Engelsstatue betreibt eigenen Telefon-Dienst Himmlische Hotline

Er trägt Jeans und hat ein Handy am Ohr: Eine ungewöhnliche Engelsstatue hat ein niederländisches Ehepaar zu einer Telefon-Hotline inspiriert. Wer dort anruft, bekommt himmlischen Beistand bei weltlichen Problemen - und Tipps für den Lottoschein.

Interview: Frederik Obermaier

Die Laptop-Tasche lässig über die Schultern, das Telefon in der Hand steht er in Jeans vor der Kirche: der weltweit vermutlich modernste Engel. Vergangenen April wurde seine Statue in der niederländischen Stadt 's-Hertogenbosch enthüllt, mittlerweile hat er einen eigenen Twitter-Account (@ut-engelke), eine eigene Homepage und eine eigene Telefonnummer. Betrieben wird letztere von einem engagierten Ehepaar - so zumindest trompeten es die Engel vom Himmel.

Dieser Engel ist auf der Höhe der Zeit: Er hat einen Twitter-Account und eine Handynummer.

(Foto: Hans Wind)

SZ: Guten Morgen, wie darf ich Sie ansprechen?

Engel: Nennen Sie mich einfach "kleiner Engel".

SZ: Also gut, kleiner Engel, wie geht's?

Engel: Himmlisch gut. Wie kann ich dir helfen, mein Sohn?

SZ: Ach, ich wollte eigentlich nur mal mit einem Engel sprechen.

Engel: Da sind Sie nicht der Einzige. Pro Tag klingelt etwa 30-mal mein Handy - sogar aus Amerika haben schon Menschen angerufen.

SZ: Und was wollen die Anrufer von Ihnen?

Engel: Das ist unterschiedlich. Erwachsene rufen meist an, wenn sie traurig sind, wenn zum Beispiel Angehörige gestorben sind oder nach einer Scheidung. Sie wollen einfach nur reden. An Weihnachten waren es besonders viele. Einmal sollte ich einem Anrufer beim Ausfüllen des Lottoscheins helfen und ihm die richtigen Zahlen sagen.

SZ: Waren es die sechs Richtigen?

Engel: Keine Ahnung - er hat sich nie wieder gemeldet. Dafür rufen oft Kinder an. Sie machen sich Sorgen, dass ich mich erkälten könnte, weil ich Tag und Nacht im Freien stehe. Oder sie wollen wissen, ob ich Hamburger von McDonald's mag und was ich abends normalerweile esse.

SZ: Und was essen Sie als Engel so?

Engel: Nichts außer Brot und Wein.

SZ: Hört sich berauschend und spartanisch zugleich an. Zumindest bei der Technik scheinen Sie sich aber ein wenig Luxus zu leisten.

Engel: Ach, Sie meinen mein Handy?

SZ: Genau. Schaut edel aus. Was für ein Modell ist es denn?

Engel: Puh, das weiß ich gar nicht. Ich weiß nur, dass unter meinen Fans viele iPhone-Fans sind.

SZ: Ach ja?

Engel: Zumindest haben am Tag, als Steve Jobs starb, besonders viele Menschen angerufen.

SZ: Vor kurzem haben Sie aber Konkurrenz bekommen ...

Engel: Ja, die Gemeinde, vor deren Kirche ich stehe, hat nun selbst eine Nummer eingerichtet. Die wollen damit Spenden für Renovierungen sammeln, jeder Anruf kostet Geld. Typisch Kirche. Das Seelenheil gibt es bei denen nicht umsonst.

SZ: Und bei Ihnen schon?

Engel: Bei mir zahlt man so viel wie bei jedem anderen Gespräch auch. Es verdient also nur die Telefongesellschaft.

SZ: Aber wer ist denn nun der echte Engel? Der Engel von Kirchens Gnaden oder Sie?

Engel: Ich natürlich! Der andere ist nur eine Computerstimme, der einzig wahre und echte Engel bin ich.