Berlin Israeli in Berlin möglicherweise wegen Zigaretten und Alkohol getötet

  • Der gewaltsame Tod eines jungen Israelis in Berlin wird vor Gericht verhandelt. Angeklagt ist ein 28-jähriger Albaner.
  • Er soll in der Tatnacht mit seinem Opfer in Streit geraten sein, Anlass waren angeblich Zigaretten und Alkohol.
  • Ob die Tat auch ein antisemitisches oder homophobes Motiv hatte, ist bislang unklar.
Von Verena Mayer, Berlin

Der Angeklagte lässt seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen

Die Bilder sind in Berlin noch gut in Erinnerung. Eine alte Kirchenruine in der Nähe des Alexanderplatzes, es ist kurz nach Ostern. Man sieht Kerzen und israelische Fahnen, Mitglieder der jüdischen Gemeinde versammeln sich, um an Yosi D. zu erinnern, einen jungen Israeli, der in der Nacht zum Ostersonntag hier gestorben war. Getötet mit Tritten und Schlägen, die sein Gesicht so entstellten, dass die Ermittler erst den jungen Mann nicht dem Pass in seiner Hostentasche zuordnen konnten.

Der Fall sorgte über die Hauptstadt hinaus für großes Aufsehen. Denn bis heute ist unklar, warum Yosi D. sterben musste. Ein Israeli, totgetreten mitten in Berlin. Am zweiten Prozesstag vor dem Berliner Landgericht kam nun zumindest heraus, was in jener Nacht passiert ist. Der Angeklagte Fation D. ließ seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Fation D., 28, dunkler Anzug, das Haar an den Seiten abrasiert, selbst sagte nichts. Nur manchmal zog er die Stirn in Falten, so, als wüsste er nicht, warum er eigentlich hier sitzt. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Totschlags angeklagt.

Angeblich ging es darum, wer Alkohol und Zigaretten bezahlt

Es ist die Geschichte einer so zufälligen wie tragischen Begegnung, die der Verteidiger vortrug. Fation D. ist Albaner, aber in den USA aufgewachsen. Nach einer alkoholisierten Autofahrt wurde er zurück nach Albanien abgeschoben, von wo aus er sich als Kellner in Berlin bewarb. Vor seinem Bewerbungsgespräch verbrachte er einige Zeit in einem Hostel am Alexanderplatz, wo er schon mittags mit einer Flasche Alkohol gesehen wurde und eines Abends den Israeli Yosi D. kennenlernte.

Der war ebenfalls schon länger unterwegs, als Tourist erst in Südamerika, dann in Deutschland. Yosi D. hatte in Köln gelebt, wo er in der Schwulenszene unterwegs war, im Frühjahr fuhr er nach Berlin. Er zog durch die Stadt, war mal tanzen im Berghain, dann bei einem Sabbat-Essen in einem jüdischen Gemeindezentrum. Er hatte kaum Geld und musste die israelische Botschaft um Hilfe bitten. Eine junge Rezeptionistin aus dem Hostel sagte vor Gericht, er habe auf sie einen "verlorenen, verzweifelten Eindruck" gemacht.

Mit Fation D. saß er am Alexanderplatz, die beiden tranken Bier und Cognac. Später zogen sie weiter, kauften noch mehr Alkohol, landeten an der Kirchenruine. Dort sei es zum Streit gekommen, so Fation D., angeblich ging es darum, wer Zigaretten und Alkohol bezahlt. Der Israeli habe ihn am Hals gepackt, worauf ihm "ein aus der High School bekannter Ablauf vom Wrestling" hochgekommen sei. Er warf Yosi D. zu Boden, an den Rest will er sich nicht mehr erinnern können. Auch ob die Tat ein antisemitisches oder homophobes Motiv hatte, bleibt nach seiner Aussage weiterhin unklar. Fation D. ließ nur noch verlauten, dass er "zutiefst bedaure, was passiert ist". Ob er schuldfähig ist und in welchem Ausmaß er während der Tat unter Alkoholeinfluss stand, muss nun der psychiatrische Sachverständige klären.