Berlin-Neukölln: Brand in Wohnhaus Familie stirbt bei Feuer

Bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus ist am Samstagmorgen eine dreiköpfige Familie in den Flammen ums Leben gekommen - darunter auch ein Säugling. Brandstiftung kann nicht ausgeschlossen werden.

Dramatische Szenen im Morgengrauen in Berlin-Neukölln: Flammen schlagen lichterloh aus den Fenstern eines tristen Hinterhauses in der Sonnenallee, Hilferufe schallen über den Hof bis auf die vielbefahrene Straße in Sichtweite des Hermannplatzes. Kurz nach sechs Uhr am Samstagmorgen versucht ein Mann sich schwer verletzt mit einem Sprung aus dem ersten Stock zu retten. Er stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Die Feuerwehr bläst umgehend mehrere Luftkissen auf, sodass sich weitere Bewohner mit Sprüngen aus den Fenstern in Sicherheit bringen können.

Ein Feuerwehrmann kümmert sich an der Brandstelle in Berlin Neukölln um zwei Frauen. Bei dem Feuer in einem Mehrfamilienhaus in der Sonnenstraße waren zwei Erwachsene und ein Säugling ums Leben gekommen.

(Foto: dpa)

In der Wohnung finden die Rettungskräfte bei den Löscharbeiten die Leichen einer Frau und eines wenige Tage alten Babys. Die schreckliche Bilanz: Eine Familie wurde am Samstag bei dem Wohnungsbrand in Neukölln getötet. 18 weitere Mieter des Hauses wurden verletzt, insgesamt 31 Personen mussten in Sicherheit gebracht werden.

"Ich habe Rauch bemerkt und die Schreie der Frauen gehört"

Auch Stunden nach dem Brand sitzen einige davon noch in einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe. Seelsorger und Ärzte kümmern sich um die unter Schock stehenden Menschen, die zum großen Teil türkische und bosnische Wurzeln haben. Wie es mit ihnen weitergeht, ist noch unklar. Mindestens acht Personen müssen in Notunterkünften untergebracht werden, da ihr Zuhause unbewohnbar ist.

Stunden nach dem Alarmruf ist eine Angestellte der Bäckerei im gleichen Häuserblock immer noch schockiert. Sie alarmierte gegen sechs Uhr die Feuerwehr. Es riecht noch nach Qualm in der Backstube. Die hinteren Räume führen direkt in den asphaltierten Hof. Noch immer steigt eine kleine Rauchwolke aus einem der eingeschlagenen Fenster im ersten Stock. Bis in die dritte Etage sind Brandspuren zu sehen.

"Ich habe Rauch bemerkt und dann die Schreie der Frauen gehört", erzählt die junge Frau. Daraufhin habe sie sofort zum Telefonhörer gegriffen. Nach etwa 20 Minuten seien die Einsatzkräfte vor Ort gewesen.

Der 28-jährige Emir Salcinovic wurde von seinem Bruder angerufen, der in dem Hinterhaus im ersten Stock wohnt. "Er war sehr aufgeregt und rief, dass überall Rauch ist und ich schnell kommen soll", berichtete er. Die Wohnung des Bruders liegt direkt neben der besonders betroffenen Wohnung der Familie, die bei dem Brand getötet wurde. Er habe die drei nur flüchtig gekannt. Auch die Familie seines Bruders musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Die Ursache für den Brand war am Samstag noch unklar. Die größten Schäden entstanden nach Polizeiangaben im Hausflur und in der Wohnung im ersten Stock. Auch Brandstiftung kann nicht ausgeschlossen werden. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei dauerten am Nachmittag an.

In den vergangenen Jahren war es in Berlin immer wieder zu größeren Bränden mit mehreren Todesopfern gekommen. So kamen bei einem Feuer in einem von Ausländern bewohnten Mietshaus in Moabit im August 2005 neun Menschen aus Polen, Kosovo und Bosnien-Herzegowina ums Leben.

Die Sonnenallee liegt mitten im Herzen des türkisch und arabisch geprägten Neukölln. Die Gegend gilt als sozialer Brennpunkt.