziehen haben

Nach der Entlassung aus der Haft war der ursprünglich aus Ungarn stammende Jalics nach Deutschland ausgewandert, wo er in Franken ein Zentrum für kontemplative Exerzitien gründete.

Der andere inhaftierte Pater, Yorio, starb im Jahre 2000. Er soll Bergoglio nie verziehen haben. Unmittelbar nach der Papstwahl hat sich Graciela Yorio, die Schwester von Orlando, mit einer E-Mail an den argentinischen Journalisten Horacio Verbitsky gewandt. Dieser hatte schon früher zu Bergoglios Rolle während der Inhaftierung der beiden Jesuiten recherchiert.

Wie die spanische Zeitung El País berichtet, hat Verbitsky den Inhalt der Mail veröffentlicht. In den zitierten Passagen zeigt sich die 67-jährige Psychotherapeutin schockiert über die Wahl Bergoglios: "Ich kann es nicht glauben. Ich bin so betrübt und wütend, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Er hat das erreicht, was er wollte. Ich höre noch Orlando zuhause im Esszimmer vor ein paar Jahren sagen: 'Er will Papst werden.' Er ist die richtige Person, die Fäulnis zu überdecken."