Essen und Trinken Französischer Spitzenkoch Paul Bocuse ist tot

Kein Mensch hat im 20. Jahrhundert auf dem kulinarischen Sektor so viel bewegt wie Paul Bocuse. Der "Gastronomiepapst" wurde 91 Jahre alt.

Der legendäre französische Spitzenkoch Paul Bocuse ist tot. Bocuse starb im Alter von 91 Jahren. "Der Gastronomiepapst hat uns verlassen", twitterte Frankreichs Innenminister und langjährige Bürgermeister von Lyon, Gérard Collomb.

Bocuse, der seit Jahren an Parkinson litt, starb in seinem Geburtsort Collonges-au-Mont d'Or nahe Lyon, wie ein der Familie nahestehender Koch sagte. Der Wegbereiter der "Nouvelle Cuisine" besaß dort sein legendäres Drei-Sterne-Restaurant, wo er auch lebte und jetzt verstarb.

Der Spitzenkoch wurde weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus zur Ikone der verfeinerten Lebensart mit exquisiten Speisen und Getränken. Bocuse gehörte zu den Vertretern der "Nouvelle Cuisine", eine Bewegung damals junger Köche, die die französische Küche entstauben wollten. Einfache Zubereitung, frische Zutaten, Regionalität - das waren die Grundlinien. "Das große Restaurant ist ein Theater", sagte Bocuse einst. Gerne ließ er sich von seinen Gästen feiern.

Ein rasanter Aufstieg

Fachleute sind sich einig: Kein Mensch hat im 20. Jahrhundert auf dem kulinarischen Sektor so viel bewegt wie Paul Bocuse. Als Nachfahre eines alten französischen Gastronomengeschlechts hat er auf einem ererbten Grundstück in Collonges-au-Mont-d'Or an der Saône ein gastronomisches Imperium aufgebaut, das neben den beiden mit Sternen überhäuften lokalen Restaurants gleich fünf Bistros in der benachbarten Stadt Lyon und mehrere regional spezialisierte Lokale außerhalb Frankreichs betreibt. Innerhalb eines Jahres erhielt seine "L'Auberge" den ersten Stern im renommierten Gourmet-Führer Guide Michelin, und Bocuse selbst wurde 1961 als "Bester Arbeiter Frankreichs" ausgezeichnet. 1962 bekam sein Restaurant einen zweiten und 1965 einen dritten Stern. Diese höchste Auszeichnung im Guide Michelin, die Bocuse seither führt, war die erste spektakuläre Krönung seines sensationellen Aufstiegs zum berühmtesten französischen Drei-Sterne-Koch.

Seine Mitarbeiter nannten Bocuse nur "Monsineur Paul". Viele der heute prägenden Köche in Europa haben im diktatorisch streng geführten Betrieb von Bocuse nicht nur die Grundbegriffe des Kulinarischen und die Rituale des Gästeverführens erlernt, sondern auch die kommerziellen Strategien, die man braucht, um mit einem gehobenen Restaurant überleben zu können oder gar Gewinn zu machen.

Seit dem Jahr 1987 wird der Wettbewerb "Bocuse d'Or", zu dem Spitzenköche aus vielen Ländern antreten, ausgetragen. Er entwickelte sich zur Olympiade für Köche.

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