Bunte-Interview "Sie hat so etwas dämonenhaft Schönes"

"Und bamm...": Frauke Petry und Marcus Pretzell verliebten sich im gemeinsamen Widerstand gegen Bernd Lucke. Hier auf dem Parteitag in Essen im Juli 2015, bei dem Lucke abgewählt wurde.

(Foto: dpa)

AfD-Chefin Frauke Petry verließ ihren Mann für den Parteikollegen Marcus Pretzell. Nun haben die beiden ein gemeinsames Interview gegeben.

Von Julia Ley

Als die AfD-Vorsitzende Frauke Petry im Oktober vergangenen Jahres ihren Ehemann für den Parteikollegen Marcus Pretzell verließ, war das für viele - sagen wir mal - überraschend. Ausgerechnet die Frau, die stets ein traditionelles Familienbild predigt, verlässt ihren Mann für einen Anderen?

In einem Bunte-Doppel-Interview haben Petry und Pretzell nun zum ersten Mal über die Beziehung gesprochen. "Mädchenhaft und zart" erscheine die sonst so scharfzüngige Parteivorsitzende neben ihrem Gefährten, schreiben die Autoren. Und auch Pretzell, der "ungehobelte Provokateur", entwickle plötzlich Charme. Einen Widerspruch zu den Idealen ihrer Partei sieht Petry in ihrer Trennung nicht: Ihr Ehemann, ein evangelischer Pfarrer, und sie hätten sich auseinander gelebt, die Kinder lebten nun abwechselnd bei beiden. "Ich bin nach wie vor ganz für die vier da, mache ihnen morgens das Frühstück, fahre sie zur Schule - wie jede Mutter eben", sagt Petry.

Es scheint, als hätten sich alle gut an die neue Situation gewöhnt. Obwohl die Beziehung zu Pretzell wohl sogar für die beiden selbst etwas überraschend kam. Anfangs hätten sie sich "nicht ausstehen" können, versichert Petry. Näher gekommen seien sie sich erst im vergangenen Sommer, als Petry anfing, am Thron des damaligen Parteichefs Bernd Lucke zu sägen. Im Widerstand gegen Luckes Flügel hätten sie sich gegenseitig die Bälle zugespielt, sagt Pretzell: "Und bamm... Ich fand Frauke immer attraktiver. Sie hat so etwas dämonenhaft Schönes".

Sie schätzt seine "männliche Stärke"

Petry schätzt an ihrem Partner seine "männliche Stärke" und dass er ihr einen Rückzugsort biete in der Härte des politischen Alltags, denn die verbalen Angriffe ihrer politischen Gegner perlten natürlich "nicht komplett" an ihr ab. "Bei Marcus kann ich mich anlehnen", sagt sie. "Das brauche ich auch hin und wieder." Die "Eisprinzessin", als die sie in den Medien oft dargestellt wird, sieht Pretzell in ihr nicht. Wer so angefeindet werde, müsse sich einen "gewissen Panzer" zulegen. "Gerade emotional verletzliche Menschen können sich im Politzirkus ohne Schutz nicht behaupten."

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So verletzlich Petry im Privaten sein mag, so sehr, das sagt sie selbst, habe sie auch gelernt, sich "durchzubeißen". Auch damals, als sie als 14-Jährige zusammen mit der Mutter dem Vater aus der DDR in den Westen nachzog, noch vor der Wende. Ob sie damals als "Ossi" abgestempelt wurde? "Ich stieß im Ruhrgebiet auf große Vorurteile", sagt Petry. "Ich habe mir meinen Dialekt abtrainiert, um dazuzugehören. Um anzukommen, muss man sich auch anpassen." Petry war also das, was heute ein "Wirtschaftsflüchtling" genannt wird, ihr Vater verließ die DDR, um sich im Westen ein besseres Leben aufzubauen. Sie habe Verständnis für jeden, "der sein Leben gestalten will", sagt Petry. Aber: Im Vergleich zur heute notwendigen Integration sei die Wiedervereinigung "ein Kinderspiel" gewesen.